Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2295 (22.11.1968)
- Date
- 1968-11-22
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO O QQ o £ - Concesión 908 ft> +* m tc *- QJ o t» c O iv < o TARIFA reoucida Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA en toda la República Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 22 DE NOVIEMBRE DE 198« N* 2295 PUEYRREDON 2\90 - 1» í*q. Buenos Atres T.E. 33-2613 Israel als ..Atommacht ff Job» Taylor Herausgeber des massgeblichste« britischen Jahrbuches für internationale Luftfahrtprobleme, will es ganz genau wissen; Israel besitzt nicht nur eine Reihe von Wunderraketen verschiedener Art sondern auch eine Zweistufen-Rakete mit festem Treibstoff namens 68») “ und wird spätestens 1370 auch im Besitz atomarer Sprengköpfe eigener Produktion sein. Der britische Experte mit L weltweiter Reputation erwartet gewiss keine offizielle israelische Bestätigung bic seine vage Feststellung. Israel werde demnächst seine Mitgliedschaft im exklusiven Atomklub beantragen können. Eine solche Bestätigung wäre nicht nur aus Gründen der militärischen Geheimhaltung — sofern etwas da ist, was es geheimeu halten lohnt — unwahrscheinlich. sondern auch aus rein politischen Erwägungen hinaus. Seit geraumer Zeit üben die USA auf alle befreundete« Staaten, einschliesslich Israel, einen ziemlich massiven und bisff von ZEKV BARTH Ausführungen des Regie rungschefs insofern modifiziert hat, dass Israel über ,,das notige technologische Wissen“ für den Bau der Atombombe verfüge, also nicht mehr nur über das rein theoretische Wissen, das ja auch andere Nationen besitzen. Wie Eshkol mit dem „langen Weg“, so versuchte auch Eban seine Zuhörer zu beruhigen. Er versicherte. dass Israel gar nicht den Wunsch habe, aLima re Waffen zu produzieren. Es fragt sich nur, ob diese Beruhigungspillen gewirkt haben und für wie lange, zumai jetzt eine Kapazität vom Range John Taylors die genaue Bezeichnung der israelischen Rakete und einen Termin für die Fertigstellung der atomaren Sprengköpfe anzugeben vermochte. Allerdings waren die vermutlich höchst überflüssigen und zu einem falschen Zeitpunkt gewählten Worte Eshkols und Ebans auch ohtan bei misstrauischen Leuten neue Ueberlegungen au.szulösen. Denn bisher haben alle massgeblichen israelischen Sprecher beteuert, dass Israels Atomwissenschaftler ihr ganzes Können ausschliesslich in den Dienst der friedlichen Nützung der Atomenergie stellen. Wenn dem so ist, wieso kamen sie über den Besitz des rein theoretischen Wissens hinketziemlich erfolglosen j ne John Taylor dazu ange- Druck aus, um sie dazu zu bewegen, den atomaren Sperrvertrag zu unterzeichnen. Sofei-i käme der aufsehenerregende Bericht John Taylors zu einer durchaus unpassenden Zeit, stets vorausgesetzt, dass sich der namhafte Fachmann doch nient irrte. Aber es kam auch kein israelisches Dementi. Dieser Mangel lässt sich natürlich damit erklären, dass es nicht üblich ist. Berichte in Zeitungen oder gar Fachzeitschriften offiziell zu dementieren, Nun kommt aber hinzu, dass massgebliche Spi echer der Regierung, nämlich der Ministerpräsident und der Aussenminister höchst persönlich, durch unvorsichtige Erklärungen jedes Dementi im voraus seiner Glaubwürdigkeit beraubten. Ministerpräsident Eshkol hat in der ersten Oktoberhälfte in einer Rede in Degani<* ganz nebenbei erklärt, dass Israel über das Wissen zur Erzeugung yon Atomwaffen verfüge, meinte aber, dass „von hier bis zu der praktischen Erzeugung ein langer Weg führt“. Diesen Weg verkürzte Aussenminister Eban, ais er in einer Rede in der Universität Lahay in Pennsylvania die aus bis zum technologischen Können? Gewiss, es könnte sich auch um eine leichte Uebertreibung handeln, die den Zweck verfolgt, den arabischen Staaten etwas mehr Respekt, 'ielleicht auch etwas mehr Angst vor Israel einzujagen und sie zu veranlassen. sich mit der Friedens'jereitsehaft zu beeilen. Es ist keineswegs die Rede oavon. dass die israelischen Minister ein strenggehütetes Geheimnis vorzeitig verraten und damit zu wildesten Spekulationen Anlass gegeben haben. Vielmehr geht es darum, dass jedes Gerede über das atomare Potential Israels, augenblicklich wegen seines schweren Ringens gegen die Unterzeichnung des Sperrvertrages. höchst schädliche Auswirkungen haben könnte. Eis liegt nicht, in Israels Macht. John Taylor daran zu hindern, seine Ansichten zu äussern. aber es liegt gewiss in der Macht israelischer Regierungsmitglieder, ihre eigenen Reden zu überwachen. Oder handelt es sich hier um eine ..gezielte Indiskretion"? Rein theoretisch wäre dies möglich. Es könnte sein, dass der nordamerikanische Druck auf Israel in Bezug auf die Unterzeichnung des Sperrvertrages solche Ausmasse erreicht hat. die Israels Regierung! zwingen könnten. Washingj ton wissen zu lassen, dass 1 Israel nicht mehr ohne weiteres zu den nichtatomaren Staaten, zu den atomaren Habenichtsen, gezählt werden könne. Wahrscheinlich würde sich dies aber Israels Freunden und Gegnern auch in passenderer Form beibringen lassen als in der eines halbe Satzes im Kibbuz Degania und eines ganzen Satzes in einer Universität in Pennsylvania. Doch sogar wenn die Regierung bereits die entsprechende Form gefunden haben sollte, den Amerikanern reinen Wein einzuschenken — immer vorausgesetzt, dass es einen solchen überhaupt gibt — wäre es ihre Pflicht, auch den wildesten Gerüchten in der Heimat, durch eine kompetente Regierungserklärung zum Thema Atom, Einhalt zu gebieten. Denn ob man sich über die schmeichelhafte Einschätzung israelischen wissenschaftlichen Potentials durch John Taylor freut, oder ob sie Besorgnisse erregt, in beiden Fällen dürfte .„{he häufige Erwähnung des israelischen atomaren Potentials aus dem Munde führender isneue Sicherheitsrat Vereinte Nationen, — Nach dem 1. Januar dürfte Israel sich mit einer gewissen Wehmut nach den „guten, alten“ Sicherheitsrat zurücksehnen, von dem es in den letzten Jahren zwar keine Gerechtigkeit erlangen konnte, der aber Israel auch nicht rundweg verurteilt hat. Der neue Sicherheitsrat wird, wenn dies beantragt wird, sogar Israel Sanktionen auierlegen können, denn er verfügt über die hierzu nötigen Stimmen, und die ständigen Mitglieder, welche gegen eine solche extreme Massnahme ihr Veto einlegen könnten, werden wahrscheinlich hieryor zurückschrecken. Fünf Mitglieder sind schon für eine Amtsdguer von zwei Jahren gewählt worden und zwar Kolumbien, Finnland, Nepal, Spanien und Zam'bia die an die Stelle von Brasilien. Dänemark, Indien, Kanada und Aethiopien treten werden. Dies bedeutet für Isreel einen ausgesprochenen Verlust. Kolumbien wird in Mittelostfragen eine ebenso verständnisvolle Haltung einnehmen, wie Brasilien dies getan hat, und Finnland ist Israel so freundschaftlich gesinnt. wie Kanada dies war. Zambia dürfte wahrscheinlich der allgemeinen arabischen Linie enger folgen als Aethiopien. das verschiedentlich seine Unabhängigkeit bewiesen hat und für Israel mit Wort und Tat eingetreten ist. Spanien ist proarabisch, während Dänemark fast immer auf Israels Seite stand. Nepal ist ein wenig besser als Indien, an dessen Stelle es treten wird. Die übrigen sind ständige Mitglieder: England, das nationalistische China, Frankreich, Sowjetrussland und die USA, und fünf nichtständige Mitglieder, die bis Sode 1969 im Sicherheitsrat verbleiben; Algerien, Ungarn, Pakistan, Paraguay und Senegal. Somit wird die sich automatisch formierende „arabische Front“ auf neun Länder belaufen, was gerade genügt, um jede Resolution durchzupeitschen. Die zu einem Veto nicht sehr geneigten Länder, die dies verhindern könnten, sind England und di® USA. England hat erst ein einziges Mal ein Veto eingelegt raeliseher Politiker und! un<i die USA noch niemals und weiden es auch wohl au* massgeblicher internationaprinzipiellen Gründen nicht tun. Sb wird in nächster Zuler Fachorgane, die Phanta- | kunft der Sicherheitsrat immer weniger die geeignete Stelle sein, an die Israel sieh mit seinen Sorgen wende« und die »s um Abhilfe ersuchen kann. (JCNS) sie beflügeln. Es würde jetzt nur noch fehlen, den Arabern die Möglichkeit zu bieten, sieh in aller Welt, vielleicht sogar im Sicherheitsrat, als die armen, bedauernswerten Opfer einer israelischen „atomaren Erpressung“ aufzuspielen. Aufschlussreiche Dokumente Prozesse gegen NS-Verbrecher Athen. — Die Entdeckung von in München aufbewahrter „vertraulicher“ deutscher Berichte durch einen griechischen Universitätsprofessor wirft neues Licht auf die unbarmherzige Vertreibung der Juden durch die Nazis aus Griechenland während des Zweiten Weltkrieges. Bisher waien nur wenig Einzelheiten über die Verfolgungen bekannt, denen die griechischen Juden während der deutschen Besetzung in jenen Jahren ausgesetzt waren, und Einlenden grossen jüdischen Gemeinde von Saloniki. Von insgesamt mehr als 75.000 griechischen Juden, die in nazistische Konzentrationslager deportiert wurden, kehrten 87 Prozent nicht zurück. Nach dem Krieg gab es nur noch etwa 10.266 Juden in Griechenland, und laut der letz- Leute auf einen Versammlungsplatz zu beordern. Diese Aufforderung enthielt die Warnung, dass jeder erschossen werden würde, der nicht käme und später gefunden werden sollte. Die Juden wurden auf 80 Militär-Lastwagen verladen, die um 10 Uhr nach Trikkala in Mittelgriechenland abten Volkszählung beträgt ihj fuhren, wo man sie in Sonre Zahl beute weniger als 6.000. Die aufgefundenen Dokumente beschreiben die Dei portation der jüdischen Bezelheiten der in den Jahren j völkerung aus der im west- 1943 und 1944 durchgeführj liehen Griechenland gelegeten Deportationen betrafen j nen Stadt Janina und von hauptsächlich die Vernichtung der 56.000 Seelen zäh- Die Bedeutung der Alija Tel Aviv — Vize-Ministerpräsioent Jigal Allon enthüllte, dass die Alija vonseiten der Regierung die gleiche budgetäre Priorität wie die Landessicherheit geniesst und Bestrebungen zu ihrer Erweiterung im Gange sind. AHon, welcher an der Spitze des neuen Ministeriums für die Absorption der Einwanderer steht, erklärte auf einer Versammlung des Sekretariats der Arbeiterpartei, er teile die Einstellung des Finanzministers Zeew Scharef zu dieser Frage. Er vertrat den Standpunkt, dass nicht die Zahl der verfügbaren Wohnungen die Zahl der Einwanderer bestimmt sondern vielmehr der Strom der Immigranten für die Menge der zu errichtenden Häuser den Ausschlag gebe. Sein Ministerium sei eigentlich nicht neu. so fügte er hinzu, denn es hat die Aufgaben der Absorptions-Abteilung der Jewish Agency übernommen, die ihre Arbeit auf dem besonderen Gebiet der Ulpanim vWd Absorptions-Zentren wetterfuhrt. (ITA) der Insel Korfu, die kurz vorder Befreiung Griechenlands im Oktober 1944 durchgefiihrt wurde. Sie wurden in München im Institut für Zeitgeschichte von Prof. Polychrom Enepekidis von der Universität Wien entdeckt, der die Resultate der von ihm vorgenommenen Prüfung in einem Artikel in der griechischen Presse veröffentlicht hat. Die Dokumente befanden sich unter dem für die Kriegsverbrecher - Prozesse in Nürnberg vorbereiteten Beweismaterial, aber sie sind bei den Verhandlungen niemals benutzt worden. Der Bericht aus Janina besagt, dass die Vertreter der 1.725 Juden der Stadt am 25. März 1944 um 5 Uhr morgens den Befehl erhielten, hi« I Uhr früh ihre derzüge über Jugoslawien nach Polen verfrachtete. Nach Statistiken des Zentralverbandes der jüdischen Gemeinden von Griechenland lebten damals 1.850 Juden in dieser Stadt. Heute zählt diese Gemeinde 163 Seelen. Nur 187 der 2.000 Juden aus Korfu überlebten den Krieg. Wie aus den von Prof. Enepekidis eingesehenen Schriftstücken hervorgeht, wurde die fiir März 1944 geplante Deportation bis zum Juni verschoben, weil es anscheinend an Schiffen und Treibstoff für die Schiffe mangelte. Die Juden wurden nach Patras auf dem griechischen Festland verbracht und von dort aus nach Auschwitz transportiert. Aus den Dokumenten ist ersichtlich, dass den deutschen Besatzungs>behörden der starke Widerstand der griechisch-katholischen Bevölkerung zu schaffen machte, die „äusserste Sympathie mit den Juden bezeugte“. Es wird darin auch be- Düsseldorf. — In München ist das Verfahren gegen den 55 jährigen, früheren SS- Scharführer Hugo Raschendorfer eröffnet worden. Die Anklage lautet auf Beihilfe zum Mord von zumindest 200 Juden in Chelm (Polen) während der Jahre 1939 bis 1943. Raschendorfer hat sich für seine Teilnahme an Massenerschiessungen von Juden und individuellen Judenmord im Ghetto von Chelm zu verantworten. Der Angeklagte peinigte seine Opfer und verbreitete überall unter den Juden Schrekken, wo er mit seinem Hund aufta uchte. — Das Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat eine Berufung der Staatsanwaltschaft verworfen, die gegen die Zubilligung mildernder Umstände durch die Geschworenen in einem Prozess Einspruch erhob, der im Dezember 1966 gegen drei frühere Mitglieder einer SS- Sondereinheit wegen Kriegsverbrechen in Essen stattfand. Das Gericht hatte Claus Hiiser und Friedrich Meyer zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie im Juli 1941 an der Erschiessung von etwa 300 Juden in Viteosk. Weissrussland. teilgenommen hatten, und Eberrichtet, dass die Juden von Korfu Goldstücke besassen, mit denen sie die deutschen und griechischen Besatzungen der Schiffe bestechen konnten, so dass es zahlreichen Juden gelang, zu entkommen und sich der griechischen Widerstandsbewegung anzuschliessen. (JCNS) I hard Stanke zu 21/2 Jahre» für seine Teilnahme an der Erschiessung von-100 Jude» einen Monat später in Gorodek Meyer wurde unter Anrechnung der Untersuchungshaft freigelassen. Der Staatsanwalt machte vor dem Bundesgerichtshof geltend, dass das Argument der Geschworenen, die drei Männer hätten aus „Befehlsnotstand“ gehandelt, was mildernden Umstände» gleichkäme. ungerechtfertigt und nicht durch Beweise festgestellt sei. Das Urteil der Geschworenen auf Befehlsnotetand, welches besagte. dass die Männer zwar den verbrecherischen Charakter ihrer Befehle erkannt haben könnten, doch vielleicht auch die Ueberzeugung gehabt hätten, dass ihr Eid sie zu Gehorsam verpflichte. wurde vom Bundesgericht unterstützt. Di« KP in Frankreich Paris. — Frankreichs Kommunistische Partei befindet sich in einer Finanzkrise. und verschiedene Blätter der Partei mussten ihr Erscheinen einstelten, nachdem die bisher der französischen KP von Moskau geleistete Hilfe als Vergeltung für das Eintreten der pariser Kommunisten gegen die russische Invasion der CSR ausbleibt. Verschiedene jüdische Beisteuerer zu kommunistischen Fonds haben ihre Unterstützung wegen der letzten Ereignisse im Mittelosten eingestellt. (JCNS) Ir preso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 861 Registro de la Propiedad Intellectual N* 989 588