Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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243 Der Jahre zehn wandelte es hinieden, das hier unten schlafende liebreizende Kind, diese anmuthige ״Lieblingspflanze", aber auch so sanft und hold, so glücklich heiter, so tugendreich und so bescheiden, so geistig frisch und klug und fromm, mit einem Worte: in so vollendeter physischer und psychischer Schöne, daß es die Wonne und das Entzücken seiner Eltern, die Lust und Freude seiner Geschwister, der Stolz und Hoffnung seiner Lehrer, der unbestrittene Liebling seiner Mitschülerinnen und Gespielinnen und aller größeren und kleineren Kreise, wohin es kam, gewesen. Wer es sah, nie schwand mehr das edle bewunderungswürdige Bild, wie herniedergestiegen aus des lichtvollen Aethers Höhen, aus seinen Gedanken; wer es hörte, nie konnte er mehr die köstlichen Laute, des Kindes seelenvolle Rede, vergeffen — Jeled schaaschuim ״O Kind der Freud und Lust, so ich von ihm spreche und sein gedenke, schlägt mein Herz voll Liede und Erbarmen" (Jerem. 31, 30). Und dieses Kind ist todt. Vom Schmerzgefühle aufgelöst und überwältigt, verabschiedete sich die heißliebende Mutter von der Wonne ihrer Augen, die sie nie ohne stilles Dankgebet zum Allgütigen für das ihr beschiedene Kleinod betrachten konnte, geleitete mit wankenden Schritten, gebeugt, sein jüngstes theures Kind der schwergeprüfte Vater zur letzten Ruhestätte, umstehen hier die Lehrerinnen und Freundinnen, laut schluchzend, die kühle Lagerstätte — das Kind ist todt. Wo finde ich nun ein Wort der Tröstung? Soll ich mit hohlen Phrasen, die hier und dort als hohe Einsicht gelten, die blutenden Wunden heilen? Sie sind wie Waffer auf glühendes Metall, das spurlos schwindet — ״wie Wolken und Wind, auf die kein Regen kommt." Oder sollte das Ruhe verschaffen, wollte ich die Behauptung anführen, daß wohl die Verblichene an einem tiefverborgenen organischen Fehler leiden mußte, und schon darum die mehrwöchentliche Krankheit kein anderes Resultat ergeben konnte, als den Tod? Wissen wir denn nicht, daß wir einen Gott haben, der helfen kann, wo Menschen-Kunst und Wissen scheitern. Ihn, zu dem Sie in stiller Nacht das Stöhnen und Seufzen aus beklommener