Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1968-12-13 · 2298 (13.12.1968) · p. [Seite 8]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2298 (13.12.1968)
Date
1968-12-13
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9616703-9616177-9616624--5508-9616632
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

o GQ o£ - « w n FRANQUEO PAGADO Concesión 908 «i ** o o» c O - « < o tarifa reducida Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Ano XXIX BUENOS MIRES, VIERNKS 13 DE DICIEMBRE DE 196« N* 2296 en toda la República Qlft EL EJEMPLAR JIJ.“ PUEYRREDON 2190 - 1* i*q T.E 83-2613 Bueno* A>res Milderungsgrund Los Budistas Protestan Demonstration fuer Moerder *•> ROBERT M. W. KEMPNER Soll*-* le-t H»iler-K »mplize Martin Bormann doch noch eine-s Tages auitauchen. so musste sein Verteidiger ihm ein neues Urteil des Vierten Stiafsenats des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe (4 STR 623 67) zur Kenntnis bringen. Nach der Lektüre des Urteils würde Bormann seinem Verteidiger ohne Zweifel sagen: ..Bisher wollte ich erklären, dass ich eigentlich immer gegen die Judenmord-Politik meines Führers und auch gegen die Ermordung nutzloser Esse’- war. Der Führer, wollte ich sagen, hat mich »'ur niemals zu Worte kommen lassen. Nachdem ich aber das neue Landesgerichtsurteil gelesen habe, weide ich mich mit der Feststellung der Wahrheit verteidigen; ich war ein getreuer Gefolgsmann des Führers, ein alter Nazikämpfet' ein Judenhasser, ein Anhänger der Theorie von der Vernichtung minderwertiger Menschen und Rassen. Diese Ideen habe ich als Kind gelernt, durch das Lesen der Bücher der Rassentheoretiker vervollständigt, und mir von den NS-Theoretikein immer wieder ein hämmern lassen. Ich werde das vor Gericht zugeben. Dann bekomme ich ja nach dem neuesten Urteil des Bundesgericntshofes mildernde Umstände, und es kann mir nicht allzuviel passieren.“ Das Unglaubliche ist geschehen; Im Essener Judenmoidpro/ess erhielten die Angeklagten — ein Kriminalrar. ein kaufmännischer Angestellter und ein Verlagskaufmann — nur zweieinhalb Jahre Zuchthaus wegen Beteiligung an Judenerschiessungen in Witebsk und Gerodok, weil ihre Zugehörigkeit zur SS als Milderungsgründe anerkannt wurde. SS-Leute seien weitaus mehr als alle anderen Deutschen der NS-Propaganda ausgesetzt gewesen; der unbedingte Gehorsam nabe in der SS über allen anaeren Werten gestanden, sagten die Bundesrichter. Die Annahme, dass deshalb gerade die Angeklagten zu der irrigen Auflassung gelangen konnten, der Befehl Hitlers rechtfertigte selbst den Mord an Juden, verstosse nicht gegen die geschichtliche Wahrheit. Blinder Gehorsam betV-t'’ nicht von strafrechtlicher Verantwortlichkeit; damit sei aber auch nicht gesagt, dass ein SS-Angehöriger nicht dem Irrtum habe unterliegen können, die Pflicht rechtfertige sein Handeln. Der Verbotsirrtum entschuldige die Angeklagten nicht, aber das Schwurgericht habe ihn bei der Zumessung der Strafe erheblich berücksichtigen können. (Gerade hiergegen hatte die Essener Staatsanwaltschaft Revision eingelegt, die nunmehr durch das Bundesgerichtsurteil verworfen wurde.) Der Unterzeichnete juristische Chronist sieht schwarz für die Zukunft der deutschen Justiz. Ein rückfälliger Dieb könnte sich darauf herausreden, dass ihm als jungem Menschen der Satz „Eigentum ist Diebstahl“, eingeprägt worden sei. Mit Hilfe der zitierten Argumente könnten sich die Angehörigen der ausserparlamentarischen Opposition darauf berufen, dass Landfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt längst überholte Begriffe seien. Und Grossbetrüger könnten sagen, dass gewisse ungesunde Wirtschaftserscheinungen nur durch ihre Manipulationen überwunden werden könnten. Bei aller Achtung vor dem Bundesgerichtshof: hat er vergessen, dass die drei SS-Angeklagten der Kriminalrat, der Verlagskaufmann und der kaufmännische Angestellte, alt genug waren, um immerhin in ihrer Jugend gelernt zu haben; „Du sollst nicht töten!“ Colombo. Ceilän — La Asociación Budista Interna cional, con sede en esta capital, se ha dirigido por cable y carta a las Naciones Unidas para protestar contra las persecuciones aivijudía? en ios países árabes, especialmente en Egipto, S’Tia e Irak. Un corresponsal del Congreso Judío Mundial, quien tuvo noticia de los hechos, dijo que en el cable de la Asociación Budista expresó “profunda indignación’’ por el maltrato de los judíos en dichoí países. En su carta al Sr. U Thant. Secretario General de la ONU la misma Asociación le acordó que “la conservación de la vida y la prevención de torturas humanas constituyen la enseñanza más sagrada del Iluminado, el Gautama Buda“. Por último, la Asociación decla>ó s. la prensa que está dispuesta a tomar la iniciativa para ‘‘poner fin a la crueldad de los hombres”, obbgación que sienten los “verdaderos budistas”. (OJI) Die Buddhisten protestieren Colombo (Ceylon». —‘ Der internationale Verband der Buddhisten mit Sitz in der Hauptstadt Colombo hat sich telegrafisch und mit einem Schreiben an die Vereinten Nationen gewandt, um gegen die antijüdischen Verfolgungen in den arabischen Ländern, im. besonderen in Aegypten, Syrien und Irak zu protestieren. Ein Berichterstatter des Jüdische Weltkongresses, der hiervon Kenntnis erhielt, teilte mit, dass der Verband der Buddhisten in dem Kabe' seiner tiefen Empörung" über die Misshandlung der Juden in den genannten Ländern Ausdruck verlieh, tr seinem Schreiben an U Thant, den Generalsekretär der UN, erinnerte der gleiche Verband ihn daran dass „die Konservierung des Lebens und die Verhütung von menschlichen Quälereien die geheiligste Lehre des Erleuchteten, Gautama Buddha, bilden“. Schliesslich erklärte der Verband der Presse, dass er bereit sei, die Initiative zu ergreifen, um „der Grausamkeit der Menschen ein Ende zu setzen“ eine Pflicht, welche die „wahren Buddhisten“ fühlen. (ÓJI) AUS ALLER WELT Gegen Rassenhass Paris. — Ein „Aktionseomite zur Bekämpfung des Rassenhasses in Polen“ ist in Paris von etwa 20 jüdischen und nichtjüdischen freiheitlich gesinnten Organisationen gegründet worden. um die französische Oeffentlichkeit über die antisemitischen Massnahmen der polnischen Regierung zu orientieren (JCNS) Gartenstadt für Amerikaner Polen entschuldigt sich Jerusalem, — Die israelische Regierung hat durch die Botschaft Finnlands formell in Polen wegen der Beleidigung einer Frau aus Tel Aviv protestiert, die nach Warschau geflogen war um die Erlaubnis zur Ueoerl'ührung des Sarges ihres verstorbenen Vaters zu erhalten. Als Frau Ursula Rosen durch Freunde vom Tode ihres Vaters, Marcel Urnics, erfuhr, beantragte sie bei der finnischen Botschaft, die seit dem Sechstagekrieg die Interessen Polens in Israel vertritt ein polnisches Visum. Kürzlich erhielt sie von der Botschaft den Bescheid, sie könne das Visum unoei der Bedingung erhalten, dass sie es bei ihrer Ankunft in Warschau den Behörden vorweisen würde. Als jedoch das Flugzeug in der polnischen Hauptstadt landete, erklärten die Beamte*» der Passkontrolle, die Einreisebewilligung sei nur ein ..Petzen Papier“, und verhörten die Frau vier Stunden lang Uber den I Zweck ihres Besuches. Sie weigerten sich sogar, ihr ein i Glas Wasser zu geben. D»e polnischen Beamten sagten Frau Rosen, sie sei nichts andere,, als eine „israelische Abenteuerin“ behandelten sie lüde und zwangen sie, mit dem nächsten Flugzeug in ein westliches Land Polen zu verlassen. Israels Aussenminister legte formell -» Protest bei der holländischen Regierung ein, die Israe Belange in Polen wahrnimmt. Polen entschuldigte sich jetzt bei Israel. Der finnische Konsul in Tel Aviv rief die inzwischen in Tel Aviv wieder eingetroffene Frau Rosen an, um ihr zu erklären, dass die polnischen Behörden den Vorfall bedauern und sie in das Land einreisen dürfe, falls sie wieder nach Warschau fliegen wolle. Frau Rosen, der in Warschau mitgeteiL wurde, dass ihr Vater dort bestattet worden sei, erwägt eine neuerliche Reise, um einen Grabstein zu setzen. (JCNS) Haifa. — In Giwar Eden, einem Hügel in der Nähe von Zichron Jaakow, soll eine Gartenstadt mit 200 Villen für Einwanderer aus den USA erstehen. Eine amerikanische Firma hat den auf 18 Millionen Dollar veranschlagten Bau übernommen. Die ersten 30 Häuser sollen in etwa drei Monaten in Angriff genommen werden. Das gesamte Projekt dürfte bis 1971 beendet sein. (JCNS) Auszeichnung Antwerpen. — König Baudouir. von Belgien hat zwei jüdischen Genieindeführern den Kronenorden verliehen. Der Präsident der Diamantenbörse und Präsident einer , ntwerpener Gemeinde, M. Mareel Ginsburg, wurde zum Ritter und das Vorstandsmitglied dieser Gemeinde und Präsident des Makkabi, M. Bochner, zum Ritter dieses Ordens ernannt. (JCNS) Juden in der DDR London. — Laut Informationen der deutschen Zeitung „Die Welt“ leben heute <n 7 ostdeutschen Städten; Ostberlin Chemnitz, Erfurt, Halle, Leipzig. Magdeburg und Schwerin, die früher zusammen eine jüdische Bevölkerung von annähernd 40.000 Seelen zählten, nur noch weniger als 2.000 Juden. Von diesen sind etwa 90 Prozent zwischen 55 und 90 Jahren alt. In Ostberlin, wo die meisten dieser Juden wohnen sind von 700 nur 18 noch nicht 21 Jahre. (JCNS) Verhaftung Jerusalem. — Israelische Militärpolizei verhaftete den arabischen Bürgermeister von Ramalla, der der Anstiftung zu antiisraelischen Demonstrationen und zum Ungehorsam gegen die israel;?chen Besatzungsbehörden beschuldigt wird. Emigranten aus Russland London. — Eine winzige Gruppe russischer Juden, die ersten, denen seit vielen Jahren auszuwandern gestattet wurde, ist verlässlichen Nachrichten zufolge in Wien eingetroffen. Sie erzählten, dass seit den Ereignissen in der CSR die Spannung in Russland noch Unerträglicher geworden sei und durch die kürzlichen antisemitischen Massnahmen in Polen hunderttausende russische Juden auf der Stelle auswandei'n möchten, wenn sie die Erlaubnis hierzu erhalten wüi'den. Narwagisah« Naanazis Oslo. — Eine vorwiegend aus Studenten und anderen jungen Leuten bestehende Gruppe versucht, in Norwegen eine Neonazipartei zu gründen. Ihr Anführer ist ein Gymnasiallehrer, Olav Hoass. Als ihr Ziel bezeichnet die Gruppe die Gründung eines van KURT KAISER-BLUETM Es muss aier ausführlicher aul eine ebenso lärmende wie widerwärtige Demonstration hingewie.se»» werden, di« sich vor kurzem in Anf.werpeu e( eigner* und zu Szene* führte, welche mal» in Belgien wo die überwiegend« Mehrheit der Bürger sich zu Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit bekennt, bisher noch nicht erlebt hat. Annähernd 9.000 flämische Rechtsradikale, an deren Spitze das faschistische Terroikommando der -/Bewegung“, die andere»» SS-Leute der „Vlaamse Militanten Orde“ in grauen Hemden und in schwarzen Schaftstiefeln, marschierte. demonstrierten in der flämischen Metropole für die totale und uneingeschränkte Amnestie, nachdem ihre Führer in einem vorausgegangenen Meeting die Urteile der Kriegsgeiichft? nach der Befreiung des Landes .als „Unterdrückungsdekrete gegen aas flämische Volk“ bezeichnet hatten. Wohlgemerkt, mehr als 90 Prozent der verurteilten Verräter, ehemalige SS-Freiwillige und Denunzianten von Patrioten, haben längst die Freiheit wieder erhalten. Was in den Haftzeiten geblieben ist, sind authentische Mörder, zum Teil ausgesprochene Massenmörder u»»d wahre Banditen, an deren Händen da; Blut Unschuldiger klebt. Aber die flämischen Faschisten fordern ihre ,.integrale Amnestie“, und sie wollen, dass das ihr Triumph und eine Kapitulation der Demokraiie sein soll. Der Zug der Rechtsradikalen bewegte sich mit einer Unzahl provokativer Plakate und dem pausenlosen Herausbrüllen ähnlicher Slogans durch die Hauptstrassen der grossen Hafenstadt. Im Zug marschierten sämtliche Abgeordnete der supranationalistischen ..Volksunie“ mit und höchst seltsamerweise auch ein Stadtschöffe, der der christlich-sozialen Partei angehört. Bei dieser Kundgebung der Solidarität mit Schwerverbrechern kam es zu beispiellosen Szenen. Fliegende Würstchenverkäufer, die Insignien der rechtsradikalen Formationen am Rockaufschlag trugen, priesen ihre Ware als „Judenbrötche? “ oder als ..kleine Judenkinder“ an, eine revoltierende und schamlos zynische Anspielung auf die kannibanscnen Ausruf tungsm et honen, de*»e»» in rfic- - lers Todeslagern jüdische Kinder zum Opfer fielen. Die briisseler Presse erregte sich mit Recht aufs höchste darüber, dass die städtische Polizei diese bestialischen Anpreisungen offenbar tolerierte, anstatt diese verkommenen Burschen auf der Stelle zu verhaften. Flämische Widerstandsverbände des letzten Weltkrieges hatten die Bevölkerung aufgefordert, gegen die faschistische Provokation auf der Strasse zu protestieren. Da jedoch zu keiner gemeinsamen Kundgebung der Neoi»azigegner aufgerufen worden war, befanden sich die Demonstranten, die dem hasschäumenden Heerhaufen der Amnestiekämpfer einzeln oder in kleinen Gruppen entgegentraten und ihm „Nazis“ und „Veiräter“ entgegenriefen, in einer hoffnungslosen Minderheit und wurden von der SS des „Militanten Orde“ und auch von anderen Teilnehmern des Zuges überfallen und niedergeschlagen. Wo sich ein Widersacher zu zeigen schien, ging die Meute in Stärke von hundei-t gegen einen zum Angriff über, und eine wahre Jagd auf Gegendemonstranten und Patrioten setzte in den Strassen ein. durch die der Umzug der Rechtsradikalen ging. Selbst Leute mit Bärten, die nach „linksradikal“ oder nach „Juden“ aussahen, waren das Angriffsobjekt dieser Amnestiefi’eunde. Das Zentralorgan der „Belgischen Sozialistischen Partei“, „Le Peuple“ in Brüssel, schrieb zu dem antwerpener Neonaziskandal u.a.: „...So etwas darf nie wieder geschehen... Man spricht von Neonazismus in Deutschland. Aber so widerwärtige Demonstrationen finden nicht jenseits des Rheins sondern in einer flämischen Stadt statt... Und was hat die antwerpener Polizei dagegen getan?“ — Ein anderes briisseler Blatt, ,Le Soir“, berichtete von einem anderen unglaublichen Exzess der für die Amnestie demonstrierenden Neonazis. Aus Hunderten von Ehrenzeichen des Ersten Weltkrieges hatten sie das Wort „Amnestie“ geformt und trugen diese Verhöhnung der militärischen Auszeichnungen als Kanipflosung für die Rehabilitierung des Verrats im Zuge demonstrativ mit sich herum. nordischen Nationalstaats und „die Reinigung der Presse, des Rundfunks und der Television von marxistischen Infiltranten“. Nichtariern, Kommunisten u»»d „anderen Verrätern“ wird mitleidsloser Kampf angesagt. Die neue Partei will auch den Anschluss an die „Brüdervölker'' Europas suchen. (JCNS) Abgttaiidttr du Vatikans Rom. — Der Zweck des kürzlichen Besuchs, den der römische Kardinal Eugene I Tisserant in Aegypten ab! stattete, wai anscheinend nicht allein seine Teilnahme ate Repräsentant des Vatikans bei den Feierlichkeiten zur Rettung der Nubischen Tempel. Eine italienische Nachrichtenagentur stellte die Vermutung auf. dass der Kardinal die Gelegenheit benutzt haben dürfte, um die ägyptischen Politiker zu unterrichten, dass der Vatikan ein auf dem Verha»»dlungswege he«beigeführtes Abkommen zwischen den Parteien im Mittelostkonflikt begrüssen würde. (JCNS) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 8*1 Registro de la Propiedad Intellectual N* 988 562;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.