Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2294 (15.11.1968)
- Date
- 1968-11-15
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9616177-9616584--5461-9616585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE HHOSCil) PUEYfiREOON 2)90 — 19 izq. Ha. JkwtfutjCL j&iaeiiUi T. E. 83 - 2613 An« XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 15 I>E NOVIEMBRE OE 1068 2294 Es kommt eine neue Welt 4< [No somos traidores fp. Im November 1918 brach das Deutsche Kaiserreich zusammen. Seither sind fünfzig Jahre vergangen. Rückblickend wird man erkennen müssen, dass mit dem Verschwinden des kaiserlichen Deutschlands auch unsere eigene Welt unterging, die für das jüdische Leben bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs richtungweisend war. Das Deutsche Reich lind die österreichischungarisch:: Donaumonarchie waren die Heimat eines sehr erheblichen Teils des jüdischen Volkes, der damals für das jüdische Schicksal tonangebend war. Der aufgezwungene Krieg der Entente gegen die Mittelmächte war der äussere Anlass einer Entwicklung, durch welche das Bild unserer Erde einer gründlichen, nie geahnten und auch nicht voraussehbaren Wandlung unterworfen worden ist. Das aufgewühlte Meer der Ereignisse hat sich noch nicht beruhigt. Neue gewaltige Wellenschläge sind über Länder und Konr tiuente,' über Völker und Menschen' dahingebraust; Sie haben übersfll tiefe Spuren. blutende Wunden und neue Explosionsherde zurückgelassen. Ein Ende dieser turbulenten Entwicklung Ist nicht abzusehen. Die Kinder und Enkel jener Generationen, die für die Fehlentscheidungen der van JEHUDA GOTTHEIMER kaiserlichen Epoche in allen Ländern verantwortlich ist, — falls es überhaupt historisch betrachtet möglich sein sollte, derartige Verantwortlichkeiten festzustellen, — leiden noch heute unter den Irrtümern, die damals begangen worden sind. Zu den schwersten Fehlern gehört ohne jeden Zweifel die Entscheidung der kaiserlichen Stellen, russische Revolutionäre, unter ihnen das Haupt der Kommunisten Lenin und seinen ersten Assistenten Radek, in einem geschlossenen Eisenbahnwagen nach Russland zu schleusen. Durch diesen Entschluss wurde die russische Revolution überhaupt erst möglich gemacht, worüber sich heute die Politiker und Historiker einig sind. Radek war ein Jude. Sein Einfluss in den ersten Zeiten der russischen Revolution war gross, da Lenin ihn für alle wichtigen Aufgaben einsetzte. Radek stammte aus dem Lemberger Ghetto; sein wirklicher Hollaendisdie Minister besorg! Amsterdam. — Befürchtungen, dass die Sowjetunion im Falle der Wiederaufnahme des Krieges im Mittelosten zu Ungunsten Israels intervenieren könnte, wurden von zwei Ministern des holländischen parlamentarischen Verteidigung« Comités ausgesprochen. Verteidigungsminister W. den Toom und Marineminister J. van Es informierten das Comité, dass Aegyptens Flotte mit Raketen tragenden Flugzeugen beliefert wurde, die schon mit den russischen Flotteneinheiten Zusammenarbeiten. Minister den Toom bemerkte in diesem Zusammenhang, die Invasion der CSR habe erwiesen, dass die Sowjetunion sich nicht vor einer Intervention scheue. Die russischen Schiffe im Mittelmeer haben offensiven Charakter, so fügte er hinzu, und es könne sehr wohl die Absicht bestehen, den arabischen Ländern zu helfen. Die holländische Regierung hat Israel während des Sechstageskrieges und seit dessen Beendigung mit militärischem Material beliefert und scheint um Israels Sicherheit besorgt zu sein. (JCNS) Interview mit Levi Eshkol Die Ansicht, dass die Beziehungen zwischen Israel und der westdeutschen Bundesrepublik, auf verschiedene Weise — durch technische Zusammenarbeit und durch Jugendkontakte — verbessert werden können, drückte Ministerpräsident Levi Eshkol kürzlich in einem Interview aus, das er dem Korrespondenten der „Welt“ gewährte. Auf die Frage, ob und wie die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und den Ländern Osteuropas wiederhergestellt werden könnten, erwiderte Eshkol, Israel werde jede Initiative von Staaten begrüssen, die ihre Beziehungen mit Israel während des Sechstage-Krieges abgebrochen haben. Gleichzeitig müsse jedoch das Verhältnis zwischen Israel und den Ostblockstaaten bereinigt und normalisiert* werden. Frage: Führende Staatsmänner in Ost und West haben angeregt, das Rüstungswettrennen im Mittleren Osten zu beenden. Was ist Ihre Meinung dazu? Eshkol: Wir waren immer der Meinung, dass der Rüstungswettlauf die ohnehin schwachen Möglichkeiten der Länder des Mittleren Ostens zu stark strapaziert. Wir haben immer wieder die arabischen Regierungen aufgefordert, ihre Feindschaft zu begraben, friedliche Verhältnisse zu schaffen, Nichtangriffspakte mit uns zu schliessen und Uebereinkommeu für eine Rüstungskontrolle zu treffen. Bisher haben sie nicht darauf reagiert. Die arabischen Regierungen sind es, die das Tempo des Röstungswettrennens besUauueu, Sie führen ständig modernere und mächtigere Waffen für ihre riesigen Arsenale ein. Damit lösen sie eine gefährliche Eskalation aus, sowohl in der Menge wie in der Qualität der Waffen. Gleichzeitig bekennen sie offen vor aller Welt — wie auch vor ihren Lieferanten —, dass sie mit den erworbenen Waffen Israel vernichten wolleu. Unter diesen Umständen muss Israel, wenn es überleben will, sich ebenfalls Waffen beschaffen, um einen Angriff abzuschrecken und sich im Notfall verteidigen zu können. Frage: Seit Anfang Juni 1967 sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und einer Reihe osteuropäischer Staaten unterbrochen. Sind Sie daran interessiert, dass wieder normale Beziehungen mit den Ländern Osteuropas hergestellt werden? Eshkol: Wir werden jede Initiative in dieser Richtung aus Ländern begrüssen, die die diplomatischen Beziehungen mit Israel abgebrochen haben. Dies war ein drastischer Schritt, den man kaum als logisch oder nützlich bezeichnen kann. Wir möchten jedoch, dass von vornherein Klarheit über folgendes besteht; Wir sind daran interessiert, dass die Beziehungen wieder normal werden. Eine rein formelle Wiederaufnahme (der Beziehungen) würde uns nicht genügen. Wir sind an guten Beziehungen interessiert, die, wie wir glauben, für alle Beteiligten vorteilhaft sein können, Frage: Wie können die bestehenden Kontakte und die Zusammenarbeit zwischen Israel »nd der Bundearepublik Deutschland verbessert werden? Eshkol: Es gibt Möglichkeiten, sie zu verbessern. Ich glaube, dass eine noch engere wirtschaftliche Zusammenarbeit — wozu auch der Austausch von Erfahrungen in Industrie und Technik gehört — sowie die häufige Begegnung zwischen den jungen Menschen unserer Länder hoffnungsvolle Grundlagen der Zusammenarbeit bieten. Gleichzeitig dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass die Erinnerung an die Vergangenheit noch sehr lebendig ist. Das trifft nicht allein für die ältere Generation unseres Landes zu, die Furcht und Schrecken des Nazi-Regimes und der Verfolgung in Europa erlebt hat, sondern auch für die jüngeren Jahrgänge. Frage: Jetzt tritt ein neuer deutscher Botschafter sein Ami in Tel Aviv an. Können Sie etwas Zusammenfassendes sagen über die ersten drei Jahre deutschisraelischer Beziehungen auf diplomatischem Gebiet? Können Sie etwas über die Zukunft sagen? Eshkol: Botschafter Pauls hatte eine einzigartige diplomatische Mission übernommen. Er hat einen bedeutsamen Beitrag geleistet, indem er mit Ueberzeugung und Takt die ersten Brücken geschlagen hat zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem jüdischen Staat Israel. Sein Nachfolger kann die anspruchsvolle Aufgabe fortsetzen, die Bundesrepublik Deutschland in Israel zu vertreten. Er kann die praktischen Beziehungen weiterentwickeln, di« Zusammenarbeit stärken und das Veitrauen zwischen unseren Ländern vertiefen. Name war Karl Söbelsohn. In einem Bericht des k.u.k. Generalkonsuls in Moskau, George de Pottere, vom 6. Oktober 1918 an seinen Aussenminister Stefan Graf Buriau von Rajecz bezeichnete de Pottere Radeks Bildung und Intellekt als „durchaus deutsch - jüdisch. Von einem Russentum keine Rede Dennoch ist er der nächste Intimus des Stockrussen Lenin“. George de Pottere sagt dann an einer anderen Stelle seiner Information; „Ich darf diese Ausführungen über den Herrn Abteilungschef für mitteleuropäische Angelegenheiten, mit dem ich mich übrigens — trotz seiner impossiblen Ideale und Bestrebungen — glänzend verstehe, mit einigen Zitaten aus einer Rede schliessen, die Radek gestern über mitteleuropäische Probleme gehalten hat...“ In dieser Rede sagte Radek den deutschen Zusammenbruch voraus. Triumphierend teilte er mit, dass dieselben Deutschen, die noch vor wenigen Wochen den Sowjets ihre Bedingungen stellten, jetzt wiedergekommen seien und ihn gefragt hätten; „Was werden Sie verlangen?“ Radek schloss diese Rede; „So sieht dos Ende der räuberischen Diplomatie des Imperialismus aus. Es ist ein; sich vollziehende Tatsache — der Imperialismus stöhnt, tödlich getroffen. | Bald wird ihn das sich er. i hebende Proletariat völlig I erschlagen. Und es kommt einen neue Welt. Diese Welt wird im Blute geboren, wie alles in dieser Welt. Aber sie wird geboren werden; sie wird kommen“. — Diese Schlussbemerkung Radeks mag damals eine innere Berechtigung gehabt haben. Heute ist sie mit Sicherheit zutreffend. Nur die Akteure haben gewechselt. Der alte klassische Imperialismus der sogenannten „kapitalistischen“ Mächte ist inzwischen mit allen seinen negativen Begleiterscheinungen vom bolschewistischen Kommunismus übernommen worden. Die Sowjetunion hat sich zu einem der grossen imperialistischen Reiche der Weib geschichte entwickelt. Vielleicht kann man jetzt noch nicht mit Exaktheit das Ende seiner räuberischen Diplomatie Voraussagen. Aber auch dieser Machtkoloss, der sich nur auf sein« Armeen und seine Gewalt stützt, wird eines Tages zusammenbrechen, wie in dieser letzten, sich über 50 Jahre erstreckenden Weltrevolution bereits so viele Giganten der Macht ins Nichts versunken sind. Noch stehen wir — oder wir stehen wiederum — an der Schwelle einer neuen Welt, die in Blut geboren wird, wie alles, was geboren wird, in Schmerzen ersteht. Aber diese neue Welt wird kommen, und sie wird eine Welt ohne Imperialismen sein, auch ohne den roten Imperialismus, mag er nun von Moskau oder von Peking dirigiert werden. Unter diesem Aspekt können wir auch einige Sätze aus einem Artikel zitieren, den Radek am 20- Oktober 1918 in der Izvestija veröffentlicht hat; „Die Ereignisse entwickeln sich .in unerhört raschen» Tempo. IFit Tel Aviv. — La URSS y Polonia fueron violentamente atacadas por líderes del partido comunista israelí por el trato otorgado a sus judíos, en la apertura de la 16* Convención Nacional- El partido instó a los comunista« en el mundo entero a unirse en el apoyo por la supervivencia de Israel. La convención partidista, que recibió saludos oficiales del Presidente Zalman Shazar y del presidente de la kneset Kadish Luz, abrió en un hall decorado con 3 banderas israelíes y 3 banderas rojas. El secretario general, Shmuel Mikunis, en sus palabras de apertura, dijo “No traicionaremos a Israel para recibir una pa;m adita en la espalda de Moscú". El Dr. Moshe Sneh, dirigente partidista, dijo que la tarea inmediata del partido comunista israelí era ayudar a los partidos comunistas del mundo a entender los problemas y objetivos de Israel. Expidió una reclamación de 4 puntos al jefe del partido comunista polaco Wladislaw Gomulka y a los líderes del Kremlin; Permitir a los judíos que desean emigrar a Israel. Permitir a los que quedan, los contactos eo» organismos democráticos judíos en otros países, permitir a ios judíos a asimilarse a la niavoria si así lo desearen» Pidió a U URSS no intervenir contra Israel en lo» asuntos de Medio Oriente. Shlomo S. Tánger Wir sind keine Verme ter (t 99 Te! Aviv. — Die Sowjetunion und Palen wurden von den Führern der israelischen Kommunistischen Partei wegen hier Behandlung ihrer Juden auf der Eröffnung der 16. Nationalkonvention heftig angegriffen. Die Partei richtete an alle Kommunisten in der Welt das Ersuohen, sich zur Unterstützung des Ueberlebens Israel zusammenzuschliessen. Die Parteikonvention, die offiziell« Begriissungen von Präsident Zalman Shazar und dem Knesset-Präsidenten Kadisch Luz empfing, wurde in einem mit drei israelischen und drei roten Fahnen geschmückten Saal eröffnet. Der Generalsekretär Schmuei Mikunis sagte in seinen EröffnungsWorten; „Wir werden Israel nicht verraten, damit uns Moskau auf die Schulter klopfen soll“. Parteiführer Dr. Mosche Sneh erklärte, die israelische Kommunistische Partei müsse es als nächstliegende Aufgabe ansehen, den Kommunistischen Parteien der Welt zu helfen, dass sie die Probleme und Ziele Israels verstehen lernen. Er sandte einen Appell von vier Punkten an den polnischen kommunistischen Parteichef Wladislaw Gomulka und die Führer des Kreml; den Juden, die nach Israel auszuwandern wünschen, das Verlassen des Landes zu erlauben. Denjenigen, die bleiben, die Aufnahme von Kontakten mit demokratischen jüdischen Organisationen in anderen Ländern zu gestatten, den Juden die Assamilierung an die Majorität, falls sie dies wünschen, z« erlauben Er ersuchte die USSR. in Mittelostfragen nicht gegen die Juden zu intervenieren. 3 5 SMeme S. Tanger wissen nicht, was der morgige Tag uns bringt, aber wir wissen fest, dass jeder kommende Tag ein Schritt vorwärts sein wird der neuen Welt — dem neuen Frieden entgegen... Sieht man jetzt auf den Gang der Ereignisse, horcht man jetzt auf den Donner welcher die alten Festen Europas erschüttert, dann drängen sich einem von selbst die Worte Ulrich Huttens auf die Lippen; „Es ist doch eine Lust zu leben in dieser Zeit“... — Niemand kann sich darüber beklagen, dass die Zeit nicht interessant sei, in der wir leben. Sie war oftmals für uns, die von diesen Ereignissen besonders hart betroffen worden sind, zu interessant gewesen. Gleich nach dem Ersten Krieg begannen Unruhen und Verfolgungen, deren erste Opfer Juden gewesen sind. Die letzten Reste des zaristischen Russland, das immer antisemitisch war, nahmen an unschuldigen und unverteidigten Juden Rache, die zum Spielball der miteinander ringenden Kräfte wurden. Ueberaü dort, wo Reaktion sich sammelte, trug sie die antisemitische Maske und Wirtscliaftslag« Jerusalem. — Zum ersten Mal seit seiner Viruserkrankung erschien Premierminister Levi Eshkol vor dem Kabinett, um über den Zusammentritt der Wirtschafts- Konferenz zu berichten, welche zu Beginn des Jahres abgehalten wurde. Der zweiten Sitzung dieser Tagung werden 15 führende Repräsentanten der Handels- und Finanzwelt, sowie die von der Konferenz ernannten Delegierten und zahlreiche andere Persönlichkeiten beiwohnen. Auch etwa 15 Vertreter der israelischen Wirtschaft werden unter den Teilnehmern sein. (ITA) hatte auf jedes Argument gegen die eigene Schuld und Verantwortung die stereotype Antwort vom Dolchstoss in den Röcken, der von den Juden ausgeführt worden sei. Kein Argument war absurd genug, um nicht in dieser trostlosen Auseinandersetzung gebraucht zu werden. Keine Behauptung war verlogen genug, um (Schluss aut Seite 2) USA-Kampfflugzeuge für Israel Washington. — Israel und die USA stehen kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen über den Verkauf von 50 Phantom-Jetbombern, wie die „Washington Post” mitteilte. Das Verkaufsabkommen, dessen Höhe mit zwischen 175 und 200 Millionen Dollar beziffert wird, dürfte in Bälde beende* sein und an das State Department zur Ueberpriifung der errechneten Beträge weitergeleitet werden. Ursprünglich sollten diese Kampfflugzeuge nicht vor 1970 zur Lieferung gelangen. Wie nunmehr verlautet, dürften die nordamerikanischen Funktionäre von dem Zufluss sowjetischen Kriegsmaterials in den Mittelosten hinreichend beeindruckt sein, um sich Israels Wunsch geneigter zu zeigen, dass die Lieferungen schon 1969 ihren Anfang nehmen. Tel Aviv. — Ministerpräsident Levi Eshkol eröffnet« einer aus 90 Mitgliedern bestehenden Delegation der englischen Einheitskampagne, er hoffe, dass Israel die nordamerikanisehen Phantom-Kampfflugzeuge noch vor Ablauf der Amtszeit des Präsidenten Johnson erhalten werde. (ITA)