Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 4-5 (1.1876) Januar-Februar
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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156 ו Jellinek — besonders in einer Festpredigt — unschön. Die Predigt soll ein Kunstwerk sein, aber nicht etwas Gekünsteltes: man tadelt mit Recht die sogenannten ״Wörtchen" der Alten, aber man nimmt keinen Anstand, neue, moderne anzufertigen und in die Predigt, richtiger in den ״Poßuk" hineinzustellen. Das ist vielen Predigern zur Manier geworden, es ist Zeit vor solcher Geschmacksverirrung zu warnen. Und noch Eins. Liegt für Bibelkenner unstreitig ein nicht geringer Reiz der jüd. Predigt in der überraschenden Anwendnng von Bibelversen, so darf doch der Anwendung zu lieb die Exegese des betr. Verses nicht gefälscht werden. Wie kommt z. B der gesch Hr. Verf. dazu, S. 16 das "!21 קו לקר mit ״Kopf an Kopf, hier ein Häuflein u. s. w." zu übersetzen? Etwa um die Alliteration im Deutschen wiederzugeben!? Soviel wir an der ersten Predigt auszusetzen faitben, so wenig an den anderen. Die zweite behandelt in sehr origineller Weise das unerschöpfliche Thema ״Geld", an die drei hebr. Bezeichnungen dafür anknüpfend. (Daß Raschi S. 28 ״Jarchi" genannt wird, sollte nicht mehr gerügt zu werden brauchen.) In der schön durchgeführten Succothpredigt erschien uns nur die Anwendung der Lalmud. Erzählung von dem mit Eßrogim zu Tode geworfenen Sadduzäers Sucka 48b von geringem homiletischen Werthe; ניסך ע״נ רגליו kann doch nie und nimmer heißen ״auf eigenen Fußen stehen".!? Die Peßachpredigt hätte durch Hinweglassung der gezwungenem Deutung der Mischna המכבה את הגרוב nur gewonnen. Fassen wir zum Schluß unser Urtheil über diese Predigsammlung zusammen, so geht dasselbe dahin, daß der Verf. sich darin als geistvollen Prediger documentirt, daß er entschieden Talent in der Anwendung von Bibelversen und Deutung von Midraschim besitzt, daß aber die Predigten nach dieser Seite hin an Ueberfüllung leiden, ja daß die Deutung oft auf Kosterl der Exegese geschieht. Bei richtigem Maaßhalten und Vermeiden von Ausschreitungen würde eine Fortsetzung dieser Sammlung sehr willkommen sein. Der Verf. beherzige das: ״Jll der Beschränkung zeigt sich der Meister." R. רגמוה״ (י braucht noch nicht ״tobten" zu heißen. ״Das Aolk bewarf ihn mit Ethrogim." (Red.) % 0