Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 8-9 (5.1876) Mai-Juni
- Date
- 1876-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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248 der feste Damm, den den Fluthen der Leidenschaften wir allein entgegen stellen können. Es ist ein altes, wahres Wort: עינא ולבא ״ תרי סרסורי דעבירה אינוןAug' und Herz, der Sünde Makler sind's!" Was das Auge sieht, was das Herz begehrt — wie kannst ein Glück Du finden, so Du es nicht vermagst, beu Zügel anzulegen den allzuheißen Wünschen, zu fesseln die Begier? Als Mittel der Erziehung also, vornehmlich der Selbsterziehung, werden wir, obschon der Peinigung des Leibes, wie unsre Weisen, abhold, mit ihnen der Entsagung das Wort reden, werden der Kasteiung wir in unfern! eignen Leben Raum geben. Daß jedoch nur zur rechten Zeit zu diesem Mittel wir uns wenden dürfen, lehret folgende Erzählung uns: ״Simeon, der Gerechte, der Letzte von den Männern der großen Synode, ein Mann, der des Priesterthumes und der Weisheit Krone vereint trug mit dem Diadem eines lauteren Charakters, war unnöthig selbstauserlegter Peinigung derart abhold, daß nie von den! Sühnopfer eines Nasiräers er den ihm als Priester gebührenden Antheil nahm. Nur ein einziges Mal wich er von dieser Regel ab. ״Einst, so erzählet er, sah einen in herrlichster Schönheit prangenden Jüngling ich zu mir emporsteigen. Eil; Kranz wallender Locken umrahuite das in der Gesundheit-Fülle strahlende mit geistvollen Augen belebte Antlitz. Was beweget Dich, durch des Nasirats Ersüllung dieses Körpers Schönheit auf lange'Zeit zu vernichten?" Sieh', entgegnete nur der Jüngling, unschuldsvoll lebte ich als Hirt, bis eines Tages ich in! Spiegel eines Baches mein Bild betrachtete. Da stürmte finstrer Leidenschaften ein ganzes Heer auf mich ein. Stolz und Selbstsucht, Eitelkeit und hämische Verachtung minder begünstigter Genossen! Den Sieg über sie zu erringen vermocht' ich nur durch die Betrachtung: Wie kannst o Haupt, so thöricht du dich überheben des wegen, das nicht dir — nein der Erde, der Verwesung Wurm angehört? Deshalb will des Körpers Schönheit ich vermindern, um der Seele Reinheit zu erhalten." Von dieses Nasiräers Opfer aß unser hoher Meister — uns allen zur Belehrung, daß wir dann des Körpers Trieben Unterdrückung auferlegen, dann Entsagung üben sollen, wenn der Seele, der Gedanken klarer Spiegel durch sie befleckt, getrübt wird. So in diesem Sinne wir Entbehrungen uns auferlegen, sind sie geweiht dem Ewigen, — frei von niedriger Nebenabsicht führen sie dann hin zur Heiligung unseres ganzen Seins. Amen!