Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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235 großer Mann ist heut' gefallen!" Diese Klage, die einst ein König einem Helden nachrief, — der Mann hier ist ihrer vollkommen würdig. Edel und groß durch seine Stellung und seinen Rang war er nicht minder edel und groß durch seine Gesinnung und seine Thaten. Wenn es sonst einzelne Eigenthümlichkeiten sind, die wir an dieser Stätte Verstorbenen nachrühmen, so kann man von ihm sagen: Er besaß Eigenthümlichkeiten durchweg, er war ein Charakter. Er war in Nichts Nachahmung und Schablone, in seinen Tugenden nicht minder wie in seinen menschlichen Schwächen, er war überall — er fdhft. Mögen wir ihn von welcher Seite immer betrachten, als Mensch, als Bürger, als Israelit, — als Vater, als Verwandten, als Mann seines Berufs, überall zeigt er ein eigenthümliches Gepräge, das der Tod nicht verlöschen kann, das er Tausenden von Herzen tief eingedrückt. Ja, dieser Eindruck, den er überall zurückläßt, in so zahlreichen Kreisen, auf so mannigfachen Gebieten menschlicher Thätigkeit, — dieser unauslöschliche Eindruck ist es, wovon er mit dem sterbenden Jakob sagen kann: ״ בקברי אשד כריתי ליdas ist die Ruhestätte, die er sich selber bereitet" — in der ehrenden Erinnerung von Tausenden. Wer vor Allem ein Gefühl unb Verständniß hat für die Ausbildung und Entfaltung ursprünglicher, selbstständiger Menschlichkeit, der muß in ihm eine Kraftgestalt solcher echten Menschlichkeit bewundern. Als junger Mann kam er nach Wien, unbeachtet und faßt unbekannt, — und es gelang ihm aus eigenem Streben und eigener Geisteskraft, sich eine selten bevorzugte Stellung und einen gefeierten Namen zn erringen. Aber in seiner Stellung überhob er sich nicht zu unverständigem Hochmuth; sein Stolz war seine Einfachheit, seine Anspruchlosigkeit, seine Natürlichkeit; und die Ehre, die er an seinen Namen knüpfte, das war die Ehre, für einen rechtschaffenen, biederen Mann zu gelten. Diese Ehre, die so oft an den übrigen Ehren des Lebens scheitert, sie ist ihm reichlich zu Theil geworden, und er hat sie rein und unbefleckt bewahrt bis an fein Ende.