Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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237 thäter kennt man ihn weit und breit. So hat er als Mensch, als Bürger, als Familienvater, als Mann seines Berufes in der That eine edle und große Persönlichkeit entfaltet. Kann es Wunder nehmen, daß ein solcher Mann auch ein treuer Bekenner seines Glaubens war? Wuchsen doch alle seine Tugenden, wuchsen doch seine Consequenz und seine Rechtschaffenheit, seine Wahrhaftigkeit und sein Wohlthätigkeitssinn aus einer tiefen Religiosität hervor. Gleichwie dem Propheten Jona, mit dem er den Namen gemein hat, so war auch die Devise seines Lebens das Wort: עברי אנכי ואת ה׳ ״ אלהי השמים אני יראEin Jude bin ich und fürchte allein den Ewigen, den Gott des Himmels." Für diese Ueberzeugung trat er ein, unerschrocken, als ein unabhängiger und wirklich freier Mann, dem die Freiheit nicht bloß Phrase war, dieser Ueberzeugung hatte er kein Hehl vor Hoch und Niedrig, sie war der warme Quell in seiner Brust. Aeußerlich konnte er Manchem kalt erscheinen, aber innerlich war es dieser Quell, der eine sanfte Wärme in ihm verbreitete und ihn empfänglich machte für die Angelegenheiten des Judenthums, seiner Glaubensgenoffen, der Menschheit, der Humanität. Es konnte nicht fehlen, daß die Gemeinde in richtiger Erkenntniß seines Werthes einen solchen Mann in ihren Rath, in den Vorstand berief, und daß dieser ihn an seine Spitze stellte. Wie hoch er diese Würde anschlug, wie sehr er sich geehrt fühlte durch das Vertrauen seiner Glaubensbrüder, seiner Collegen, das bezeugte er damals mit Thränen in den Augen. Er, dem man Ehren und Würden in so reicher Anzahl entgegenbrachte, er weinte, als es hieß ״ ,אחיך באו אליךals seine Glaubensbrüder ihn zu ihrem Führer wählten". Und so hoch er diese Würde anschlug, mit ebensoviel Eifer, Hingebung und Treue hat er ihr obgelegen. Er war ein רועה ״ נאמןtreuer Führer" der Gemeinde, und er kannte als solcher nur ein Ziel,'das ihm allewege vorschwebte, das schönste und edelste, das Ziel nämlich, den Frieden und die Einigkeit der Gemeinde zu erhalten. Denn eben dadurch fühlte er sich geehrt, daß er einer einigen ungetheilten Gemeinde vorstehen konnte. —