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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-05-01 · 8-9 (5.1876) Mai-Juni · p. Seite 216

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
8-9 (5.1876) Mai-Juni
Date
1876-05-01
Page
Seite 216 (sequence 4)
Language
German
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216 II. ״ ונתתי רוחי בכםIch werde meinen Geist in euch geben," das wird nach des Propheten Wort die Ursache, die Möglichkeit zum Leben. Wann man sagen kann, dies zeigt ein Leben in Israel, das haben wir besprochen, aber wir haben die nicht minder wichtige Frage zu beantworten: Wie gelangt Israel zu solchem Leben, wodurch entfaltet sich die Rührigkeit für die Religion in allen seinen Gliedern? M. Th., das Beispiel ist uns durch den Propheten zur Erklärung gegeben. Die Leiche und der lebende Mensch unterscheiden sich im Allgemeinen äußerlich fast gar nicht. Kein Glied fehlt am äußern Körper, aus dem Innern haben wir Nichts entschwinden sehen und die Organe sind innen wohl auch sämmtlich da; aber daß die Leiche trotzdem kein Leben zeigt, ist, weil ihr die Lebenskraft entflohen, der Lebensgeist, das Lebenselement, die Idee des Dinges, welche gestaltend wirkte, nenn' es, wie du es willst, dies ist weg und darum — Tod. Und sollte es anders sich im religiösen Leben des Einzelnen, wie der Gemeinschaft verhalten? Die jüdische Gemeinde, welche todt ist, kann den Schein mit der lebenden theilen, alle Glieder kann sie haben, alle innern Organe können vorhanden sein, aber daß sie trotzdem nicht lebt, das ist, weil der religiöse Geist geschwunden oder geschwächt ist, weil die Quelle aller Religion: die 'יראת ח, die natürliche Scheu vor dem in dem Menschenherz sich wiederspiegelnden göttlichen Wesen, versiegt ist oder getrübt oder verschlossen. Dieser Drang der Menschenseele nach einer Heinrath, die in dieser Sinnenwelt nicht liegt, nach einem Urvater, als dessen Sprößling man sich fühlt, diese Sehnsucht, ihn zu kennen, dieses Verlangen, von ihm geliebt zu werden, diese brennende Begierde, seinen Willen zu kennen und seine Größe zu erforschen, diese freudige, unbedingte Anerkennung seiner Erhabenheit und das tiefe Gefühl der eigenen Ohnmacht und Winzigkeit, dieses Bewußtsein, daß man allein nichts vermag, mit Gott aber Hohes erreichen kann, alle diese Gedanken und Empfindüngen nimm zusammen und füge hinzu die beklommene Angst vor Sünde und Vergehen und sammle alle diese Thatsachen deiner Seele in dem Brennpunkt ihres Gottesspiegels, vereinige sie zu einem Ganzen, das dich bald mit Sturmesbrausen umtönt, bald wie Davids Harfenton umspielt, dich bald hoch zu den Sternen trägt, bald tief in den Staub beugt, bald dich treibt wie mit des Stromes Gewalt, bald dich fesselt wie mit ehernen Banden, bald dich beflügelt

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