Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 10 (7.1876)
- Date
- 1876-07-01
- Page
- Seite 284 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9617075-9617357--0639-9617375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
11* ,/י־" ■ל 284 ist der Herr, ewiglich währt seine Huld und 1ו0ט Geschlecht zu Geschlecht seine Treue! (Ps. 100, 1 u. 5). Amen! r t Getragen von den Gefühlen der Freude und des Dankes feiern wir heute, m. a. Z., mit unfern Mitbürgern die große Begebenheit, den wunderbaren Tag, der entschieden über unseres Vaterlandes Geschick nnd Glück, der uns Sieg und Ruhm und Friede, und dem ruhmgekrönten Heldenhaupte unseres greisen Königs die Krone der geeinigteu deutschen Lande brachte. Jahre liegen zwischen jenem und dem heutigen Tage, Zeiten werden in den unermüdlichen Strom des Seins münden; wird aber, darf aber jene merkwürdige Begebenheit vergessen werden? Wohl hat' die Welt ein schwaches Gedächtniß, und Ereignisse, von denen man dachte, daß sie allezeit den Meuschen vorschweben werden, sinken auch gar rasch in's Reich der Vergessenheit; allein die Weltgeschichte hat ein gutes Gedächtniß, sie gräbt mit unvergänglichem Griffel und erhält der Nachwelt die Größe der Ahnen; sie wird auch diesen Tag erhalten, weil er bedeutsam, weil mit ihm das Geschichtsleben unseres Volkes ein neues Blatt zu verzeichen beginnt, weil er dem deutschen Geiste, der lange in den engen Wänden einer Krämerdose zusammengepreßt gelegen, eine frische Schwungkraft verlichen, weil er der Quell ist geworden, der mit neuem Leben überströmte die deutschell Gauen. Und so hat auch mit Recht unser Volk erfaßt des Tages Bedeutung; alle Gotteshäuser sind gefüllt mit feiernden Versammlungen; das ganze weite Reich ist ein Dankaltar, auf dem liebliches Opfer, der Lippen heilige Regung, zum Himmel emporsteigt; die ganze Nation ist eine von heiligen Gefühlen durchgeistigte Gemeinde. Und ist sie nicht gerechtfertigt, Jsr., auch unfere Freude, ist nicht billig unsere Theilnahme? Sollten wir alleill Zurückbleiben, wo Alles Dank athmet und Freude? Mit Nichten, meine Brüder! Sind wir nicht Deutschland's Söhne, hat nicht auch unsere ״Seele gehört der Kriegsposaune wilden Ton und der Schlachten grimmigen Lärm". (Jer. 4, 19)? Haben nicht auch Israels Jünglinge im heiligen Kampfe geblutet; find sie nicht herbeigeeilt aus Palast und Hütte, aus der stillen Kammer, wo des Gedankens Blitze leuchten, wie aus der lärmerfüllten Werkstätte, wo der Fleiß der Hände adelt? Haben sie nicht verlassen die trauten Fluren der Heimath, das stille Glück der Familie, um des bedräng-