Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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15 L uns erzählt, die Herrlichkeit Gottes sich am Sinai niederließ, und da dem Volke Israel Gesetze gebracht, Gebote gegeben wurden, welche die Grundprinzipien nicht nur der jüdischen, sondern aller Religionen bilden. Darin liegt, wenn auch nicht die ganze, doch ein großer Theil der Bedeutung des Heu- Ligen FestK. Es ist heute, am Offenbarungstage, nicht nur zu Israel, sondern zu allen Völkern, zu allen Menschen gesprachen worden. Israel ist nur der Träger des Grundgedankens aller Religionen geworden, alle Menschen aber sollten Theil an dem haben, was am Sinai gesprochen worden. Ansangs da sträubten sich die Völker' dagegen und wollten die Gedanken, die hier gekündigt wurden, nicht annehmen, wollten sich zu ihnen, nicht bekennen, wie es geschichtliche Thatsache ist, und der Midrasch es uns mit den Worten veranschaulicht: שלה לבל אומדת העולם ואמר להם מקבלים אתם את התורה וב׳ אמרו לו אין אנו יכולים להניח דת אבותינו שעבדו ״ ע״ז׳ אין אנו הפצים בתורה׳ תן תורתך לעמךAllen Rationeu der Erde wurde die Aufforderung: Ihr Menschen, nehmet doch diese Lehre an, sie aber sprachew: Wir können nicht lassen von der Sitte, von beut Brauch unserer Väter, die den Götzen gedient, wir wollen die Thora nicht, gieb sie deinem Volke." Geraume Zeit blieben diese Völker bei ihrer Weigerung und nahinen auch nicht den Grundgedanken der Religion an und lebten in dieser Beziehung ihr Schlaraffenleben in ihrer gedankenlosen Götzenandacht, bis ihnen nach Verlaus von Jahrhunderten dieselben Gesetze in veränderter Form, theilweise auch ihrem Wesen nach verändert, angeboten wurden. Als dann die Grundgedanken der Religion ihren Rundgang Wurch die Welt antraten, mußten sie theils durch List, theils mit Gewalt, mit dem Schwerte in der Hand den Völkern beigebracht werden. Um, wie man sagte, für Gott zu kämpfen, mußte der Friede der Völker gestört, der Pflug in ein Schwert umgewandelt werden, mußte die Erde viel Blut trinken. So hat sich die Thora gleichsam an den Menschen gerächt, oder besser, es hat sich die Hartnäckigkeit der Völker, die da sprachen: ״ אין אנו חפצים בתורהwir wollen die Thora nicht", an ih-