Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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- 56 — Segens, der Fülle, des Ueberflusses, den uns Gott auf Feld und Flur, in Tenne und Kelter gegeben, "ושמחת בחגך" ruft die Thora, freue dich an deinem Feste, ",באספך מגרנך ומיקבך", nachdem du deine Vorrathskammern, dein Haus mit dem Schönsten und Besten versehen und gefüllt! — (5. B. M. 16, 13—14.) Wer uns gestern so beglückten, strahlenden Antlitzes gesehen, würde gewiß glauben, wir hätten für alle Ewigkeit ausgesorgt, und selbst die Möglichkeit von Noth und Mangel wäre für immer ausgeschlossen; und heute schon stehen wir wieder mit gefalteten Händen und beten und flehen: ״Gieb, o Gott! "לשובע ולא לרזון" daß wir satt werden und nicht verhungern! daß wir leben und nicht sterben! daß wir unsere Kinder befriedigen, und sie nicht vergeblich nach^ Brod jammern! Was ist denn aus unserem gestrigen Reichthum und Ueberfluß, aus unserer gestrigen Freudigkeit und Seligkeit mit einem Male geworden, daß wir so muthlos und voll Bangigkeit in die Zukunft blicken! Sukkoth und Schemini Azereth! Gestern noch eine ״Hütte", die uns, wie der Prophet sagt, dienen soll ״ "לצל יומם מחו״ב״zum Schatten vor der Gluth der Sonne". (Jesaja. 4,-6), also Sonnenschein und Strahlengluth; und heute schon משיב הרוח ומוחיח״ הגשם", hören wir schon Wind und Sturm sausen und brausen, und den Regen in vollen Strömen vom Himmel herniederstürzen! Mit einem Wort, gestern noch Sommer, das Bild des frohen, freudigen und heiteren Lebens, und heute schon Winter, wo das Leben in der Natur gleichsam erlischt und erstirbt, und der Tod mit seinem Schatten Alles bedeckt und überzieht. Was sollen diese Gegensätze neben einander! Was lehren und bedeuten sie, die glühende Sonne und der ströwende Regen, der scheidende Sommer und der nahende Winter, das frische, frohe Leben und der düstere, schaurige Tod! Ich will es Euch kurz und mit einem Worte sagen, was sie lehren und predigen: Selb ft erkennt n iß! Daß wir uns selber erkennen und uns nicht überschätzen noch überheben! Das heißt eigentlich עצרת תחיה לבס״" diesen Tag widmet Euch selber, dem Nachdenken über Euch selber. Ihr habet, «-