Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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141 den unberufenen Einblick in ihr stilles Leben. Nicht zu sehen und nicht gesehen zu werden, war Herzensbedürfnis dieser Familie. Aengstlich stand des Tages ein sorgsamer Hüter auf der Warte, und nie müde und nicht ermattend schloß er auch des Nachts nicht das Auge, als gälte es einen Schatz zu hüten, einen Schatz, der alle Kostbarkeiten der Welt übertreffe, und den ein ״böser Blick" schon verderben könnte! Wie ein Zauberer oder Todtenbeschwörer, der Nachts in stiller Stunde seine geheimnißvollen Kreise zieht, seine dunkeln Sprüche murmelt und seine schwarze Kunst betreibt, also erschien den Uneingeweihten diese Familie mit ihrem ungekannten räthselhaflen Wesen, und ein unheimliches Grauen hielt lange Zeit die Neugierigen ferne. Unversehens aber, wie der Habicht in's stille Taubennest fährt, griff ein schnöder Räuber in dieses stille Familienglück, zerstörte es, trieb die Genoffen auseinander und wollte die so lange gehüteten Schätze als gelegene Beute nüt sich führen. Wüst war nun die Stätte, die Familie in's Elend Hinausgetrieben, doch die Schätze, sie wurden nicht gefunden. Wohl sagte man, das Familenhaupt hätte sie unbemerkt mitgenommen, doch der Räuber hatte ihm nichts als das nackte Leben gelassen und eine scheinbar werthlose Rolle, bemalt mit fremden unverständlichen.Zeichen. So war's auch in der That. Die Glieder der Familie fanden seitdem nie mehr an einem Tische sich zusammen, erschienen abek überall in auffallender Uebereinstimmung, überall ein Räthsel, das Jedermann lösen wollte und Niemand konnte, das Bosheit, Unverstand und Fanatismus oft in grausenerregender Weise zu lösen versucht, doch die Lösung ist bis zum heutigen Tage Niemand geglückt. Fragte man aber, m. a. Z., ein Glied dieser Familie nach der Ursache seiner seltsamen Lebensweise, da begann es nach Art der orientalischen Märchenerzähler: Höre, mein Freund, vor vielen Lausend Jahren, da war ich ein Kind des Ostens, in lieblicher Jugendfrische wandernd an der Wüste Saum, da fand mich ein gewaltger Fürst, ein Fürst, der mächtiger als alle eure Herrscher und Könige, dessen Macht wohl