Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 10 (7.1876)
- Date
- 1876-07-01
- Page
- Seite 296 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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die Propheten Israels kennen nur Mitleid. ״Mein Herz wehklagt um Moab" sprechen Jesaias und Jeremias^) — ״Menschensohn, m. stimme ein Klagelied an über Tyrus", heißt es bei Ezechiel*). — I Dieser Feiertag gilt nicht dem Siege, nicht den Siegern, sondern ן der Aufrichtung des deutschen Reiches, bent Erstehen eines j geeinigten deutschen Volkes, versinnbildlicht durch die Wiederherj stellung des Kaiserthums, welches ein Reich des Friedens und ein Hort der Ruhe im Herzen unsres Erdtheils sein soll, nach dem \\ Wunsche unsres Kaisers, unsres gesummten Volkes und hoffentlich! auch nach dem Witten Gottes. ' Knüpft sich diese Erinnerung gerade an den heutigen Tag? Was kümmert uns,!!reine Freunde, das Gezanke der Parteien, der heimtückischen oder offenen Feinde, der übereifrigen Liebedienerei? Die Einen nlöchten den Tag feiern, an bent die Abgeordneten des Volkes die Kaiserkrone geboten, die Andern den, an dem die Fürste!: dem Könige von Preußen ihre Huldigung ausgesprochen; das sind . Tage, welche Menschen gewählt haben; das Volk hat in richtiger > Erkenntniß den Tag erkoren, den Gott bestimmt hat, den Tag eines großen Gottesgerichtes; das ist die Bedeutung dieses - Tages, nicht nach!meiner Ansicht und Einsicht, sondern im Sinne .des Textverses: ״laßt uns froh sein in Gott!" Und weil das neuerstandene Reich der Gegner viele hat, Feinde ringsun! und Hasser in! Innern, darun! möchten seine Freunde sich um so inniger dieses Tages freuen und ,um so kräftiger das Nationalsest begehen. Das ist in der That richtig und wichtig; aber ׳ darum sind wir, Israeliten, doch nicht gesonnen, hier zu feiern um einer Demonstration willen und eine solche in unser Gotteshaus zu verlegen. Nein, es ist wohl ein erhebendes Gefühl, (und ich!nöchte, daß es Euch so einleuchtete,) wenn!vir uns sagen, daß der gesunde, religiöse, friedliche nicht nach Kriegsruhm und Beute lüsterne Sinn unseres Volkes niA den Tag der großen Schlacht, den gestrigen, gewühlt hat, sondern den heutigen, an dem der Feind die Waffen streckte, den Tag, an dem — wie die Hastarah des Sabbathtages, an dem wir die Kunde, die Wundermähr vernahmen, y. es ausspricht') — ״Gott entblößte seinen heiligen Arm, und alle En- \1 den der Erde — ja noch jenseit des Weltmeeres — seine Hülfsthaten sahen." Da hat ja auch der Stumpfsinnigste es empfunden: ף Jes 15, 5; 16,11. Jerem. 48, 31 ff. 4) Ezech. 27, 1. 5) Jef. 52, 10.