Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 6-7 (3.1876) März-April
- Date
- 1876-03-01
- Page
- Seite 166 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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eigene Welt ihnen in das Herz gelegt, so daß der Mensch an dem Werk, das Gott gemacht, nicht ausfindet weder Anfang noch Ende." M. A. ' Wenn der *Trieb der Selbsterhaltung sich ungezügelt geltend macht, wenn der Mensch sich gleichsam loslöst von der Welt im Großen, und ohne Rücksicht auf das Allgemeine nur sich selber lebt und der Welt der Triebe und Begierden, die sich in seinem Herzen regen, dann hat die Selbstsucht über ihn gesiegt und hat ihn ihrem Sklavenjoche unterworfen. Wir halten dann das eigene ״Ich" für den Mittelpunkt des ganzen Universums, und die übrige Welt scheint uns nur zu dem Zwecke da zu sein, um in der Erreichung unserer Pläne, in der Befriedigung unserer Lüste uns zu fördern. Es bewahrheitet sich dann uns jenes Wort des Koheleth, daß der Mensch über die Welt in seinem Herzen alles Andere vergißt und nicht im Stande ist, weder Anfang noch Ende auszufinden an dem Werk, das Gott gemacht. Der Mensch in seiner Selbstsucht kennt nur einen Maaßstab, an dem er Alles mißt, das ist sein eigenes ״Ich". Nichts ist so erhaben, daß er es nicht herabzöge zu sich selbst, daß er nicht bemüht wäre, vorzugsweise die Beziehung zu seinem eigenen Wohl und Wehe daran herauszufinden. Allein auf der andern Seite lebt wieder in der Brust des Menschen unzerstörbar die Sehnsucht, die ihn treibt, über sich hinaus zu gehen und dem Allgemeinen nachzustreben, seinem Einzeldasein durch das Aufgehen in ben Gottesgeist eine höhere Weihe zu verleihen, aus der Niederung, in welcher er da unten im Weltgetriebe sich befindet, sich aufzuschwingen zu des Lebens heiligen Höhen. Wenn die Seele aus dem Schlummer erwacht, in welchen die Selbstsucht sie gewiegt hat, sobald der Taumel geschwunden ist, dem wir eine Zeit lang uns hingegeben haben, dann empfinden wir eine innere Leere, die bis zum Lebensüberdruß sich steigern kann, es erhebt in unserm Herzen sich dann die quälende Frage: Was haben wir denn eigentlich gefördert durch all unser Thun, dem wir seither fast ausschließlich unsere Kräfte gewidmet haben? Haben wir in dem, was wir erstrebt, auch euren hinreichenden Ersatz gefunden für alles das, was wir um seinetwillen aufgegeben haben? M. A.! Wessen Leben unberührt geblieben ist von dem Gotteshauche, der heiligend die Welt durchdringt, wer es nicht verstanderr hat, sein Leben mit einem höheren Inhalt zu erfüllen, der muß dann trotz aller äußeren Erfolge, die ihm sonst vielleicht zu Theil geworden, sich unbefriedigt