Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 3 (1877) · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
3 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 191 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616701-9617072-9616899--0956-9616926
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

191 Stimmung zu erzeugen. Hier auf dem weiten Todtenfelde ruhen sie Alle, die vor uns aus Erden gewandelt, die vor uns des Daseins sich gefreut, gestrebt, gekämpft, gerungen haben in ihren engen Häusern; sie schlafen sanft den ewigen- Schlaf, ein seliger Friede ist über ihre Wohnstätten ausgebreitet; der weitausgedehnte Raum um uns spricht in laut vernehmlicher Sprache von der Vergänglichkeit, von der Hin-. sälligkeit des Menschen. Aber ist es blos die eine Sprache, welche wir vernehmen? Sind es blos wehmüthige Gefühle, welche uns beschleichen? Nein, der Jude mit seiner Religion des Lebens, mit seinem Glauben an den Gott des Lebens, sieht selbst an dem Orte der Verwesung neues Leben erstehen, selbst die Gräber sprechen ihm nicht von völliger Vernichtung und Auflösung, sondern nur von einem Scheiden aus der einen Welt, von einer Zurückkehr in die andere Welt, sprechen ihm. von der Welt des Lichtes und der Wahrheit, er erblickt hier das Durchbrechen der körperlichen Schranken, das Emporsteigen zu den höheren, lichtvollen Regionen der reinen Geisterweit. Daher kann es uns nicht befremden, wenn wir von unseren alten Lehrern Aussprüche vernehmen, welche bei oberflächlicher Betrachtung der offenkundigen Wirklichkeit zu widersprechen scheinen, — das Verständniß dieser Aussprüche wird uns erst eröffnet, wenn wir uns aus den idealen Standpunkt der religiösen Lehre erheben. So begann N. Jizchak einmal seinen Vortrag mit den Worten: ״ יעקב אבינר לא מתDer Erzvater Jakob ist nicht gestorben." (Taanith 5.) Sein Freund N. Nachman blickte ihn voller Staunen an: ובי בכדי ספת ״ ,פפדניא וחנטו הנטיא וקברו קבריאWie kann man nur sowas behaupten, rief er aus, die Thora berichtet doch unlstündlich von seiner Einbalsamirung, von seiner Bestattung, von den Trauerfeierlichkeiten um ihn?" Darauf entgegnete R. Jizchak: ״ מקרא אני דורשMeine Deutung beruht auf einen Schriftvers", ich stelle mich auf'den idealen Stand- Punkt der Religion, welche uns lehrt, den Tod nicht als ein vollständiges Aufhören, als völlige Vernichtung zu betrachten, sondern als einen Uebergang von dem einen Leben in das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.