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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 3 (1877) · p. Seite 198

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
3 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 198 (sequence 34)
Language
German
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198 aufrecht in seinem Glauben an die einstige Befreiung und Erlösung durch seinen Gott." Eine Unterredung zwischen R. Josua ben Chananja und den Römern, welche uns der Talmud aufbewahrt hat, zeigt, wie der jüdische Geist selbst in kr trübsten Zeit ungebrochen blieb, wie das unerschütterliche Gottvertrauen Israel unbesiegbar machte. Diese Unterredung lautet (Synhedrin 90): ״Die Römer fragten R. Josua ben Chananj«, woher entnimmst du, daß Gott einst die Todten wiederbeleben wird, ״ und daß er die Ereignisse der Zukunft vorher weiß. R. Josua antwortete: Beides ans dem Bibelverse: Gott sprach zu Moses, du wirst liegen bei deinen Vätern, so wird sich dieses Volk erheben, und fremden Göttern anhangen." Mit Recht muß es höchst ausfallend erscheinen, wie die Römer, deren ganzes Leben dem unerbittlichen Kriegsgotte geweiht war,. die Ländereroberung und Völkerbedrückung als das höchst zu erstrebende Gut aus ihre Fahne geschrieben, wie diese Römer sich zu den Füßen des jüdischen Rabbi setzten, um mit ihm über ideale Fragen, über Auferstehung der Todten und die Allwissenheit Gottes, zu berathen? .Noch unverständsicher aber erscheint die Antwort R. Josua's, der einen Schriftvers, welcher in gar keiner Beziehung zu den angeregten Fragen steht, als Beantwortung für diese Fragen citirt. Allein, meine g. Z., es handelte sich hier in Wirklichkeit um ganz andere Dinge. Zur Zeit R. Josua's lastete auf »Judäa schwer der Druck des römischen Kaisers Hadrian, welcher nichts Geringeres vorhatte, als Jerusalem in eine heidnische Stadt zu umwandeln. Die Entweihung der heiligen Stadt war beschlossene Sache, die Römer hatten schon sür dieselbe einen neuen Namen bestimmt, sie sollte Aelia Capitolina heißen, und damit alles, was an die alte glorreiche jüdische Zeit erinnern konnte, verwischt werde, sollte auf der Stelle, wo früher das dem Einig- Einzigen Gotte geweihte Heiligthum sich befand, ein Götzentempel sich erheben. Dumpfe Verzweiflung wollte sich der armen, gedrückten jüdischen Nation bemächtigen, vieles, fast alles hatte ihr das raubgierige Rom entriflen, nun wollte es sogar die Erinnerung an Israels heiligste Stätten in ihr gewaltsam

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