Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 erschütternd und überwältigend in seiner Wirkung, ein Tag, der uns herausreißt aus dem Boden der Niedrigkeit und uns emporträgt in eine höhere Welt, in das lichte Reich Gottes. Es ist ein Tag, der die Augen uns öffnet und den Blick uns schärft, unser Inneres ganz zu durchschauen, zu erkennen all' die schwarzen Flecken, die es verunzieren und verunstalten- Wem sollte wohl heute sein Herz erscheinen als eine spiegelglatte Fläche, wer möchte sich vermessen in Stolz und Dünkel auszurufen: ״ זך אני בלי־פשע חף אנכי ולא עוץ ליFrei bin ich von jeglicher Schuld, rein bin ich und kein Vergehen an mir!" Welchen Menschen hat es wohl überhaupt gegeben, der sich eines völlig sündenfreien Lebens hätte rühmen können! Wem wäre nicht mindestens ein Tag oder eine Stunde oder ein Augenblick gekommen, wo ihn sein Gewissen, jene mahnende Gottesstimme vorgehalten seine Sündhaftigkeit, daß sich das Herz drob entsetzt und statt der Freudigkeit und Leichtlebigkeit Ernst und düstere Niedergeschlagenheit bei ihm eingekehrt! Ja, m. Fr., die Sünde ist so alt wie die Menschheit. ״ אביך הראשון חטא ומלציך פשעו כיSchon dem ältester Stammvater hat gesündigt, selbst deine Fürsprecher, deine Propheten und Gottesmänner haben gefrevelt minder nicht." Kanm war der erste Mensch geboren, da hat er übertreten das Ge- ״ bot seines Gottes, kaum hatte er betreten jenen lieblichen Garten, den ihn: der Herr gepflanzt, da streckte er schon seine Hand aus, die verbotenen Früchte zu genießen. Aber auch schon die erste Sünde ist wie ein Wurm gekommen in das Innere des Menschen und hat den Frieden seiner Seele nn-׳ tergraben. Der Herr hat bei ihm angepocht, daß er sich nicht bergen konnte vor Furcht und Angst! M. A.! Wohl ist dem Menschen nicht gleich mit der Geburt die Sünde als Theil seines Wesens mitgegeben, wohl stellt unsere Religion seine Sündenlosigkeit nicht als eine Un- Möglichkeit hin — aber Thatsache ist es dennoch, daß die Sünde sich wie ein Faden hindurchzieht durch alle Geschlechter, von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage. Sollten wir darum, wenn wir uns vorführen die Fehler und Vergehun-