Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2295 (22.11.1968)
- Date
- 1968-11-22
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE «cm ~ m m. m PUEYRREOON 2190 — '*<1 Año XXIX m — — JfcJèm&naJkJuàelUa T. E. 83 - 2613 AIRKS, VIERNES 22 DK NOVIEMBRE DK 1968 N? 2295 Traeume und Wirklichkeiten Russen wit Amerikaner sind von einem fieberhaften Ehrgeiz ergriffen, den Wettlauf zum Mond als erste zu beenden. Wissenschaftlicher Eifer und politisches Machtstreben. mögen die Triebfedern für diese „Welt-Eroberung“ sein, auf deren Ergebnis alle Menschen mit Neugier un<, Interesse warten. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die erdgebundenen Sorgen und Probleme durch das Träumen zurr. Himmel vernachlässigt werden, die sich immer schärfer als vernichtende Gefahren abzeichnen. Die Unruhe, die alle Völker ergriffen hat, die zu einer bisher in Ausmass und Form unbekannten Rebellion der Jugend geführt hat, konnte noch nicht beschwichtigt werden. Die bekannten Unruheherde in Ost und West konnten nicht beseitigt werden und stellen eine Bedrohung des Weltfriedens dar, wenn man optimistisch genug is<t, den jetzt herrschenden Zustand überhaupt als . Frieden“ zu bezeichnen, I. Die UN Beinahe unbeachtet von der Oeffentliehkeit rollt die diesjährige Generalversammlung der UN ab. Die Tagesordnung, wie immer sehr umfangreich, enthält wieder die selben Punkte, da es niemals gelungen ist, euch nur eines der ständig behandelten Probleme in von ¡EHUDA COTTHEIMER einer zufriedenstellenden, dauernden Form zu lösen. So wird auch in diesem Jahr wieder über die Aufnahme Rot-Chinas diskutiert, ohne dass auch nur ein neuer Gesichtspunkt vor- {etragen wenden konnte. Der Westen, der für seine Haltung bis heute stets die erforderliche Mehrheit bekam, lehnt Chinas Aufnahme in die UN ab, wobei es eindeutig ist, dass hierbei nur politische Gesichtspunkte obwalten. Sachlich ist diese Stellungnahme nicht zu rechtfertigen. Ob dieser Machtkampf dem UN-Gedanken nützlich ist. muss dahingestellt bleiben. Während die UN sich sonst beeilen, jeden, auch den kleinsten Zwergstaat sofort als Mitglied mit allen Rechr-en aufzunehmen, verweigern sie dem volkreichsten Land der Erde die Aufnahme, obwohl keine Möglichkeit besteht, daran zu zweifeln, dass die Chinesen zugleich einen der grössten Machtfaktoren in der internationalen Politik darsteilen. Nach der UN-Statistik von 1966 hatte China eine Bevöikerungszahl von 650 Millionen, während das Mitglied 117 der UN ganze 93.000 Einwohner zählte (Malediven). Immerhin gab es weitere zehn Mitgliedstaaten mit weniger als einer Million Einwohnern. Israel rangiert« an 87. Stelle von insgesamt 117 Mitgliedstaaten. Der Einwand, dass China durch die Nationalen Chine- EIN JUEDISCHER STAAT Jerusalem. — Der ehemalige Ministerpräsident David Ben Gurion sprach vor einer Gruppe von ausländischen Studenten in der Hebräischen Universität. Er erklärte, Israel sei vor allem ein jüdischer und nicht ein zionistischer oder israelischer Staat. Ein Israeli, so fügte er hinzu, sei ein Jude, der ein erfülltes jüdisches Leben lebt, während die im Ansland wohnenden Juden ein geteilte*» Leben führen. Ben Gurion versicherte, er würde es vorziehen, dass Israel sich eines vollen und echten Friedens erfreuen könne anstatt in den besetzten Gebieten zu verbleiben, mit Ausnahme allerdings von Jerusalem, das einen „Sonderfall“ darstellt. Doch die Araber, äusserte er, wollen keinen Frieden und werden in ihrer Position von Sowjetrussland unterstützt, das den Schlüssel zu der heutigen Lage in der Hand hält. (ITA) Das neue Absorptions-Ministerium Viele Israelis, darunter auch der ehemalige Ministerpräsident Ben Gurion lind der jetzige Premierminister Levi Eshkol, glauben. dass Israels Schicksal auf lange Sicht von der Quantität und Qualität der Einwanderer abhängt, die in das Land kommen werden. Dies wird sicher einen Einfluss auf die Zahl und Qualität von Israels Streitkräften haben, die es gegen seine feindlichen arabischen Nachbarn aufzustellen in der Lage ist. Doch dies ist nur ein Aspekt des Problems. Wie auch immer Israels schliessiiche Grenzen aussehen werden, so ist es einleuchtend. dass zahlreiche neue Siedlungen und Städte errichtet werden müssen, um die leeren Flächen zu füllen, die schon vor dem Krieg im Juni 1967 Israels Sicherheit bedroht haben. Dörfer und Städte brauchen Stedier. Alteingesessene waren immer schon unter der Bevölkerung neuer Siedlungen, aber in den sogen, neuen Entwicklungszentren besieht der überwältigende Anteil der Bewohner aus Neuankömmlingen. Man mag darüber streiten. ob Qualität oder Quantität für die Einwanderung wichtiger sei. Aber solche Argumente sind akademisch. Es gibt keine Möglichkeit, dass die israelische Regierung» sich die Einwanderer aussuchen kann. In den Ländern Osteuropas und in der moslemischen Weit die traditionsgemäss Israels Quelle der Maasenimmigration war, ist das Reservoir der Auswanderung entwede ■ versiegt oder rwu deu Regierungen blokvon ELIAHU SALPETER kiert. In den Ländern der freien Welt stehen die Tore offen, und unter denen von dort einwandernden Juden befinden sich auch zahlreiche geschulte Kräfte und Akademiker. Das ist Qualität. Aber die Quantität, d.h. die Menge derer, die nach Israel kommen, um sich im Lande anzusiedeln, kann nicht als „Masseneinwanderung“ bezeichnet werden, nicht einmal von den überzeugtesten zionistischen Propagandisten. Israel kann nur wenig tun, um das Ausmass der Einwanderung zu beeinflussen. Zwar versucht die Regierung, die bürokratischen Hindernisse zu verringern, auf die Immigranten bei ihrer Niederlassung des öfteren stossen. Man ist sich darüber einig, dass die Pro bleme und Schwierigkeiten der Eingliederung die Menschen abschrecken. Vor einigen Monaten hat die Regierung beschlossen, ein Absorptions-Ministerium zu schaffen, das endlich alle die Büros unter einem Dach vereinigen soll, mit denen der einzelne Einwanderer zu tun hat. Das neue Ministerium hat nach langwierigen Verhandlungen mit der Jewish Agency, deren Absorptions-Abteilung bisher für viele der diesbezüglichen Fragen zuständig war, seine Tätigkeit begonnen. Allerdings bedeutet die Gründung des neuen Ministedums und seine Abkommen mit der Jewish Agency keinesfalls, dass die Jewish Agency jetzt keine Rolle mehr auf diesem Gebiet spielt. Das neue Ministerium wird sich direkt mit den meisten Problemen der vermögenden Immigranten beschäftigen. aber die Agency wird weiterhin für die Unterstützung der bedürftigen Ankömmlinge verantwortlich sein. Die Agency wird wenig für einen Einwanderer zu tun haben, der genügende finanzielle Mittel besitzt, um für sich selbst zu sorgen. Aber wenn ein Immigrant, mag er ein ungelernter Arbeiter oder ein Professor für Elektronik sein, ohne finanzielle Mittel im Lande ankommt, so wird es weiterhin Aufgabe der Jewish Agency sein, ihm zu helfen, ein neues Leben zu beginnen. In jedem Fall wird heute die Absorption eines Neueinwanderers von seiner Landung bis zur Unterbringung in einer neuen Wohnung und Beschaffung einer Arbeit vom Absorption* - Ministerium zusammen mit der Jewish Agency durchgeführt. In jedem Stadium ist eine Teilung der Aufgaben zwischen beiden Behörden vorgesehen, so dass die Staatsbeamten den „administrativen Weg zu ebnen“ bemüht sind, während die Angestellten der Jewish Agency sieh mit der Bereitstellung finanzieller Hilfe für die bedürftigen Immigranten befassen. Für alle Immigranten jedoch, arm und reich, wird es eine einzige Behörde geben, die sich mit allen ihren Problemen beschäftigt. Auf diese Weise, so hofft man, wird die Einwanderung nach Israel für Einwanderer aus der freien Welt anziehender gestaltet werden und gewiss angenehmer für jene, welche mit einem einzigen Hemd in ihrem Gepäck eintreffen. sen (Formosa) vertreten werden würden, ist wenig überzeugend, denn das Nationale China auf der Insel Formosa rechnet nach der offiziellen Bekanntgabe der UN mit 11 Millionen Einwohnern gegenüber den rund 650.000.900 „roten“ Chinesen. Dass die Regierung in Peking, der man den Eintritt in die UN verweigert, dadurch eine stärkere Position habet könnte, dass sie nicht an UN-Satzungen gebunden isr, wird übersehen. Diese Politik trägt auf jeden Fall dazu bei, die Bedeutung der UN herabzusetzen. indem eine Regierung ausserhalb der UN- Verantwortung bleibt, die das zahlenmässig grösste Volk repräsentiert. II. Brandt und Araber Der bundesdeutsche Aussenminister Willy Brandt hat nach einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur aus Kairo eine Erklärung zur Lage im Nahost (allgemein als Mittelost bezeichnet) abgegeben. Er soll sich in einem Interview, das er der arabischen Zeitschrift „Rose el Yussuf“ gewährt hat. gegen militärische Gebietseroberungen ausgesprochen haben. Die Bonner Regierung soll, wie Brandt nach diesem Bericht erklärt habe, für die Durchführung der seinerzeit vom Sicherheitsrat der UN gefassten Beschlüsse eintreten. Die Regierung in Bonn trete für die Fortführung der Vermittlungsaktion ein, die vom schwedischen Diplomaten Gunnar Jarring unternommen wird. Von einer militärischen Zusammenarbeit zwischen Bonn und Jerusalem könne nicht die Rede sein. Vor allem erinnerte Willy Brandt an eine von ihm dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Mohammed Abdel Jalik Hassuna, gegebene Versicherung, dass die Bonner Regierung keine Waffenlieferungen nach Spannungsgebieten genehmigen werde. Keine Regierung ist verpflichtet, einer anderen Waffen zu liefern, wobei die Begründung schon nicht entscheidend ist. Insofern dürfte dem Standpunkt Brandts nichts hinzuzufügen sein. Die theoretische Bemerkung Brandts über die Durchführung irgendwelcher UN-Beschliisse dürfte dagegen bereits als recht unglücklich zu bezeichnen sein, da der israelische Gesichtspunkt, vor Räumung in direkte Verhandlungen zur Schaffung eines Friedens einzutreten, völlig unerwähnt und unberücksichtigt geblieben ist. Brandt hätte wenigstens mit einem Wort der Ermunterung an die Araber, endlich Frieden zu schliessen, seine Bemerkungen unterstreichen sollen. Diese Kritik ist nur dann aufrechtzuerhalten, wenn die Mitteilung der Deutschen Presse-Agentur über das Brandtsche Interview richtig wiedergegeben wurde. III. Unversoehnlich In einer Ansprache, die der Papst Paul VI. jüngst an Pilger gerichtet hat, erklärte er, dass Religion und Kommunismus unversöhnlich seien, wenn auch eine Diskussion zwischen den beiden Gruppe« möglich wäre. Erklaenmgen Abba Ebaus Jerusalem. — Au-ssenmin..ster Abba Eban informierte das Kabinett über seine Mitteilung an de» UN-Schlichter Dr. Gunnar Jarring, dass Israel weiter mit ihm zusammenzuarbeiteo gewillt sei, um jede Möglichkeit zum Abschluss eines Abkommens zwischen den Ländern des mitteiöstlichen Raumes zu erschöpfen. Im weiteren berichtete Eban über den Inhalt seiner Gespräche mit USA-Staatssekretär Dean Rusk und die Unterhaltungen anderer israelischer Repräsentanten mit Mitgliedern verschiedener Delegationen vor den Vereinten Nationen. Ferner teilte er mit, dass die Verhandlungen über den Verkam amerikanischer Phantom-Jets in die praktische Etappe gelangt seien. Ein Sprecher bestätigte die Versicherung Ebans, die er dem Vertreter der Jüdischen Telegranhen-Agentur abgegeben hatte, dass er den Vertragsentwurf für die Kampfflugzeuge in seiner Tasche trage. Am Tage vor seinem Erscheinen vor dem Kabinett erklärte Eban in einem Interview, die Gerüchte von Differenzen zwischen den Ministern über die Frage des Friedens seien von der Presse in Israel und im Ausland stark übertrieben worden. Er äusserte, die Mehrzahl der Minister sei im Prinzip dafür, dass Israel sich geneigt zeigen sollte, anderen Grenzen als den gegenwärtig geltender. Feuereinstellungs-Linien im Austausch gegen einen Frieden mit seinen Nachbarn zuzustimmen. Mit Bezug auf die in dieser Frage bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen gewissen Ministern wies Eban darauf hin, dass die von diesen Politikern geteilten Ansichten bei weitem wichtiger als die sie trennenden Gesichtspunkte sind. (ITA) Contra la Discriminación Nueva York. — La Argentina ratificó a principios de octubre la Convención Internacional para la Eliminación de Todas las Formas de Discriminación Racial, según ha anunciado oficialmente la Oficina de Información Pública dt la ONU. Al recoger esta noticia, el Congreso Judío Mundial, que colabora con las Naciones Unidas como organismo consultivo, indicó que hasta ahora son 7 los países latinoamericanos que han ratificado o accedido a la Convención. Las naciones latinoamericanas ratificantes fueron Argentina, Brasil, Costa Rica, Panamá, Uruguay y Venezuela. El Ecuador, que no había suscrito la Convención desde el principio, accedió a ella más tarde, lo cual equivale a 1* ratificación. Originalmente fueron 13 los países latinoamericanos que firmaron la Convención. E« total ésta fue suscrita por 68 naciones. Según la fórmula aprobada, la Convención entrará en vigor 30 días después de que se deposite en la ONU el 27? instrumento de ratificación o accesión. El total de países que han ratificado o accedido hasta ahora es de 24. (OJI) Gegen Diskriminierung New York. — Argentinien hat Anfang Oktober die Internationale Konvention zur Abschaffung aller Arten von rassischer Diskriminierung ratifiziert, wie das Büro für Oeffentliche Information der UN offiziell angekündigt hat. Bei Erhalt dieser Nachricht informierte der Jüdische Weltkongress, der als beratender Organismus mit den Vereinten Nationen zusammenarbeitet, dass es bisher 7 lateinamerikanische Lnder sind, welche die Konvention ratifiziert oder angenommen haben. Die lateinamerikanischen Nationen, die die Konvention ratifiziert haben, sind: Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Panamá. Uruguay und Venezuela. Ecuador, das zuerst die Konvention nicht unterschrieben hatte, gab ihr später statt, was der Ratifizierung gleichkotnmt. Ursprünglich waren es 13 lateinamerikanische Länder, die die Konvention unterfertigten. Insgesamt wurde sie von Sfi Nationen unterschrieben. Nach der angenommenen Formel wird die Konvention 30 Tage nachdem bei den UN die 27. Urkunde der Ratifizierung oder Annahme niedergelegt worden ist, in Kraft treten. Die Gesamtzahl der Länder, welche sie bisher ratifiziert oder angenommen haben, beträgt heute 24. (OJI) Damit hat der Papst eine Auffassung zum Ausdruck gebracht, die gerade von jüdischer Seite seit Jahrzehnten vertreten wird, wenn man unter Kommunismus den politischen, von Moskau oder Peking gelenkten Kommunismus versteht. Man kann den Standpunkt vertreten, dass dieser politische Kommunismus und das von ihm proklamierte Weltbild eine „neue Religion“ darstelle, die von ihren Anhängern mit dem gleichen oder gar mit einem grösseren Fanatismus geglaubt wird, als ihn die Gläubigen der traditionellen Religionen beweisen. Insofern lassen sich die religiösen Auflassungen beim derzeitigen Standort der Menschheit nicht miteinander „aussöhnen“. Insofern kann ein Jude nicht Kommunist sein, und ist er es, (Schluss aul Seite 2) Konvention in Israel Tel Aviv. — Die erste jüdisch-lateinamerikanische Konvention, die in Israel stattfindet, wird im Januar beginnen. Sie steht unter den Auspizien der lateinamerikanisch-israelischen Handelskammer und anderer Organisationen. Den offiziellen Vorsitz wird Vize-Premierminister Jigal Allon führen. Die Konvention verfolgt den Zweck, den lateinamerikanischen Tourismus und die jüdische Einwanderung in Israel zu fördern. Hauptsächlich jedoch soll sie dazu dienen, die Handelsbeziehungen zu beleben, damit die für Israel ungünstige Handelsbilanz mit den lateinamerikanischen Ländern ausgeglichen werden kann. Israel hat im Jahre 1967 nur für dreieinhalb Millionen Dollar seiner Produkte an Lateinamerika verkauft, während es für acht Millionen Doller lateinamerikanische Exportartikel, hauptsächlich Gefrierfleisch, gekauft hat. (ITA)