Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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169 gütigen Vorsehung, hatte sich Israel rnenschenentwürdigendein Götzendienst in die Arme geworfen, ״vergessend des Urfelsens," der ihm Schutz und Hort hätte sein sollen. Und wiederum merkwürdig, war es dasselbe Volk, welches geächtet und geknechtet, jedweder politischen Machtstellung beraubt, aus seinem organischen einheitlichen Zusammenhang gerissen und in die wildtosende Brandung, schäumenden Gischt des Hasses aufwerfenden Strömung und jede Eigenthümlichkeit wegzuschwemmen drohende Hochfluth der Heidenwelt geschleudert: gerade am Rand des Abgrundes sich selbst wieder gewann, sich ermannte und zum Vollbewußtsein seines Volksthums und damit zugleich zum unveräußerlichen Gut seiner Weltmission gelangte. So wie es der in der spätesten Zeiten dunklen Hintergrund mit klarem Geistesauge hineinschauende Prophet in׳ der dieswöchentlichen Sidra ein Jahrtausend früher vorhersagte: so ist es eingetroffen. ״ והפיץ ה׳ אותך בעמיםSo dich Gott unter die Völker zerstreut haben, בצר לך, so es dir daselbst enge sein wird, und dich ereilt haben werden alle harten Schicksalsschläge: ״ ושבתso wirst Du, Israel, zurückkehren zu dem Ewigen, deinem Gott" — zurück zu deiner Bestimmung, der du untreu geworden. Und so geschah's. Dasselbe Volk, welches unter dem Schatten seines Weinstockes und Feigenbaumes über seinen Berus nachzudenken weder Willen noch Muße hatte, stimmt unter den Schatten von Babels Trauerweiden elegische Klänge von Heimathsweh an und schwört eher seiner Rechten, denn Jersalems zu vergessen. - Und fürwahr, es hat seinen Schwur treulich gehalten. Es gründete mitten in der Steppe seiner Heimathlosigkeit — das neue Jerusalem, das sich auf dem Granitboden, dem felsigen Urgrund seines monotheistischen Gottesbewußtseins erhob. Erst das exilirte Israel zeigte ein wunderbares Verständniß für die prophetische Forderung: במדבר פנו דרך ה׳ ישרו ״ בערבה מסילה לאלהינוIn der Wüste bahnet den Weg des Herrn, in der Steppe ebnet eine Straße für unfern Gott." In der Wüstenei des Aber- und Unglaubens der Völkerschaften rings umher hat denn auch Israel den Weg des Einig-