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Jüdische Wochenschau · 1968-11-08 · 2293 (8.11.1968) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2293 (8.11.1968)
Date
1968-11-08
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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|t — Viennes, t de N«viembr« d« J868 SEMANA ISRAELITA Afi« XXIX. — JT 22SÖ Als die Synagogen brannten ' (Schluss von Seite 1) Klärung sollte sich die Lage der Juden in Deutschland gi undlegend andern. Die giessen deutschen Humanisten, Männer wie Chr. W. Dobrr und Lessing sind unter dem Eindruck der überragenden Persönlichkeit eines Moses Mendelssohn für die „bürgerliche Verbesserung der Juden“ eingetreten, die dann unter dem Einfluss der Französischen Revolution und ihrer Ideen vor allem im Preussen der Brüder Humboldt, des Freiherrn von Stein und des Kanzlers Fürsten Hardenberg auch allmählich, sehr allmählich, erfolgte. Es mag verständlich sein, dass sich diese Wandlung von der Deklassierung zur Gleichberechtigung mit vielen negativen Begleiterscheinungen vollzog, dass vor allem grosse Teile der jiidischen Jugend vom Glanz der europäischen Kultur beeindruckt wurde und da'bei die Quellen vergass, aus denen sie selbst bis dabin geschöpft hatte. Es mag verständlich sein, dass der Schritt vom Ghetto in die Freiheit auch seine Opfer forderte, die nun ihre Vergangenheit abstreifen wollten und vergassen, woher sie gekommen waren. Interessant ist dabei. heute aus historischer Sicht den „Schritt zurück“ aus der Freiheit ins Ghetto und seine Folgen zu beobachten, wenn man sich dieser symbolischen Wortanalogie bedienen will. Auch dieser Prozess, von den Kindeskindem der emanzipierten Juden vollzogen, forderte Opfer, Menschen, die diesen Bruch in ihrem Leben nicht überwinden konnten und zugr undegingen, unter ih- Dr. FREY A B 0 6 A D 0 PUEYRREDON 2190 1? izq. nach. 16—19 Ubr Tel. 8« 6930 ne« viele bedeutende Männer, wie etwa der grosse Humanist und durchaus bewusste Jude Stefan Zweig. Man spricht viel vom Erbe des deutschen Judentums; auch hier war davon die Rede. Aber was ist unter diesem Begriff zu verstehen? Eine Definition ist nicht einfach, weil die meisten eher fühle-t als wissen, was damit gemeint ist. Bei einer Analyse wird man zu dem Ergebnis gelangen, dass diese Erbschaft nicht! nur geistig eine reichhalti- 1 ge 'st. sich keineswegs nur | auf das Gebiet der religiö- I sen Einstellung, des kultu- | rellen Schaffens, der (für I das deutsche Judentum typischen) Wissenschaft des Judentums und manche anderen geistigen Aspekte bezieht, sondern gleichzeitig eine besondere Lebensform, | eine eigene Haltung zu den j Fragen der Umwelt und ei-! ne eigene Verantwortung I dem Menschen und der Gei meinschaft gegenüber umfasst. Bezeichnend für dieses „Erbe des deutschen Judentums“ ist in erster Linie der Versuch einer Symbiose, einer Verbindung, einer Gleichzeitigkeit zwischen der jüdischen Vorstellungswelt und der europäischen, in erster Linie der deutschen Kultur, an deren Entwicklung und Gestaltung hunderte hervorragende deutsche Juden auf allen Gebieten des Lebens und der Wissenschaften mit entscheidenden Leistungen beteiligt sind, wofür hier Einzelbeispiele nicht gegeben zu werden brauchen, da die Tatsachen weitgehend bekannt sein dürften. Dass diese Bemühungen um einen inneren Ausgleich zu einem wesentlichen Teil mit der Aufgabe jüdischer Werte verbunden war, ist bekannt, aber fii - die Idee dieser Symbiose keinesfalls Voraussetzung oder Notwendigkeit, wofür die vielen „strenggläubigen“ und zionistisch eingestellten Persönlichkeiten sozusagen den lebenden und lebendigen REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaefl CORRIENTES 569 T. E 49-5850 PROPIEDADES WEINSTEIN Ciudad de la Paz 1960 T. 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Wir brauchen nicht nur an einmalige und überragende Erscheinungen wie Heinrich Heine, Börne und die lange Reihe der Dichter, Schriftsteller und Gelehrten zu denken, die sich nicht nur äusserlieh der deutschen Sprache bedienten, sondern ihre Gedanken und — was noch wesentlicher in diesem Zusammenhang ist, — ihre Gefühle und Empfindungen; meisterhaft zum Ausdruck brachten, indem sie es verstanden, aus den verschiedenen Zweigen ihrer Kultur zu schöpfen. Trotz seiner Irrungen und Wirrungen war es der geniale Heine, der in der wunderbarsten Weise jüdisches Fühlen, Hoffen und Erwarten in deutsche Worte zu kleiden versiend. Jahrzehnte hindurch wurde die grosse jüdische Literatur aller Gebiete — religiösen, weltlichen, politischen oder sonstigen Charakters — in Deutschland herausgegeben, weil dort eine Atmosphäre geherrscht I hat, die eine Entfaltung je-! ner geistigen Potenzen den | Juden ermöglichte. Es ist , kein Zufall, dass die klassischen Schriften des Zionis- I mus in deutscher Sprache! erschienen sind, nicht nur j weil ihre Autoren wie etwa i Hess und HerzI zu diesem i Kultorkreis gehörten, son- | dern weil die geistigen, seelisehen und humanistischen | Voraussetzungen durch das deutsche Judentum und damit auch durch die deutsche Umwelt geschaffen worden waren. Auch Pinsker, der sich selbst als einen russischen Juden bezeichnete, schrieb seine „Autoemanzipation“, eine Schrift für die nationaljüdische Lösung der Judenfrage und gegen die Emanzipationsbest-rebungen ‘vor allem in Russland und Polen) in deutscher Sprache. weil damals hier der Schlüssel zum Eintritt in die jüdische Welt lag, dessen Hüter sozusagen das deutsche Judentum gewesen ist. Einsichtige Männer des deutschen Judentums wandten sich schon in den Anfängen der Emanzipation dagegen, den Versuch einer Symbiose durch restlose Assimilation zu stören und illusorisch zu machen. Die deutschen Antisemiten aller Schattierungen waren offene Feinde dieser Bestrebungen, die deutschen Liberalen durch ihre Forderungen nach jüdischer Selbstaufgabe trotz ihrer freundschaftlichen Haltung den Juden, nicht jedoch dem Judentum gegenüber, die ernsteren Gegner. Der zur politischen Maxime erhobene Judenhass mit seiner rassistischbiologischen Note unterbrach eine Entwicklung und zerstörte bewusst eine Verbindung, die historisch in Jahrhunderten gewachsen war Er konnte Menschen töten, er konnte Häuser vernichten und Synagogen in F'ammen aufgehen lassen. Jedoch konnte er nicht mit physischer Gewalt die geistigen Kräfte ausschalten, die von diesem deutschen Judentum als sein Eigenes und Besonderes geschaffen worden waren. Um nur noch ein Beispiel für diese Leistung des deutschen Judentums hervorzuheben, sei hier .,die Gemeinde“ als eine spezifische Organisation- und Ausdrucksform jüdischen Gemeinschaftslebens - bervorge.ioben. Hier wurde eine autonome jüdische Selbst- Verwaltung herausgebildet, die sich organisch in das allgemeine staatliche Leben eingeordnet hat, bis sie dann vom Staat — im Zuge einer allgemeinen Kommunisierung — unter seine Obhut genommen worden ist. Innerhalb dieser Gemeinden spielte sich das gesamte jüdische Leben ab. Es gab keinen jüdischen Lebensbezirk, der nicht in das gemeindliche Leben eingeschlossen war, die religiöse Betreuung, die Erziehung, die kulturelle Arbeit, Jugend- und Erwachsenenbildung. Sozialpolitik und Fürsorge. Die Jüdische Gemeinde als Lebensquelle der Judenheit war der äussere Ausdruck eines starken inneren jüdischen Lebens. Die Vorstellung von einer solchen Gemeinde (der wahren Kehilla) hatten schon die fliehenden Juden des ll. Jahrhunderts aus dem Westen in das östliche Europa getragen; ihre späten Enkel nahmen diese Auffassung von der Gemeinde mit in eine neue Welt. Deswegen war es die natürliche Folge, dass die Erben des deutschen Judentums sofort wieder begannen. Gemeinden zu bauen, die diesem echten Typus einer jüdischen Gemeinde entsprachen. Das Ziel wurde noch nicht überall erreicht, aber schwebt auch heute noch allen vor. Unter dem Einfluss dieser neuen jüdischen Gemeinschaften entwickelte sich die alte Chewra Kadiseha zur Kehilla, die zwar auch noch nicht diesem Konzept einer jüdischen Gemeinde gerecht wird, aber immerhin die Tendenz hat, der Träger des gesamten jüdischen Lebens zu werden und zu sein. Wenn wir aui die Zeit seit den Tagen des Untergangs zurückblicken, werden wir feststellen dürfen, dass sich die deutschen Juden, die ihre eigene Tragödie und Katastrophe überlebten, des Erbes würdig gezeigt haben, das an sie fiel. Es ist schwer, eine solche gewaltige Erbschaft aus langjähriger Geschichte unter völlig neuen Umständen zu verwalten und zu bewahren. Die neuen Lebensbedingungen und eine ganz andere LA SEMANA ISRAELITA Mir Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUS T. E. 76-5842 JUDITH SCHENK0LEWSK! Schabbosdecken - Tallisbeutel - Käppchen Mazzot-Taschen Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. L. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, eeq. CONDE 76.0286 73-1049 JACOB LAPIDUS Jipi. Mahal Viamonte 2037 4? B T. E. 46-1716 Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltoa. Director: Amoldo W. B. Ssrarsensky Pueyrredón 2190, 1? izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien; I 1.200.— pro Jahr Ausl. I 1.800.— jänrl. Luftpost-Abono f. d Nachbar-Republiken 10 Dollar jährlich Zeit verlangten die Aufgabe mancher Ueberiieferungen, die sich selbst überlebt hatten. Mit neuen Energien und einem ungebrochenen Willen zum jüdischen Leben haben wir als die Erben einer grandiosen Vergangenheit unsere Liebe zum Judentum, unsere Bereitschaft für unsere Gemeinden und unser Bekenntnis zu unserem Volk aus den Trümmern der November-Pogrome in eine andere Zeit, in eine neue Welt hinübergerettet, um mit allen anderen Teilen unseres Volkes für eine bessere und glücklichere Zukunft zu wirken. — CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I .Blumenfeld (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES J. E URIBURU 285 41-2331 — 2240 49-5855 M0HEL N. PLAKSIN Superí 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-821« RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG Dr. PEDRO ALFREDO K0L00ZINSKI Zahnaiz. Montag, Mittwoch, Freitag. - San Juan 30 - V. Ballester - T. E. 758-1523 Dienstag, Donnerstag, Sonnabend. - Peña 2585, 1. B T. E. 83-3437 - Höhe Pueyrredón 1800 (Cap.) BERNARDO STERN Ausführung saemtlieher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-4052 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73.8782 u. 73 6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY MEDICO CIRUJANO M. P. »288 Sarmienta 3116 T. E. 87-1362 Dr, BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — KIE¬ FERCHIRURGIE — REGELUNG DER ZAHN- STELLUNG — KIEFERORTHOPAEDIE Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERN ANDEZ 2518. T.E. 76.8673 u. 73-0500 Dr. L KLEIN - Médico MAGEN- und DARMKRANKHEITEN ROENTGEN UNTERSUCHUNGEN SPRECHSTUNDEN Montag. Dienstag, Mittwoch Q Freitag roo tf—IS Ubi Bi wird gebeten Uefa vorbei telefonisch ansumelden. 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