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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-01-01 · 4-5 (1.1876) Januar-Februar · p. Seite 138

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
4-5 (1.1876) Januar-Februar
Date
1876-01-01
Page
Seite 138 (sequence 42)
Language
German
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138 sein. Was ist es, das beit am Stabe dahinschleichenden Greis in eine fast kindlich fröhliche Stimmung versetzt, den geschwächten und gelähmten Gliedern neue Stärke und Schwungkraft zu verleihen scheint! Was ist es, das dem Traurigen und Gebeugten Muth einzuflößen und Lebenslust wiederzugeben vermag! Nun, m. A., es ist der tröstliche Gedanke, der sich uns bei dem Anblicke der wieder freien, entfesselten Natur mit wundersamer Zaubermacht aufdrängt, daß ebenso, wie die thätige, eine Zeit lang in Fesseln gelegte, scheinbar leblose Natur zu neuem Leben wieder erwacht ist, auch der Mensch nach einem thätigen Leben nur scheinbar dem trägen Zustände, den wir Tod nennen, anheimfalle, um dann ein neues Leben zu beginnen. Aus jedem emporschießenden Halme, aus jeder sich entfaltenden Blüthe schöpft der gramvolle, über einen schmerzlichen Verlust sich abhärmende Mensch Trost und giebt sich gern der gleich linderndem Balsame wirkenden Ueberzeugung hin, daß der Tod nur das sichtbare Band zwischen Menschen und Menschen löst, das wahre Leben aber gleich dem Naturleben in Ewigkeit fortdauert. Sodann hat der heutige Sabbath für uns Israeliten noch seine eigene Bedeutung, ganz dazu augethan, die mächtige Wirkung, die der beginnende Frühling auf jedes menschliche Gemüth üben muß, zu erhöhen, ja zu verdoppeln. Wir haben den Monat eingesegnet, dem die Schrift seinen vorzüglichen Charakter und seine heilige Weihe ausgeprägt hat in den an uns gerichteten Worten: שמור את חודש ״ האביבBeobachte den Monat der Aehrenreife, daß du das Peßachfest feierst dem Ewigen, deinem Gotte; denn im Monate der Aehrenreife hat dich herausgeführt der Ewige, dein Gott, aus Egypten." Den Frühlingsgruß, der uns aus der Natur heute entgegenweht, wir haben ihn auch bei der Ankündigung des ״Aehrenmonats" vernommen. Nicht von Ohngefähr und ohne Absicht hat die heilige Schrift diesen! Monate eine Bezeichnung beigelegt, die uns unmittelbar auf die Natur hinweist, auf das freie Walten des göttlichen Geistes, der göttlichen Allmacht in derselben. Sie will uns sicherlich andeuten, daß dieselbe belebende und befreiende Macht, die in jeder Pflanze, in jeder Blume, in jeder Aehre sich offenbart, es auch war, die Israel aus egyptischer Knechtschaft befreit, seine Ketten gesprengt hat, damit es frei sich dem freien Dienste Gottes weihen und die ganze Menschheit aus den Fesseln der Finsterniß und des Aberglaubens zur Freiheit führen sollte. Und diesen Zusammenhang und diese

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