Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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— 300 — mögen. Und wie auf allen Gebieten des Lebens, tritt dieselbe Erscheinung auch im sittlichen Streben, in unfern Beziehungen zu unfern Nebenmenschen hervor. Auch da giebt's glücklich und unglücklich angelegte Charaktere. Wie oft nicht stellet es sich dar. — Zwei Menschen, beide erfüllt von gleich hohem edlem Streben, beide gleich durchglüht von tugendhaften, sittlichen Gefühlen — und doch, der Eine nur erscheinet in der That rein und fleckenlos, indeß der Andere von Jrrthum hin zu Jrrthum, ja von Vergehen zu Vergehen taumelt. Zur rechten Zeit — das ist der kleine vollentscheidende Unterschied — zur rechten Zeit ist eingedenk der Eine, wie er zu verfahren habe, um sein Denken, sein Streben in die That zu übersetzen, indeß der Andere erst nach der That inne wird, daß entgegen er gehandelt seiner Absicht, daß sein Thun sein Wollen Lüge hat gestraft. Ruhe ist des Einen Theil — Reue, das quä lende Gefühl steter Selbstvorwürfe, wartet des Andern. Es sei denn, daß blind gegen sich er dahinwandelt. — dann bringet erst das rauhe Eingreifen äußerer Gewalten, schwerer Schicksalsschläge, ihn zu vollem Bewußtsein des Zwiespaltes in sich. Er vermeint gesäet zu haben Recht und Wohlthun, und doch erntet er Haß; er glaubt urbar gemacht zu haben den Boden seiner Umgebung, und ihn umringet das dornige Gestrüpp der Abneigung und Feindschaft. ף*׳גת לדרוש את דל ער יבוא ״ ויורה צדק לכםDa erst erscheinet diesem die Zeit gelommen, von Gott zu erbitten, bei Gott zu suchen, daß er komme und lehre die Weise des rechten Thuns!" Al. A.! Ein solches zu späte Erkennen, einen solchen Wtderspruch zwischen Wille und That, ein solch' stestes Vorübergehenlassen des ersten Augenblickes bringet Josefs Ju gendleben, mögen wir es betrachte n in der einfachen, nüchternen Auffassung der heiligen Schrift oder in der phantasiereichen Ausschmückung des Midrasch zur Darstellung. Wenden wir daher diesem Theile des heutigen Wochenabschnittes unsre Aufmerksamkeit zu, um daraus einige lehrreiche Winke für unser Leben zu gewinnen. Amen!