Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 8-9 (5.1876) Mai-Juni
- Date
- 1876-05-01
- Page
- Seite 262 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Gemüther sein, ®eroaubt uub treffend leiteten diese Kundschafter die Wendung in ihrem Berichte mit jenem bedeutungsvollen Wörtchen, mit jenem ״Aber" ein, deffen auch wir uns sofort bedienen, wenn es gilt, die Schattenseiten einer Person oder Sache mit Nachdruck hervorzuheben. ״ אפם כי עז העם וכיaber gar stark ist das Volk, das in diesem Lande wohnt, dieses Land verzehrt seine Bewohner, und die Menschen, die wir darin gesehen haben, sie sind alle von hoher Statur." Und merkwürdig, wie die Kundschafter in der Wüste, ganz und genau so sprechen auch in unseren Tagen jene Männer, welche die an uns gestellten Forderungen der Religion in Hast und Eile an sich vorüberziehen lassen. Ja, so sagen sie, wir können es nicht läugnen, die Religion hat sicherlich ihre großen Vorzüge, sie ist ein Segen des Himmels für die unwissende Menge, sie ist die Sonne, welche in den unteren Volksschichten gar herrliche Früchte zur Reife bringt, aber — und jetzt folgt der eigentliche Bericht — die Forderungen, die sie stellt, die Ansprüche, die sie erhebt, sie haben eine kerngesunde, eine allen Anstrengungell hohnsprechende Natur zur Voraussetzung, eine Natur, deren wir moderne Menschen uns schon lange nicht mehr rühmen können. Die Männer, welche wirklich noch religiös leben, das sind ״ אנשי םה1הMänner von hoher Statur," eigenartige Menschen, an die wir den alltäglichell uub gewöhnlichen Maßstab nicht anlegen dürfen, das sind Riesen, die spärlichen Ueberreste eines Menschlages, der schon lange im Aussterben begriffen ist. Wollet Ihr, m. A., diesen lügnerischen Reden wie Eure Ahnen in der Wüste Glauben schenken? Ihr seid ja vorurtheilslose, freie Männer, so sehet doch mit Euren eigenen Augen und urtheilet selbst. Ist es Euch ernstlich darum zu thun, das Land der Verheißung zu sehen, so müsset Ihr das religiöse Leben in der Nähe beobachten, so müsset Ihr es durch eigene Anschauung kennen lernen. Tretet doch einmal ein in ein echtjüdisches Haus, wo die Religion kein Aushängeschild, kein Deckmantel, sondern die Seele, die Sonne ihrer Bekenner ist. Richtet Euer Augenmerk blos auf die Frau eines solchen Hauses. In allen ihren Bewegungen, in ihrer ganzen Haltung bekündet sie Majestät, in ihren Augen, in ihren weichen und fanften Gesichtszügen hat die himmlisch-reine Keuschheit ihren Sitz aufgeschlagen, aus ihrem milden Blicken spricht Gemüthstiefe, Herzenstreue, Glaubensinnigkeit zu Eurem Herzen; was sie sagt, es bleibt Euch in der Seele hasten, denn sie schlägt niemals einen hohen, wohl aber