Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9616701-9617072-9616899--0962-9616932- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Stufe auf der himmelanstrebenden Leiter der Cultur und Civilisation eine Nation erklommen hat, so forschet nur nach der Stellung, welche die Israeliten in ihrem Lande einnehmen; eine Nation, in deren Mitte der עץ הדעת der prachtvolle Baum der Erkenntniß in herrlicher Blüthe steht, in deren Land die erwärmende und leuchtende Sonne der Wissenschaft und Bildung aufgegangen ist, eine solche Nation säumt auch keinen Augenblick, den ״ עץ החייםden Baum des Lebens" für alle Angehörige ihres Landes aufzurichten, sie ist hochherziger Gesinnung, sie übt Gerechtigkeit, sie sieht in, den Juden nur ihre Brüder. In einem Lande hingegen, wo der עץ ההיים der Lebensbaum für die Juden vermißt wird,, da herrscht noch immer das חשך מצרים die egyptische Finsterniß, ein solches Volk hat ein steinhartes, pharaonisches Herz, von dem die Thora wiederholt sagt: ich habe sein Herz hart gemacht, ein solches Volk ist eine אומה שפלה voll niedriger, barbarischer Gesinnung. Aber das Wissen hat eine siegende Macht, wie die Sonne nicht immer von düsterem Gewölk verhüllt werden kann, so kann ein Land der Cultur und Civilisation sich nicht für immer verschließen, sie erzwingen sich überall Eingang, und mit dem triumphirenden Einzuge der Cultur und Bildung schwindet die Macht des Druckes, und es erscheint der Erlösungsmorgen für Israel. Darum konnte Rabban Jochanan ben Saccai mit Recht ausrufen: ״Heil euch Israeliten! verzaget nicht, die Erlösung kommt, sie muß kommen, ist es doch nur ein Volk niedriger, barbarischer Gesinnung, ein Volk mit einem steinharten, pharaonischen Herzen, das euch drücken kann." Von dieser Ueberzeugung des großen jüdischen Lehrers war das jüdische Volk zu allen Zeiten durchdrungen: ״es verzagte nicht", wie es der Midrasch schön poetisch ausspricht:. אחותי בבבל רעיתי במדי יונתי ביון תמתי באדום(שה״ש רבה) als es unter dem Joche Babylons sich beugen mußte, es verzweifelte nicht, als Mediens grausame Herrscherhand es niederdrückte, auch die griechische Tyranengewalt vermochte seine Hoffnung auf Erlösung nicht zu ersticken, und selbst dem gewaltigen, länderbeherrschenden Rom gegenüber hielt es sich R ahm er, Israelitisches Predgit-Magazin. III. Jhrg. 3. Heft. 14