Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9617072-9616988--1070-9617040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 304 — II. I. A. V.! Nicht hinaus auf das Gebiet der allgemeinen Sittlichkeit soll heute die Betrachtung der Jugendzeit des Josef unser Denken führen — nicht dem Schwanken und Wanken, nicht dem Mitleid und ebensofort Verachtung hervorrufenden Bilde derer, die entweder das Gute wahrhaft, oder in Worten es bekennen, und doch das Böse stets nur üben, wollen wir unserer Betrachtung zuwenden. Ein engeres Gebiet, einen einzigen Punkt allein lasset uns in's Auge fassen. Es wird so viel"von Undank gesprochen in unserer Zeit. Verbittert wird zumeist der Men'ch, den äußere Schicksalsschläge niedergebeugt haben, auch in feinem Innern. Denn nirgends findet er die Hilfe, das Entgegenkommen, auf welches durch sein Verfahren in seines Glückes Tagen er sich ein Vorrecht erworben zu haben glaubt. '״ את אחי אנכי?‘בקשIch suche meine Brüder", erschallet da die Klage, und sie halten sich fern, sie lassen sich nimmer finden. Ja die Brüder haben sich tu Hasser, die Freunde in Feinde sich gewandelt, seit die Kraft zu nützen und zu stützen geschwunden ist, feitbem man von ihnen fordert brüderlich zu vergelten (Ps. 69,21) חרפה שכחת ״ לבי ואנושה׳ ואקוד, לנוד ואין׳ ולמנחמי־ם ולא מצאתיO, die Schmach bricht mein Herz, ich taumle zu Boden, Zuflucht erhoffte ich — sie zeigt sich nirgends — Tröster — sie fand ich nicht; Gift wird nur gereicht statt der Labung, und nieinen Durst wollen stillen sie mit Essig! Lieblos ist die Welt, hart und undankbar die Menschheit." M. Th.! Gemahnet uns das nicht lebhaft an des Josefs Erlebnisse? Du meinst, o Mensch, jetzt in deiner Noth, du vermeintest wohl auch, da es dir gut erging, daß stets in Liebe und in Güte du gestrebt, zu fördern die Andern — doch, hast du ja die Frage du dir vorgelegt, wie Sie's gefühlt, wie Sie's empfunden haben dein Streben, diese Andern, für welche du gestrebt? Könnt' ihnen nicht, was du Güte nanntest, erscheinen als Verläunidung? Deine Freundlichkeit als Stolz und Verachtung — deine Förderung als Eigennutz und schlurre Berechnung nur? Hast früher du daran gedacht,