Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 2 (1877) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
2 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 126 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9616701-9617072-9616818--0886-9616856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

126 seren Mitmenschen zum Vorwurf gemacht, daß wir uns ab- ׳schließen, daß wir uns nicht mischen unter sie, daß wir nicht Bürger unter Bürgern, Menschen unter Menschen sein wollen? Sondern vielmehr immer und immer wieder unfern jüdischen Standpunkt betonen, es hervorheben, daß wir vor Allem den Pflichten und Geboten unserer Religion nachleben müßten? M. A.! So Jemand die Spitze eines Berges erklommen, wäre es da nicht unbillig, von seinen zurückgebliebenen Begleitern zu verlangen, daß er wieder abwärts zu ihnen zurückkehre, um in Gemeinschaft mit ihnen denselben Weg nochmals zu durchmessen? Und in dieser Lage befindet sich unser Volk, befinden wir-uns selbst! Uns ist der schwer errungene Besitz, das durch Jahrtausende währenden Kampf bewahrte Erbtheil unserer Väter geworden, — die lautere Erkenntniß des einen Gottes! Nun hat sich schon an einem großen Theile der Menschheit bewahrheitet das Wort des Propheten: ״Viele Völker werden dahinwandeln und sprechen, auf, laßt uns wallfahrten zum Berge des Ewigen." Aber noch immer ist der Morgen noch nicht angebrochen, ist die Nacht des Wahnes, der Unduldsamkeit noch nicht ganz geschwunden, noch ist die Zeit nicht gekommen, da das große Friedenswerk ist vollendet, da der Mensch den Menschen als Bruder anerkennt, da die Erkenntznß Gottes erfüllet die Erde, wie das Wasser das Meer bedeckt. Da wir nun zurückschreiten weder wollen noch können, so laßt uns Folge leisten dem Aufrufe unseres Texteswortes: ״Keiner gehe hinaus bis zum M o r g e n", welches erklärt und deutlich wird durch die Mahnung des Propheten: לך עמי בא בחדריך וסגר דלתך בעדך הבי ״ כמעט רגע עד יעבר זעםAuf, mein Volk, geh in dein eigenes Heim, schließe die Thür hinter dir, harre eine Weile, bis der Sturm vorüber!" Harre ungebeugt, und gieb dem Sturme nicht nach! Gieb nicht selbst dich auf, opfere deine Volkseigenthümlichkeiten nicht, denn noch ist nicht von dir genommen der hohe Berus, zu sein: ein Lehrer der Menschheit! Aber wie, m. A.! ist Abschließung vereinbar mit der Erfüllung dieses Berufes? Wohl, meine Theuren, denn dieses von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.