Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 2 (11.1875)
- Date
- 1875-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Strenge ihnen untersagt, vor seinem Angesicht zu erscheinen, der in seiner geheimnißvollen Unnahbarkeit einen Dolmetsch, einen Vermittler herbeikommen laßt, um mit ihnen zu verkehren, um es ihnen zu sagen, daß er die Sünden ihnen erlassen habe, wir Israeliten kommen als wirkliche, als treue Kinder zu unserem Gotte, mir lassen uns keine Vermittlung, keine Unterhandlung mit unserem Vater gefallen, wir treten hin vor ihn und sprechen: Was kann, was darf zwischen Dich und uns sich drängen, da hat kein Zweiter, da hat kein Dritter sich einzumischen, ״ אנו בניך ואתה אבינוDu bist unser Vater, und wir sind Deine Kinder", und ein Vater kann nicht umhin, seine Kinder in Liebe bei sich aufzunehmen. Wir Israeliten haben ein gutes Recht, Einlaß zu begehren, Versöhnung zu fordern, denn uns gilt die Sündentilgung nicht als der letzte Zweck, uns ist sie das erste, das geeignetste Mittel, zur reinen und geläuterten Gotteserkenntniß zu gelangen. Das israelitische Volk, m. A., das heute in seiner Gesammtheit vor Gott erscheint, es will sich wohl in erster Reihe Versöhnung erwirken, es will aber auch die am Versöhnungstage sich offenbarende Herrlichkeit Gottes in ihrer ganzen Erhabenheit schauen, um sich einem gottgefälligen Leben zu weihen, um sich zu stählen gegen Sünde und Fehl, um sich zu feien gegen Versuchung und Verirrung; und wenn Israel, von solch' erhabenen und erhebenden Gefühlen beseelt, am Vorabend des Versöhnungstages zu Gott flehet mit den Worten: ״ הראני נא את בבוהךlaß mich doch schauen Deine Herrlichkeit!" so erhält es die Antwort: ״ בקר וראיתם את בבוה ה׳Lasset nur Morgen werden, — lasset nur Morgen werden in eurem Herzen, in eurem Verstände, — so werdet ihr sie sehen, die Herrlichkeit des Ewigen. Und in der That, m. A., Gott zeigt sich uns heute in seiner ganzen Erhabenheit, Ln seiner ganzen Herrlichkeit, er offenbart sich uns mit denselben Worten, mit welchen er sich dem Erleuchtetsten aller Propheten geoffenbaret hat, mit den Worten: אני אעביר כל טובי על בניך וקראתי בשם ה׳ לפניך וחנותי את אשר אחון ורחמתי את אשר ארחם ״Ich lasse alle meine Güte an Deinem Angesicht vorüberziehen und rufe vor Dir beim Namen Ewiger, und ich begnadige, wen ich begnädige, und ich erbarme mich, dessen ich mich erbarme." — Diese Worte, m. A., mögen uns das göttliche Wesen des Versöhnungstages erschließen, sie mögen uns in unserer heutigen Festesbetrachtung leiten, auf daß auch wir Gnade finden vor Gott dem Herrn! Amen. I