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Jüdische Wochenschau · 1968-12-13 · 2298 (13.12.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2298 (13.12.1968)
Date
1968-12-13
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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Bestürzung und Trauer JfoJem/iKa2j[steielLtcL PUEYRREDON 2190 — 1« i«l- 83 - 2613 N? 2293 BUK NOS AIIRES, VIERNEs* 13 DE DICIElVIBRE DE 1963 An» XXIX dei Midrasch« von Sde Bo- Ein Abschied Ein Soldat ist im Kan s>fe für Israel und im Kampf« für die Rechte des jüdischen V'ikes gefallen. Ein Soldat, der seit frohester Jugeno sein i_<ef,en dem jüdischen Volke auf den Opfertisch legte. ,,H>ei hin ich, um für Eure Rechte, für Eure Anerkennung zu kämpfen, verlangt von mir was Ihr wollt, da hin ich, um es zu erfüllen.“ Hardi Swarsensky ist von uns gegangen. Kurz nach seinem 60. Gehurtstag, den wir. seine Fam.lie. mit ihm und allen seinen Freunden feierten, — nur Menschen, die ihn nicht verstanden, die seine Grosse nicht zu würdigen wussten, waren nicht seine Freunde — ist er zum erste« Male in seinem Leben besiegt worden. Sonst niemals, denn er war ein Kämpfer, wie es wenige gab, gibt und gebe« wird. Durcn die ,..Jüdische Wochenschau“ hat er, nie verzagend. uns allen in den ersten schweren Tagen der Immigration neue Zuversicht gegeben, uns aufgerüttelt, nicht den Mut zu verlieren und uns in diesem Lande, das uns. den mitteieuropüiscnen Juden seine Tore geöffnet hat, den Weg gewiesen, den wir gehen mussten. Die Brücke hat er uns gebaut. Doch er war nicht nur der Baumeister, er war auch der Mittelpfeiler dieser Brükke, deren Last c<uf seinen Schultern ruhte. Seine engsten Freunde und Mitarbeiter halfen ihm dieses Bauwerk zu festigen, aber der Mittel und Hauptpfeiler dieser Brücke, das war er, das wai Hard’ Swarsensky. Haltet sie. lasst sie nich' einstürzen führt sie weiter in seinem Sinne! Nicht nur ideologische Kämpie in den ersten Jahren mit hier geborenen oder schon länger hier ansässigen Juden, die aber bald erkannten wer er war, auch der materielle Kampf in den ersten Jahren der „Wochenschau“ mit den Menschen, die nicht begriffen, dass es nicht genügt sich von einem Nachbarn die Zeitung zu leihen und zu lesen di? nicht sahen, dass es nötig ist, dieses Spracnrohr der deutschen Judei auch durch sogenannte „avLsos“ zu stützen, die vorzogen. in anderen Zeitungen zu annoncieren, erschwerten seine Arbeit. Diese Menschen verstanden ihn licht, sie waren zu engstirnig, um ihn in seinem Kampl zu unterstützen, ihn, der von seiner Tribüne aus für Fuc'1 alle, für alle Jude« des mitteleuropäischen Sektors und füalle Juden in der ganzen Welt gekämpft hat. Ih i, der schon lange, bevor man etwas von Wiedergutmachung wusste, eine materielle Entschädigung von den Nazis verlangte, der den Mut hatte, gegen Ungerechtigkeiten offen aufzutreten, ihn hat man nicht unterstützt, obwohl er für uns alle einstand. Wissen Sie, mein lieben Leser, was es überhaupt heisst, eine Zeitung herauszugeben was es heisst, jede Woche, fast dreissig Jahre lang, einen Leitartikel zu schreiben, auf Reisen zu sein und Urlaub zu haben und trotzdem keinen Urlaub zu haben und immer zu schreiben! Wo es auch war, wo er sieh auch immer befand, der ,,Gottheimer“ lag zu rechten Zeit ln der Druckerei; B. B Samuel, Jakob Katz-Rogäsen, Horst Winckler, Harold Schwarcz. Sem Frankenstein. Arie Ashkenas. Joel Libman Frantz Dr. W., Shlomo S. Tanger. W.B.. H. Sw. und andere Pseudonyme sie alte waren Hardi Swarsensky. Wissen Sie. was es heisst, immer da zu sein? Während wir alle den Sonntag zur Entspannung ausnutzten, in den Klub, in die Pileta oder zum Fischen gingen, er sass arbeitend an seinem Schreibtisch. Er hatte keine Zeit sich auszuruhen. Er arbeitete für das jüdische Volk. In diesem Kampf ist er gefallen Seine- Linie treu, vom Anfang bis zum Ende. Hart wie Granit, wenn es Kampf hiess, weich wie ein Kind, wenn es galt zu helfen. Einer seiner guten Freunde sagte zu mir nach dem Kaddisch, in seinem Hause: „Hardi hatte immer Zeit, wenn man etwas brauchte. Niemals in meinem f-eben kannte ich einen Menschen, der soviel arbeitete und trotzdem immer Zeit hatte, um einem Freunde mit Rat und Tat beizustehen.“ Die, die wir an seiner Beisetzung teilnahmen, waren ergriffen von der Liebe, von der letzter Ehrung die ihm ausser seinen Freunden und Bekannten seine Mandanten gaben, Menschen denen er geholfen hat, denen er wieder Mut zum Leben gab, verzweifelte Menschen, die er unterstützt hat, die weinte.i als ob sie ihren Vater verloren hätten. Er war auch ein Vater für uns alle, der beste Freund, den es gab. Diese Ausgabe ist die letzte der „Jüdicben Wochenschau“. — La Sernan. Israelit, ismit ihm gestörten. Sie war sein WerK, seine Arbeit. Wer soll sie weiterführen? Wo ist unter unseren Menschen ein Jehuda Gottheimer Wo ist ein Mensch der seine Linie weiter hält? Wo ist ein Mensch, auf dessen Worte man hört, dessen überragende Persönlichkeit, alle überragt? Wo ist er, der die Zeitung in seinem Sinn; hätte weiterführen können? Aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, die Zeitung mit ihm sterben zu lassen. Aber sie wird in unser aller Mitte weiterleben, wie auch er, wie seine Worte. seine Taten und seine Güte. Ich danke an dieser Stelle im Namen von Eva Swarsensky, seiner treuesten Mitarbeiterin, seiner Jugend-, Kampf- und Lebensgefährtin, abei. seinen treuen Lesern und den wenigen Firmen, die seit Jahren bei uns inseriert haben, sowie allen Mitarbeitern von ganzem Herzen. Lebt in seinem Sinne weiter, so werdet Ihr am besten sein Andenken wahren! Sehalom! FE DK RICO SWARSENSKY (Zu den so plötzlichen Ableben des Gründers und langjährigen Herausgebers der Jüdischen Wochenschau veröffentlichte die Zeitung „Mundo Israelita“ eine Würdigun* des Verstorbenen deren Uebersetzung aus dem Spanischen wir nach stehend abd rucken. — D. Red i Eine jüdische Persönlichkeit, von aussergewöhnliche« Gaben verschwindet mit dem Heimgang von Dr. Hardi Sv arsensky einem der bedeutendsten Führer des argentinischen Judentums, der ganz plötzlich in Buenos Aires verstorben ist, kurz nachdem er das 60.. Lebensjahr vollendet hatte. Dr. Swarsensky hat im jüdischen Leben eine hervorragende Rolle gespielt und auf dessen verschiedenen Gebiete durch seine seit frühester Jugend ausgeiibten Akthitäten entseheidenen Einfluss. Erfüllt vom zionistischen Ideal hat er sein fruchtbares Dasein der Verwirklichung seiner hohen Ziele geweiht. Dieses Wirken im Dienst der Juden nahm seinen Anfang, als er noch an der Universität von Berlin Student der Rechte war. Später beteiligte er sich aktiv an der Aufgabe, für den Zionismus in der einst blühenden jüdischen Gemeinde der alten deutschen Hauotstadt zu werben. Nach der Machtergreifung durch die Nazis suchte Dr. Swarsensky Zuflucht in unserem Lande. Hier unternahm der Verstorbene mit seinem vollen Einsatz, mit erneuter Kraft und unerschütterlichem Glauben an das Schicksal unseres Volkes schwierige und oft undankbare gemeindliche und zionistische Aufgaben. Er war der wahre Initiator des institutioneilen Lebens im Gemeindesektor der Juden deutscher Sprache. In diesem Kreis diente der Verstorbene als Wegweiser, um dieser Gemeinschaft die Struktur und Bedeutung zu geben, welche sie heute auszeichnen. Doch Dr. Swarsensky wollte und konnte als echter Gemeindeführer nicht auf einen bestimmten Kreis der Kollektivität beschränkt bleiben Seine Gestalt und sein Werk erstreckten sich auf den weiiesten Rahmen des jüdischen Lebens. In diesem Zusammenhang müssen wir auf sein hervorragendes Wirken in der DAIA, im Jüdischen Weltkongress und in den Reihen des Arbeiterzionismus hinweisen. Er war auch Präsident des zur Förderung der Mitarbeit mit V*n Dr. Nachum Galdmann Der Präsident des Jüdischer Weltkongresses, Dr. Nachum Goldmann, sandte an den Generalsekretär der Lateinamerikanischen Exekutive des JWK folgendes Kabel: „Ich bitte, der Familie Swarsensky den Ausdruck meines tiefen Beileids zu dem plötzlichen Todesfall zu übermitteln stop die argentinische Judenheit und der JWK haben einen bedeutenden Führer verloren, dessen Werk unvergessen bleibe« wird — Nachum Goldman«“. ker gegründeten Comites. Aber die höchsten An strengungen seines grosszügigen Geistes und seines dynamischen Willens waren ohne Zweifel den Zielen des Keren Hajessod gewidmet. Dieser Organismus, der alle anderen Bedürfnisse der Juden überragt, besass in ihm einen einzigartigen Führer, einen echten Ban nerträger, der einer ganzen Generation von Askanim den Weg wies. Das Ausmass seiner Arbeit im Dienst des Keren Hajessod ist weitgehend anerkannt so dass es nicht notwendig ist, hierauf in einzelnen einzugehen. Es genügt zu sagen, dass er als Präsident der Einheitskampagne die historische Aufgabe vollbrachte, die aussergewöhnliche solidarische Verpflichtung der Kollektivität gegenüber Israel in d n denkwürdigen Tagen de schweren Krise zu leiten, welche Israel Mitte 1967 zu bestehen hatte. Die Führung Dr. Swarsenskys, sein überzeugendes Wort und sein unerschöpflicher Eifer im Dienst des Keren Hajessod trugen weitgehend zu dem erstaunlichen Erfolg dieser Aktion ohnegleichen bei. Als verdiente Anerkennung für dieses verdienstvolle Werk wurde. Dr. Swarsensky vor einiger Zeit zum Ehrenmitglied des Weltrates des Keren Hajessod ernannt, eine Auszeichnung die so gerecht für den Verstorbenen war wie sie ehrenvoll für unsere ganze Kollektivität ist. Steine untadelige Persönlichkeit und saubere Führung gemeindlicher Angelegenheiten traten erst kürzlich zutage, als er mit bebender Stimme dem Empfinden und dem Willer weiter jüdischer Volkskreise Ausdruck verlieh und als treuer Bewahrer der besten demokratische« Gepflogenheiten des jüdischen Genieindelebens angesichts der jüngst rund um den Keren Hajessod eingetretenen Ereignisse auftrat. Doch da„ Wirken des Verstorbenen erstreckte sich ebenfalls auf das intellektuelle und journalistische Gebiet. Er war der Verfasser wichtiger Schriften über die Geschichte des Zionismus, des Keren Kajemet und über das jüdische Leben i* Deutschland. Kürzlich erschiene!! in spanischer Sprache Broschüren über Walther Rathenau und über die tragische „Kristallnacht“. Ein besonderes Verdienst, gewann er als Journalist durch die Gründung der „.Jüdischen Wochenschau“ die in deutscher Sprache erscheint und deren Herausgeber er mehr als ein Vierteljahrhundert lang gewesen ist. Der Tod von Dr. Swarsensky beirifft die ganze Kollektivität zutiefst, die n t seinem Tode einen wahren Führer, einen integren Juden und einen Menschen vornehmster geistiger Eigenschaften und erlesener Menschlichkeit verliert, Eigenschaften, welche die allgemeine Wertschätzung erklären, deren er sich in allen lokalen Kreisen erfreute. Ehrungen Kurz nach Bekanntwerden des unglücklichen Ereignisses berief der Präsident der Einheitskampagne eine Sondersitzung ein, um das Andenken des verstorbenen Führers zu ehren. Bei dieser Gelegenheit wur¬ Treue zu Israel Der Präsident der Jewish Agency ki Israel, Louis Pincus, sandte durch Vermittlung des israelischen Botschafters in Buenos Aires folgendes Kabel: „Ich spreche der Familie und der Canrpafia Unida von Argentinien mein aufrichtiges Beileid zum Ableben meines Freundes, Dr. Hardi Swarsensky aus. Ich hatte die Ehre ihn persönlich zu kennen und zusammer mit ihm für die gemeinsame Sache zu arbeiten. Wir haben einen Mann der Tat verloren, dessen Hingabe an Israel und Treue für Uns ein Symbol und ein An. Spor» für unsere künftige Arbeit sein werden. — Louis Pincus.“ Beileid von Levi Eshkol ,,lm Namen der Regierung von Israel drükke ich der Familie von Dr. Hardi Swarsensky, der jüdischen Gemeinschaft von Argentinien, der Zionistischen Organisation und der Campaöa ijnida mein tiefstes Beileid »a dem unersetzlichen Verlust aus, den der Tod desjenigen bedeutet, der ein hervorragender zionistischer Führer, ein Mann des Geistes un«a der Tat war. Möge sein Werk Wegweiser und Beispiel für jene sein die es fortsetzen werden. LEVI ESHKOL Ministerpräsident von Israel.“ de auf seine hervorragende Persönlichkeit und seinen verdienstvollen Beitrag zugunsten des Keren Hajessod hingewiesen. Die Versammelten nahmen die folgenden Beschluss-- an; der Familie des Verstorbenen eine Beikidsbotschaft zu übermitteln; Botschaften mit der Naehrichvom Ableben Dr. Swarsenskys dem Weltrat des Kerer- Hajessod in Jerusalem zu senden und durch die OSA (Organizaciön Sionista Argentina — Anm. d- Red ) die Jewish Agency zu verständigen; eine permanente Ehrenwache am Sarge zu halten und einen Redner zu beauftragen bei der Beerdigungsfeier in Tablada im Namen der Einheitskampagne das Wort zu ergreifen, Ben Gurion kondolier) An die Familie Swarsensky und den Kreis der Freunde der Midrascha Sde Boker traf das folgende Kabel ein; „Bestürzt über die schmerzliche Nachricht teilen wir Euer Leid und vertrauen darauf, dass Ihr Trost finden möget in Eurer Arbeit für Israel und sein Volk. DAVID BEN GURION Tsvilin Rabinovich Midrascha Sde Boker Er wies ms den Weg Hardi Swarsensky ist nicht gestorben. Menschen wie er sterben nicht. Er hat einer ganzen Gemeinschaft von Juden aus dem deutschen Sprachkreis Inhalt und Bewusstsein gegeben, Stärke und Hoffnung eingeflösst. Er hat ihr einen Weg gewiesen, auf dem die Vert-iebenen ihr Schicksal meistern konnte«. In Israel gehen die Offiziere den Soldaten in der Schlacht voraus. Im tagtäglichen Kampf für die Stärkung Israels ist Hardi Swarsensky uns stets vorangegangen. Er hat unsere Mitarbeit gefordert, und er hat uns mit seinem restlosen Einsatz al« Vorbild gedient. Die Fülle eines Leben» wird nicht mit der Zahl der gelebten jahre gemessen, sondern mit der Intensität, mit der ein Mensch seine Tag' ausfüllt. Glücklich ist nicht der, der „angenehm“ lebt, sondern der, welcher Ideale besitzt und es versteht, mit diesen in Einklang zu leben In diesem Sinne hat der Verstorbene ein volles und glückliches Leben gelebt obwohl er viel au früh abberufen wurde. Ein Kämpfer sein Leben lang, hatte er dennoch — das wisser wir die wir de« Vorzug h tten. uns seine Freunde zu nennen — stets Zeit, mitfühlend und hilfsbereit zu sein. Was Goethe von den Menschen gefordert hat dis war er: edel, hilfreich und gut. Er wird in den Herzen aller dere dit sich an seiner markanten Persönlichkei’ geistig bereichern konn ten, weiterieben. Anaioliw Landmann

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