Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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94 lebendigen Vorbilder in Israels Geschichte verweisen kann. Fürwahr, ich spreche es mit wahrem Nationalstolz ans: Wenn es eine Tngend giebt, auf welche stolz Israel sein Haupt erheben kann, so ist es die Tngend, die ihn: den Namen ״ בני גומלי חסדיםder Mildthätigen" eingebracht hat. Seitdem Israels Männer und 'Frauen zuerst in der Wüste ihr Gold und Silber, Edelsteine und Handarbeiter: zum Ban des Weltentempels mit so wetteifernder Freigiebigfeit herbeibrachten, daß in zwei Tagen alles Erforderliche in Ueberfluß vorhanden war, und daß ntau den weiteren Spenden durch einen ausdrücklichen Befehl Einhalt thun mußte, seitdem ist geben, spenden, mittheilen, wohlthun, Gutes stiften den: Juden zur zweiten Natur geworden. אלופינו מסובליס ״Unsere Fürsten, unsere Vornehmen, waren zu allen Zeiten diejenigen, die am meisten trugen, die die meisten Lasten aus ihre Schultern nahmen und nicht in gemächlicher Ruhe nur das eigene Ich liebten und pflegten. Das' ויודוך כי תטיב לך ״man wird Dir huldigen, wenn Du D i r gütlich thust," ward von jeher in Israel mit Verachtung gegeißelt. Erst im Spenden das Erworbene recht eigentlich erwerben, das war die Grundgesinnung der jüd. Wohlthätigkeit, das war eine — nicht die einzige — der schönsten Früchte, die die Religion der Gotteeeinheit gezeitigt hat, so daß unsere Weisen mit vollen: Fug und Recht den Satz aufstellen konnten: כל הכופר בג״ח כאילו ״ כפר בעיקרWer oer Wohlthätigkeit nicht gerecht wird, der verläugnet seinen Glauben", der verläugnet sein israelitische Abstannnung, kurz, der verläugnet das jüdische Herz. II. Allein im Wirken für setnen Nebenmenschen hat Ser Israelit erst die eine Hälfte seiner Ausgabe erfüllt, ihm winkt noch die andere, bedeutendere Hälfte, die unser Text mit den Worten ״ ללכרון לפני י״יZun: Andenken vor Gott" bezeichnet. Ja, mit diesen Worten legt unser Text beu Finger der göttlichen Mahnung aus die wundeste Stelle unserer Zeit. Denn wohl steht unser heutiges Israel seiner ganzen Ver-