Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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einmal Aehnliches zugetragen; am wenigsten würde man es für möglich halten, daß sich in unseren Tagen Derartiges wiederholen könnte. Und doch ist es gerade das gegenwärtige Zeitalter, welches in der 'Hauptsache dem vergangenen gleicht, in ihm fast sein Spiegelbild hat; ein ähnliches Verhalten — ähnliche Erfahrungen. Das mit Zugrundelegung der angeführten Schriftstelle zu zeigen, sei die Aufgabe unserer diesmaligen Sabbathbetrachtung unter Gottes Schutz und Beistand und zu unserer Mahnung und Belehrung. Auren. I. M. A.! Das Zeitalter, welches uns unsere Erzählung vorführt, stellt man sich in der Regel als ein völlig verderbtes, in jeder Hinsicht unwürdiges vor. Doch seien wir nicht ungerecht! Das Bild, welches uns die ersten Verse entwerfen, ist keineswegs ein unerfreuliches; im Gegentheil, es flößt uns einen hohen Grad von Achtung vor dem damaligen Menschengeschlecht ein. ״ ויהי כל הארץ שפה אחת ודברים :אחדיםEs war die ganze Erde einerlei Sprache und einerlei Rede." Einheit und Uebereinstimmung auf der ganzen Welt! Was giebt es Schöneres und Erhabeneres! Hoben doch auch unsere Weisen Ls rühmend hervor, daß, während das ידור הכבול die Zeitgenossen der Sündfluth, in Streit und Hader mit einander gelebt hatten, im דור הפלגה, in der sogenannten Zeit der Zerstreuung. Liebe und Anhänglichkeit geherrscht habe. Und man muß es sicherlich auch unserem Jahrhundert nachrühmen, daß es einerlei Sprache und einerlei Rede mehr denn alle früheren herbeizuführen bestrebt ist, daß der Grundsatz der Einheit und Gleichheit tagtäglich an Ausbreitung gewinnt. Mehr und mehr bricht sich der Gedanke Bahn, daß alle Menschen mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten in die Welt treten, mehr und mehr kommt die Ueberzeugung zur Geltung, daß die Unterschiede der Stande aufhören müssen, daß nicht den Anhängern eines Glaubens ein Vorrecht gebühre vor den Angehörigen eines anderen Bekenntnisses, daß jeder dieselbe Sprache führen, gleiche Ansprüche erheben dürfe. Die Stimme