Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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66 und des Lebens wiesen, da ein jäher Tod den allverehrten, von uns mit allen Fasern unseres Herzens geliebten Meister in das Jenseit abgerusen, hatten wir nur Thränen und Klagen, durch welche die bange Sorge ging: ״ מי יקום יעקבwie wird sich Jakob wieder erheben können?" Eine Säule, die stärkste Säule unseres Glaubens, unserer Wissenschaft war gefallen, uns aber war die Krone genommen, und noch lange blickten wird trostlos dem dahingeschiedenen Meister nach. Wir sahen in dem lauten Schmerze eben nur den herben, unerschlichen Verlust, nicht die Aufgabe, die hinter dem schmerzlichen Ereignisse stand, das geistige Vermächtniß, das uns der Lehrer und Meister zu treuer Pflege hinterlassen. Wir bedachten nicht: ״ דברי תורה אין מתקיימין ביחידיdaß die Lehre Gottes von deni Einzelnen, auch wenn er der Hervorragendste seines Zeitalters ist, nicht auf ׳die Dauer erhalten werden kann". Der Bestand des Judenthums ist nur dann gesichert, wenn ihm der Stützen viele erzogen werden. Hat der Einzelne die Sendung vollbracht, zu der ihn die Vorsehung unter den Lebenden wandeln ließ, dann ist es Aufgäbe der Ueberlebenden, den Lichtspuren zu folgen, sich mit dem Geiste des Dahingeschiedenen zu erfüllen, auf daß statt der einen dem Throne Gottes viele Stützen erwachsen. Nach einem Ausspruche der Alten sind ja die' Väter ״die Füße des Gottesthrones", die an Dauer und Festigkeit zunehmen, wenn das edle Beispiel der Väter Nacheiferung erweckt, wenn sie fortleben in Denk- und Handlungsweise ihrer Nachkommen. Wohlan denn, m. Freunde! Ob auch die Wunde noch frisch, nach einem Jahre noch bei der leisesten Berührung sich der Schmerz zu erneuern droht, scheuen wir uns nicht, einen Rückblick auf das Leben und Wirken unseres Lehrers zu werfen, aus Furcht, von Neuem an den schweren Verlust erinnert zu werden. Erinnert sich doch der Mensch so gern, wenn auch wehmuthsvoll, der Heimgegangenen Lieben und zieht Trost und Lebenskraft aus ihrem Beispiel. Und das Lebensbild unseres Meisters? Bietet es nicht nach vielen Seilen Belehrung und Erhebung? Die Tafeln sind zerbrochen, aber