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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 1 (1877) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
1 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 80 (sequence 80)
Language
German
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80 Herr, dich gemacht, wie die Sterne am Himmel so zahlreich." — In ähnlicher Weise spreche ich zu euch. Ihr seid heute hier versammelt, Schüler aus den verschiedenen Lehranstalten, manche im zarten Kindesalter, andere als Knaben, Jünglinge und junge Männer; auch viele Handwerkslehrlinge sind hier unter Euch. Manche haben die Absicht, sich praktischen Fächern zuzuwenden, andere wieder wollen aus dem Quell der Wissenschaft schöpfen. Das Gotteshaus ist groß und geräumig, aber ,יוסף ד עליכם es würde nicht die Zahl der hier studirenden Jugend fassen können, denn sie zählt nach tausenden. Vor 50 Jahren gab es jedoch hier blos 65 jüdische Schüler, darunter waren 11 Gymnasialschüler; jüdische Handwerker aber gab es gar nicht, denn sie wurden nicht geduldet. Zu jener Zeit war eben der Aufenthalt den Juden in Wien nur in beschränkter Weise gestattet, und die Anzahl der hier lebenden Juden war eine geringe. Jeder Nichtjude, und mochte er sonst sein, was er wollte, wenn er kein Verbrechen begangen hatte, durfte hier in Wien wohnen, ein Jude jedoch, der die hiesige Lust athmen wollte, mußte sich zuvor auszeichnen, wenn er diese Gnade erhalten wollte. Ueberdies aber waren ihnen die Nahrungs- und Lebenswege beschränkt und beengt. Wohl durften sie studiren und Handwerke erlernen, aber sie konnten ihre Studien nicht verwerthen. Sie durften nicht Lehrer an niederen oder höheren Schulen sein, man ließ sie zu keinem Amte zu, 'sie durften hier in Wien kein bürgerliches Gewerbe betreiben, ja, nicht städtische Lampenanzünder werden. In beschränkter Weise wurde rhnen der' Handel gestattet. Wohl weiß man, wie sehr Handel und Verkehr den Wohlstand eines Landes fördern, und die Juden haben darin Manches geleistet, das dem Staate von Nutzen war; aber ihnen machte man es zum Vorwurfe, sie seien Schacherer. Der Besitz von Grund und Boden, der ihnen vor 200 Jahren gestattet war, war ihnen vor 50 Jahren verboten. Sie durften blos den.Gottesacker ihr eigen nennen, um ihre Todten zu bestatten, und aus kaiserl. Gnade ward ihnen ge-

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