Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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rael, das seine Söhne nicht blos von den Rechten des Staats, sondern auch von den Wohlthaten der gemeinsamen Armen- und Krankenpflege ausschloß, fast im Erlöschen begriffen ist, — so blüht Israels Menschenliebe heute noch ebenso üppig, und zahllose Humanitätsanstalten in seinen Gemeinden sind eherne Denkmäler des Wohlthätigkeitssinnes, der in uns lebt und nimmer erlöschen kann. M. a. Z.! In der Lehreim Gottesdienste, da gehen die Ansichten weit auseinander, und trennen nicht blos die verschiedenen Glaubensbekenntniffe und Religionsformen von einander, sondern erzeugen auch verschiedene Gefühle und Ueberzengungen in eilend derselben Glaubensgemeinschaft; in der Bethätigung der Menschenliebe aber, da ist ein unverrückbarer Sammelpunkt für die verschiedensten religiösen Gefühle und Ueberzengungen gegeben, hier können sich sogar die Bekenner der verschiedensten Religionsgemeinschaften begegnen, um wahrhaft Religion zu üben. Und so haben denn auch die Hände der verschiedensten religiösen Richtungen innerhalb Israels sich vereinigt, um den Bau dieses Hauses aufzurichten; von den verschiedensten Gemeinden aus nah und fern sind uns Gaben zugeflossen; Männer, die sonst in der Lehre und im Gottesdienste sich von einander unterscheiden und abweichen mögen, haben hier jeden trennenden Unterschied vergeffen, um in unserem Badeorte den Armen und Kranken eine Aufluchtsstätte zu bereiten. Dank allen Gemeinden und Männern, die uns Hand und Herz weit geöffnet haben! Dank allen Männern aus nah und fern, die mit uns die Arbeit an diesem Werke begonnen, bis zu dieser Stunde mit uns gefördert haben und noch weiter fördern wollen! Daß diese Räume aber nur den Söhnen Israels geöffnet sein sollen, möge nicht als ein Widerspruch gegen den Geist der Menschenliebe erscheinen, der im Wohlthun keine Schranken des Glaubens und der Abstammung kennt, möge nicht als ein Widerspruch gegen den Wohlthätigkeitssinn erscheinen, der alle Bekenntniffe und Glaubensformen wie um einen Brennpunkt um sich sammelt und zur gemeinsamen Arbeit an den Werken der Liebe aufruft;