Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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245 — gehe zu. ihm". Soll ich meinem Gotte das Theuerste, das er mir anvertraute, nicht wieder anvertrauen? Und weil es aus dem irdischen Vaterhause ging, um in das himmlische zu wandern, das auch ich und wir Alle betreten werden, sollte ich ungehalten sein? Nur als ihm Absalom, der Schuldbeladene, Ungesühnte entrissen ward, da konnte er keine Ruhe finden, war dieser doch von Gott abgefallen und starb, ohne sich mit ihm Ihm zu verbinden, zu früh —; aber der Tod seines unschuldvollen Kindes, das sich des ewigen Lebens gar nicht unwürdig machen konnte, deß Seelenheil nicht zu bezweifeln war übte einen verklärenden und erhebenden Einfluß auf ihn. — Sehen Sie, meine Freunde, das ist der rechte Glaube mit allen seinen Consequenzen, der an die Unsterblichkeit und das Wiedersehen und Finden nach dem Tode. Daran wollen wir uns halten, und an das Wort der frommen Hanna, die ihren ersehnten Samnel dem Dienste Gottes geweiht, ״daß die ewige Liebe, die tödtet, wieder lebendig macht, die in die Gruft sinken läßt den Staub, hinaufsteigen läßt den Geist." Aber auch die Mahnung wollen wir nicht überhören, daß nichtig ist die Kindheit und Jugendzeit; daß der Mensch wie eine Blume aufsprießt und rasch welket, ein flüchtiger Schatten und verschwindet; am Morgen blühend und wachsend, am Abend abgemäht und verdorrt. Dann werden wir unsere Aufgabe hienieden treu erfüllen in der Tugend und Gottesfurcht nach dem höMen Ideale ringen, bis unsere Sonne sinkt und uns der Vater winkt — Amen. Und so bringen wir Dir, Herr alles Fleisches und aller Geister, das heilige, reine Opfer dar, das Dein unergründlicher Rathschluß von uns verlangt hat. Empfang sie gnadenreich die Seele dieses Kindes, dessen Angedenken ein von Thrünen benetzter Kranz liebevoller Erinnerungen schmücket. Laß' diese Seele aufschweben zu den seligen Höhen der Erleuchtung und des Friedens, daß sie ein Seraph werde dort oben, wie sie ein milder Engel war hienieden. Und in das Herz der tiefgebeugten Eltern und Geschwister sende den süßen Trost durch Rah mer, Israelitisches Predigt-Magazin. III. Jhrg. 3. Heft. 17