Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 4-5 (1.1876) Januar-Februar
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 ertönt das Wort der Schrift, von welcher her ihre Vorschriften uns verdeutlicht werden. Dieses Vorlesen, dieses Lehren, nicht nur das Wissen will es fördern, sondern beeinflussen, umgestalten unser Thun! לא נתן הקפה את המצות לישראל אלא כדי לצדם אותם ״Dazu hat Gott Israel seine Gebote gekündet, damit sie läutern unser Wesen, denn lauter und läuternd ist das Wort des Herrn!" Nicht Andacht nur und vorübereilende, weihevolle Stimmung soll das Gotteshaus in uns erwecken! Auf unser Leben soll es wirken, da es hineinträgt in unser Familienleben Keuschheit, Reinheit und hingebende Liebe. Es soll uns entziehen selbstischem Streben, soll uns leiten in opferbereitem redlichem Wirken für die Gesammtheit, in deren Mitte wir leben! Es soll uns durch ״Altar und Tisch" stets mahnen, wie die Flamme der Religion durchleuchten und erwärmen soll unfern Geist und unser Herz, daß wir in Redlichkeit, in Wohlthun und in Milde verkehren mit allen unfern Nebenmenschen! M. A.! Wir suchen hier die Nähe unseres Gottes! Wohlan, so ruft uns diese Stätte zu (Psalm, 18, 4.): האל תמים דרכו ״Gott ist makellos", der Weg zu ihm, er führt dahin in Redlichkeit. ״Ganz sollst du sein mit deinem Gotte", o Israelit, derselbe in dem Gotteshause, derselbe in deiner einsamen Kammer, derselbe in Deiner Familie und in all' deinem Thun! M. Th.! Glauben und Erkenntniß, Hingebung und Redlichkeit, Begeisterung und Eintracht, das will, das soll 'das Gotteshaus in uns erwecken. Damit wird an uns erfüllt der Segen, den Mose und Aaron aus dem Stiftsgezelte brachten. Denn ״dann erscheint Gottes Herrlichkeit allem Volke", dann ist die Verherrlichung des Gottesgeistes sichtbar geworden »in uns, in all' unserm Streben. Daß aber der Bau des Heiligthums herbeiführen soll allein Erleuchtung und Durchgeistigung unseres ganzen Daseins durch den religiösen Sinn, das deuten unsere Weisen in ihrer sinnigen Art an durch die Gleichstellung dieses Werkes mit dem Schöpfungswerke. Wie dort der Ausdruck der Schrift lautet ״ ויהי כרם ויהי כור,רEs ward Abend und es w ard Morgen", so braucht auch hierbei die Schrift das Wort : Das ״Werde" des Tempelbaues, es wieget gleich, es soll dieselbe Wirkung haben, wie das Schöpfungs-Werde, da aus Abend ward der Morgen, da aus tiefer Nacht hervorbrach neues, Helles Licht! ״ וכיון שכלו ישראל את מלאכת המשכןErst, als auch die geistige Einwirkung des Tempelbaues sich vollzogen hatte, da er-