Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9617072-9616988--1071-9617041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ob auch zur rechten Zeit du übtest das Gute, das du übtest? Hast du die helfende Hand dargereicht — da es Noth that, oder später erst, nachdem die Hilfe ihren Werth verloren? Warst freundlich, liebevoll du nicht ebenso zur Unzeit nur? Lege nur jetzt, ehe dein Sinn sich umdüftert und verbittert, dir diese Fragen vor! Und wahrlich, nicht mehr wird es dich treffen bis in's Herz, wenn der eigene Bruder erhebet die Hände gegen dich, wenn die nächsten Blutsverwandten, die du mit Wohlthaten überschüttet zu haben meinst, umhersitzen, dir den Ausweg versperren und sich gütlich thun, taub gegen deine Klagen, unempfindlich bei deinen Leiden. Du wirst erkennen, wie auch du oft in bester Absicht oder absichtslos sie verletzet und sie geschädigt hast, — wie sie nunmehr — wenn auch vielleicht mit Unrecht — sich berechtigt dünken, Wieder- Vergeltung an dir zu üben. Bei solcher Betrachtung, m. Th., sinket dahin in Nichts der größte Theil vermeinten Undanks — erscheinen seine Äußerungen vielmehr als Folgen eig'ner Schuld — der Thaten, die unvereinbar unserm Denken, die entgegengesetzt unserm Willen wir doch verübet haben! So rufet, m. A.! Allen, die gedenken der Wandelbarkeit menschlichen Geschickes zu זרעו לכם לצדקה קצרו לפי חסד ״ נירו לכם נירSäet euch zunr Heile, damit ihr erntet der guten That gemäß — machet urbar für euch den Boden eurer Umgebung." Nicht in eurer Weise, nicht nach eurem Sinne dürft ihr dabei verfahren — sondern nach dem Wunsch und Willen, nach den Bedürfniffen derer, die ihr erfreuen, die ihr stützen wollet. Habet Acht, daß nicht zu spät ihr zur Erkenntniß des falschen Weges kommt, den ihr eingeschlagen, daß ihr nicht die Brüder suchet, nachdem euer Thun sie euch entfremdet hat. Es genügt nicht der gute Wille — achtet vielmehr darauf, welche Aufnahme bei dem Nächsten findet euer Streben, wie euer Gebühren auf ihn wirket, und nur dann allein, wenn Freude, Lust und Behagen ihr ihm bereitet, dürftet ihr im Leide ihn des Undanks zeihen, wenn dann er nicht mit gleichem Eifer für euch streben sollte. Doch selten nur würdet diese Anklage ihr erheben dürfen, denn nimmer