Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 4-5 (1.1876) Januar-Februar
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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det Behagen in der Stelle und in der Stellung, die vom Geschicke ihm beschieden ist — denn Jeder dünket sich mehr, als er ist — Jedem erscheinet der Nächste geringer und niedriger, als es in der That der Fall ist. Ein Spiegelbild dieser Krankheit unserer Zeit zeiget das Gottesbuch in Usijah, dem Könige von Juda. בחזקתו גבה לבו עד להשחית וימעל בה׳ אלהיו ויבא אל היכל ה׳ להקטיר על ״ מזבח הקטרתAber wie er stark ward, erhob sich sein Herz bis zur Ausartung, und er ward untreu dem Ewigen, seinem Gotte, und er drang ein in den Tempel des Ewigen, zu räuchern auf dem Rauchopferaltar." Ein gewaltiger Krieger, hatte er seinen Namen furchtbar gemacht den Nachbarvölkern, hatte Schätze er gehäuft und durch stolze Bauten seinem Gedächtniß Dauer zu geben erstrebt — aber all' das genügte ihm nicht. Es befriedigte nicht den stolzen, durch die Erfolge immer mehr sich aufblähenden Sinn, König allein zu sein, — er wollte zugleich Priester seines Volkes werden — und in solchem Uebergreifen, im Ringen nach dem Unerreichbaren, zerstörte er seines Lebens ganzes Werk. ״ והצרעת זרחה במצחוDer Aussatz glänzte von seiner Stirn!" M. Th., das krankhafte Haschen nach den Ehren und Würden, die Andern zu Theil geworden, — das Verkennen und Verneinen der Unterschiede, die in den Anlagen der Menschen, in den Erfolgen ihres Streben hervortreten und durch sie dauernd werden, — die hohlen Redensarten voll der allgmeinen Gleichheit aller Menschen, Schlagwörter, hinter denen allein Herrschsucht und Gier nach fremdem Besitz sich bergen: das ist der Aussatz, der an der Stirne unserer Zeit zerstörelld nagt. Durch ihn werden schwächer und schwinden dahin die Gefühle der Ehrfurcht vor Wissen und vor Alter. Riesenhoch steigt die Undankbarkeit — schwillet an die Rohheit. Stolz brüstet die Unwissenheit und die Gemeinheit mit ihren Erfolgen sich. Immer offener tritt die rohe Gier hervor, immer unverhüllter offenbaret sich der hohle Eigendünkel. Ist des Menschengeistes Macht und Einfluß — ist seine Hoheit und sein Vorzug erst geleugnet, so wagt mit minderer Scheu der Menschen Hochmuth sich heran an den Weltengeist, leugnet ihn und entfernt damit die letzten Schranken, die die Natur errichtet hatte zwischen Menschen und den Thieren. Gott wird aus der Welt gebannt, damit frei und ungehemmt die Sinnlichkeit walten dürfe und die Begierde. — Gott wird verleugnet, weil dem Hochmuthe sein Wille,