Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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V 1׳ — 35 — Jahre weniger zu, aber wie oft ist es vorgekommen, daß er ganz ausgeblieben, und wie oft ist in Folge seines gänzlichen Mangels ein Theil der Menschheit zu Grunde gegangen? Was der Psalmist vor Jahrtausenden gesprochen, das beten wir ihm noch heute alltäglich nach: פותח את ידך ומשביע לכל חי רצץ ״Du öffnest Deine Hand, o Herr, und sättigst alles Lebende — nach deinem Willen." Daß Gott stets die Hand öffnet, das ist uns gewiß, — ungewiß nur, ob sie Viel oder Wenig über uns ausschütten wird; daß er sättigt alles Lebende, das wissen wir bestimmt, nur fügen wir hinzu ״ רצץnach seinem Willen", nur sind wir in Zweifel, wie weit er seinen Willen ausdehnen wird. So flehen wir denn heute zuerst um die Gabe des Regens, um den unmittelbaren Gottessegen; wir wiffen, daß Niemand deffelben entbehren kann, und wir sind überzeugt, daß Niemand desselben gänzlich entbehren wird. II. Daß aber Alles, was sich um uns und an uns zeigt und uns erfreut und uns erquickt, vom Ewigen kommt und einen göttlichen Segen ausmacht, deffen werden wir uns erst bewußt durch den Glauben an Gott, wie ihn uns unsere Lehre einschärft. Und so gelangen wir denn von selbst dahin, uns zu wünschen den zweiten Segen, von dem der Midrasch spricht, den Segen nämlich, den die Thora allen denen spendet, welche mit Liebe und Eifer sie umfassen. Dieser aber unterscheidet sich vom erstgenannte» dadurch, daß er sich nicht außer uns und allenfalls an unserer äußeren leiblichen Hülle geltend macht, sondern in uns, in unserer Brust, an unserem inneren Seelenleben. Gott gehört ferner Allen ohne Unterschied und in gleichem Maße an, und daher wird auch der äußere Gottessegen Allen zu Theil, selbst Denen, die ihn nicht kennen und verehren. Die Religion aber ist nicht Eigenthum aller Menschen, sondern nur eines Theiles, und darum können-ihren Segen auch nur diejenigen genießen, die von ihrer Weihe erfüllt und durchdrungen sind. Während jener schon da ist und wir uns seiner nur bewußt zu werden brauchen, ist die- •׳; •-;