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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 1 (1877) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
1 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 78 (sequence 78)
Language
German
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78 heute allen Grund, diese Worte aus vollem Herzen zu sprechen. Am ersten Tage in Nissan wurde das erste Heiligthum, das die Israeliten hatten, ausgerichtet, und vor 50 Jahren wurde das alte Gotteshaus in der inneren Stadt eingeweiht, dessen Gedenktag wir heute feiern. . Ihr werdet jedoch fragen, was bedeuten 50 Jahre im Strome der Zeit, und welcher Grund liegt vor, dieses Ereigniß zu feiern? Das Gotteshaus, in welchem wir uns jetzt befinden, ist größer und herrlicher als jenes, das man von der Straße aus nicht einmal als Gotteshaus erkennt. Und doch bildet die Einweihung jenes Gotteshauses vor 50 Jahren nicht nur einen Markstein in der Geschichte dieser unserer Gemeinde, , sondern in der Geschichte der Juden i n O e st e r r e i ch, ja, wir dürfen es sagen, in der Geschichte der Cultur und Civilisation. Es wird von einem Manne erzählt, der 70 Jahre lang geschlafen. Als er erwachte, erkannte er die Welt nicht mehr. Und wahrlich, wenn wir zurückdenken, wie es vor einem halben Jahrhunderte mit uns Juden in unserem Heimathlande, in dieser Residenz bestellt war, so glauben wir, es wäre nur ein schwerer Traum gewesen. Unwillkürlich denken wir an das Wort des Psalmisten (126, 1): ״Wenn der Ewige die Gefangenen Zions zurücksührt, gleichen wir den Träumenden." בשוב ד את שיבת.ציון היינו כחלמים Wir würden derartige Zustände, wie sie damals waren, für unmöglich halten, wenn sie nicht durch untrügliche geschichtliche Beweise bestätigt wären, ja, wenn wir sie nicht zum Theile selbst miterlebt hätten. Und doch waren jene Zeiten schon die glücklicheren, denn nicht mehr war das Gut und Blut der Juden der Willkür preisgegeben — ויוסף הוא השליט Seitdem Josef II. Regent war, mußten die Juden nicht mehr das Judenzeichen, den gelben Fleck, tragen, nicht mehr mußten sie, wenn sie in die Stadt kamen, für sich einen Zoll und eine ©teuer, wie für das Vieh bezahlen. Aber auch nach Innen waren die Verhältnisse schlecht. Der sterbende Patriarch gab seinem Sohne Juda den Segen:

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