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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-05-01 · 8-9 (5.1876) Mai-Juni · p. Seite 238

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
8-9 (5.1876) Mai-Juni
Date
1876-05-01
Page
Seite 238 (sequence 26)
Language
German
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238 gende Gotteshand hinzuweiserl sich getraute, er, der Mann der strengen unerbittlichen Wahrheit, war der geeignete Lehrer, Erzieher und Bildner des Volkes, das einst der Erzieher und Lehrer der ganzen Menschheit werden sollte. Das ist ja der große pädagogische Fehler unserer Zeit, daß wir unseren Kindern nur die schönen, lichten, glänzenden Seiten des Lebens zeigen, durch diese sie anzuspornen und zu ködern suchen, ihnen aber nie die ernsten, düsteren, drohenden Bilder des Lebens vorführen, um sie dadurch vor Fehl und Sünde zu bewahren. — Wir sagen unfern Kindern: Seid fleißig und strebsam — damit ihr einst viel Geld und Gold habet, damit ihr eine glänzende Stellung im Leben einnehmet; sagen i^ue:t aber nie: Seid fromm und gottesfürchtig, sündiget nicht, fehlet nicht, denn Gottes Hand ist furchtbar und gewaltig, sie zermalmt und vernichtet den, der den Weg der Tugend verläßt und sich gegen seinen Willen auflehnt. Und doch sagt die Thora (2. B. M. 13, 14): Und wenn dich dein Sohn fragt: Was ist das! dann sollst du ihm sagen ״ בחזק ידmit starke r Hand hat uns Gott herausgeführt", dann sollst du auf die gewaltige, furchtbare Hand Gottes — die den Sünder niederstreckt und in den Staub wirst — Hinweisen, um ihn dadurch vor Irr- und Abwegen zu bewahren! III Die Wahrheit ist ernst und strenge, man hört die Wahrheit nicht gerne, man bleibt lieber der Stätte fern, wo sie verkündet wird, man will an die Wahrheit nicht gemahnt und erinnert werden. Und werden wir denn, m. A., nicht einst erinnert an die Wahrheit — ob wir wollen oder nicht — und wenn durch nichts Anderes, so durch den — Tod! Erinnert er uns nicht an die Vergänglichkeit des Staubes und die Ewigkeit des Geistes! Wir lesen, m. A., am Peßach: Schir haschirim — der Midrasch dieses Buches enthält folgende Fabel: Stroh , und Spreu stritten einst miteinander. Das Stroh sagte, die Menschen mühen und plagen sich, säen, furchen, ackern u. s. w., und das Alles ist meinetwegen, die Menschen wollen Stroh haben, das ist ihr Stolz und ihre Freude. Die Spreu antwortet: Eitler Thor! Des Stroh's wegen würden die Menschen keine Hand rühren, das höchste Gut der Menschen ist Spreu, und meinetwegen geschieht

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