Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9617072-9616729--0813-9616783- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
54 erhebt den Einen und erniedrigt den Anderen"! Wozu aber erst die Grenzen unseres Gotteshauses verlassen, bleiben wir in diesen Grenzen und fassen wir unfern Feststrauß in's Auge. Welche Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit! Welcher Unterschied zwischen dem reichen und gesegneten Ethrog und der armen dürftigen Arabah (Bachweide)! Alle Vorzüge hier und alle Mängel dort! Kann etwa die Bachweide zum Ethrog sagen, warum besitzt du denn so viele Vorzüge, während ich sie alle entbehre, hat doch die Natur, die gütige, ihre Gaben allen Wesen in gleichem Maaße verliehen! Wie aber mit Ethrog und Arabah, so verhält es sich mit aller Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit im All, mit allen Abstufungen und Rangesunterschieden in der menschlichen Gesellschaft. "הבינה בשמים מעלותיו ואגודתו על ארץ יסדה" (Amos 9, 6) d. h. nach der Deutung unserer Lehrer — Gott schafft und bestimmt die verschiedenen Abstufungen im Himmel oben, und verbindet die Wesen in ihrer Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit zu einen: Ganzen aus der Erde unten — (ילקוט פנזחם). Der Feststrauß lehrt also ebenfalls die Unantastbarkeit des Eigenthums, und wir begreifen vollkommen, was uns die Thora sagen will, in: Augenblicke, wo wir diesen Feststrauß zur Hand nehmen, wenn sie uns da zuruft: ולקחתם לכם־משלכם — Nehmet von dem, was euer Eigenthum ist — ohne Bangen und Zagen, und freuet euch vor dem Ewigen eurem Gotte!!! Wo kommt aber die Ungerechtigkeit hin! Warum soll der Arme in der That darben und verküinmern, der Dürftige in der That hilflos und verlassen dafteh'n! Wer hat Euch denn aber, m. £.; gesagt, daß Ihr die Armen darben und verkümmern, die Dürftigen hilflos und ohne Beistand laffen sollt? Sagt die Thora nicht zu wiederholten Malen das Gegentheil, daß wir den Armen helfen, den Dürftigen beistehen sollen! Hört, was die Schrift vom heutigen Feste sagt, und ihr werdet sehen, daß die Thora an die Hilflosen nie und nirgends vergessen! ״Du sollst dich freuen an deinem Feste, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine