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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 2 (1877) · p. Seite 154

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
2 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 154 (sequence 66)
Language
German
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154 zweifeln, leugnen, besteht die Frage: Wodurch ist die Thatfache, daß Israel schon vor Jahrtausenden die Erkenntniß eines Gottes, eine Religion, eine Gesetzgebung hatte, möglich geworden? Alles muß doch seine Ursache haben, worin liegt hierfür die Ursache? Wollt ihr behaupten, daß Israel zu jenen Zeiten gebildeter, wissenschaftlich fortgeschrittener, als alle andern Nationen war? Mit Nichten. Bildung und Wissenschaft in dem Sinne, in dem unser Jahrtausend davon spricht, kannte die alte Welt gar nicht. Bildung muß Eigenthum des Volkes sein, und sogar noch im späten Mittelalter war das Wissen, das damals herrschte, nicht Eigenthum des Volkes, sondern einer Kaste, die sich mit ihrem Wissen in Zellen verschloß. Neidisch betrachtete diese Kaste ihre aufgehäuften Wifsensschätze, in die Außenwelt, in die Masse des Volkes drang kein Lichtstrahl, kein Funke, kein Schimmer. Woher sollte auch diesem Volke, das Sklave in Egypten, später Wüftenwanderer war, Bildung, woher Wissen gekommen sein? Man sagte, auch Israel habe Vieles von den Egyptern gelernt, Vieles von diesen ausgenommen. Das mag nur insofern wahr sein, daß Israel, gelinde gesagt, viele Unarten von den Egyptern in sich ausgenommen, gegen die bestimmte Ge-׳ setze erlassen werden mußten; aber Bildung und Wissen hatte das egyptische Volk selber nicht. Es bestand nur dort eine Priesterkaste, der man damals Wissen zuschrieb. Aber auch ihr Wissen bestand in Sternseherei, die man längst verlacht, in Zauberei, was die schöne Umschreibung des Wortes Betrug ist, in der Traumdeutekunft, die man wohl für die Kunst erklären kann, aus der Dummheit Anderer Nutzen zu ziehen. Das ist weder Wissen, noch Gelehrsamkeit, davon hätte Israel nichts lernen können, auch in dem Falle nicht, wenn die egyptischen Priester so dumm gewesen wären, Israel in diese Kunst einzuweihen. Israel war darum nicht gebildeter, es war nicht besser, nicht schlechter, als alle andern Völker. Was so in natürlicher Weise sich nicht erklären kann, was besteht und dennoch das Verhältniß, den Grund und Folge nicht aufweist, ist man gerne geneigt, sich auf übernatürlichem Wege

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