Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1968-11-01 · 2292 (1.11.1968) · p. [Seite 12]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2292 (1.11.1968)
Date
1968-11-01
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9616703-9616177-9616562--5450-9616574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Correo Argentino Centra' B FRANQUEO PAGADO Conces‘ón 908 tarifa reducida Concesión 1629 -- MANA ISRAELITA Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 1* DE NOVIEMBRE DE 1968 N' 2292 EL EJEMPLA e« toda la República " 30.- PUEYRREDON 2190 - O izq. Buenos Atrea T.E. 83-2613 Moerder lebt in Luxus von KURT KAISER-BLUETH Man erinnert sich gewiss noeu jener beiden dramannel'V' .E,'e,{ín,ífe des vorletztem Kriegsjaores, die iu »och biidilerer Form eme Art doppeltes westeuropäisches Lcdice dar-stellten. Es handelt si h um das fürchterliche Massaker aller Bewohner des Dorfes Oradour sur Glane im Departement der Haute Vienne in Frankreich am JO. Juni 1944 durch die Männer der SS-Division „Das Keich . die der damalige SS-General Lammerding kommandierte und die, auf den direkten Befehl ihres obersten Chefs hin Frauen, Kinder und Männer in der Dorfkiiche zusammentrieben, um sie in ihr umzubringen. Sie zündeten das Gotteshaus an. nachdem sie es vorher mit Petroleum iibergossen hatten. Diejenigen, die versuchten, dem grausamen Flammentod zu entkommen, wurden durch vor der Kirche aufgebaute Maschinengewehre beim Ausbrechen aus dem Gotteshaus niedergemäht. Diese Mord-Orgie nahm wahrhaft apokalyptische Züge an, als eine Kapelle der SS das ..Horst Wessel-Lied“ intonierte, um die Schreie der Opfer zu übertönen. Inzwischen steckte eine andere Gruppe der Lammerding- Division alle Häuser des Dorfes in Brand. Es gab drei Ueberlebende dieses fürchterlichen Gemetzels, zwei Frauen, die sich zufällig im Augenblick des Verbrechens in der Departementhauptstadt Limoges befanden und ein lSjähriger Bäckerlehrling, der sich beim Herannahen der Mörderbanden in einem Kleefeld verstecken konnte. Es gab schliesslich in gewisser Beziehung einen vierten. dem das Wunder des Zufalls das Leben rettete, dem Autor dieser Zeilen. Er befand sich in einer Mission der Resistance in Oradour und hatte aen Ort im letzten Augenblick, knapp zwei Minuten vor Ankunft der Mörderdivision ..Das Reich", verlassen. In Tülle hatte die gleiche Division „Das Reich“ gewütet. Hier sind auf direkten Befeh1 von Lammerding 99 Geiseln — Unschuldige, die man wahllos und willkürlich aus der Bevölkerung herausgegriffen hatte — auf den Balkons der Rrivathäuser öffentlich aufgehängt worden. Diese Ei mordeten waren zum Teil noch im Halbwiichsigen-AHer von 17 Jahren. Der Autor dieser Verbreche i lebt zur Zeit unangefochten in Düsseldorf. Er ist ein sehr reich gewordener Industrieller des Baugewerbes und lebt in einer luxuriösen Villa. 9 Jahre nach Kriegsende fand man endlich die Spur des Massenmörders, der wie vom Erdboden verschluckt schien, nachdem die englischen Besatzungsbehörden nach 1945 unbegreiflicherweise ein Auslieferungsbegehren der französischen Regierung zurückgewiesen hatten. Seit Jahren kämpft der Bürgermeister von Tülle, der Deputierte Jean Montalat, der der demokratisch-sozialistischen Föderation angehört, darum, dass man endlich diesen prosperierenden Unmenschen richte, der einer der grössten Verbrecher de$s 2. Weltkrieges ist. Die Straffreiheit, die Lammerding geniesst, ist umso widerwärtiger, als eine grosse Anzah* derjenigen, die Lammerding durch Befehl zum grausigen Schlachtfest in Oradour und Tülle beordert hatten, später ihr" Blutschuld mit dem Leben bezahlen mussten. Der Mann aber, dessen Schuld weit schwerer wiegt, lebt im behaglichem Komfort in der rheinischen Metropole. Jetzt hat der ehemalige Hauptkommissar der Polizei, verdienstvoller Widerstandskämpfer und ehemaliger Deportierter, Jacques Delarue, der eine überaus dokumentierte „Geschichte der Gestapo“ geschrieben hat, in einem neuen Buch „Dunkle Geschäfte und Verbrechen unter der Besetzung“ an Hand bisher unbekannter Akten die Schuld Lammerdings nachgewiesen. Der Abgeordnete Montalat hat daraufhin die französische Regierung in der Affaire Lammerding interpelliert. Der Regierungssprecher hat auf diese Interpellation folgenderniassen geantwortet: „Die Regierung teilt Ihre Erregung darüber, dass Kriegsverbrecher, die von französischen Gerichten in contumaciam verurteilt wurden, ruhig und in Freiheit in der Bundesrepublik leben können... Aber im Vertrag von Paris, der im Jahre 1954 der Bundesrepublik die Souveränität wiedergab ist vorgesehen, dass deutsche Gerichte nicht mehr die Kriegsverbrecher richten können, die bereits 'on den Alliierten abgeurteilt worden sind...“ Das beschloss man damals, wohlgemerkt, um alliierte Gerichtsentscheidungen nicht durch deutsche Gerichte desavouieren zu lassen Heute dient die ominöse Klausel dazu, dutzende und aberdutzende von braunen Schwerverbrechern, untar ihnen den Star der SS- Mörder, den General Lammerding, ungestört ihren lukrativen Geschäften nachgehen zu lassen, weil sie das in Abwesenheit“ gefällte französische Urteil, das sie nicht eine Minute Haft gekostet hat, immun gegen jedes neue Untersuchungsverfahren macht. Der Fall ding ist von einer so empörenden Unmoral, dass der „Sperrklausel“, die Regierung von P'r« v“Je““ in Bonn intervenieren will, um ein Gerichtsverfahien durchzusetzen. Inzwischen klingelt tagtäglich das Telefon in der Villa des Verbrechers, der der irdischen Gerechtigkeit mit solcher Bravour ein Schnippchen geschlagen hat. Kommt der Telefonanruf aus Paris, so wird der Hörer sogleich wieder eingehängt. Klingelt ein Reporter an der Eingangstiir der Lammerdingschen Villa und scheint sein Akzent verdächtig, so wird nicht geöffnet. Bestenfalls sagt man sauersüss: „Herr Lammerding ist verreist und das, ohne die Türe zu öffnen. Denn der Frauen- und Kinderschlächter von Oradour und der Geiseltöter von Tuile, der seinen Reichtum dazu verwendet, rechtsradi- Ist Frieden mit Transjordanien in Sicht? von ZEEV BARTH Tn den Wandelgängen der UN und in den Kolumnen politischer Kommentatoren herrscht letztens Optimismus. Unmittelbaren Anlass h'erfür boten die Rede des israelischen Aussenminislers Eban in der Plenarsitzung der UN-Vollversammlung, die Bereitschaft des UN-Botschafters Jarring zur Fortsetzung seiner Friedensbemühungen. die Anwesenheit des israelischen und des transjordanischen Aussen ministers Rifai in New York und die Beratungen. die Rifai mit König Hussein in London und Abba Eban mit der israelischen Regierung in Jerusalem führte. Obwohl die aus New York und London ausgehenden Gerüchte bereits von einem Geheim treffen zwischen Eban und Rifai wissen wollen, ist es gewiss am Platz, den Optimismus etwas zu bremsen und den diesbezüglichen israelischen Dementis zu glauben. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass König Hussein seine Londoner Rekonvaleszenz von einer Sinusitis-Operation auch zu politischen Gesprächen nützte, dass er sich sogar mit einer israelischen Persönlichkeit getroffen hatte. aber von hier bis zu einem Frieden oder nur einer realen Friedensaussicht ist der Weg noch sehr weit. Selbst w'enn es Dr. Jarring in dei nächsten Zukunft gelingen sollte, eine Aussprache zwischen Eban und Rifai zustandezubringen und damit der Weltpresse eine Sensation zu liefern, bleibt Skepsis immer noch am Platz. Es wäre dies keineswegs die erste israelischtransjordanische Fühlungnahme seit dem Sechstagekrieg. Immerhin drängt sich bei aller Skepsis dennoch die Frage auf, ob eine Aussprache zwischen den beiden Aussenministern oder gar eine ganze Reihe solcher Begegnungen eine reale Aussicht auf eine Beilegung des Konfliktes, genauer: auf einen Frieden zwischen den beiden Ländern bieten würde. Sicherlich haben die vielen Gerüchte rund um angebliche Fortschritte bei der Friedenssuche nicht nur im Ausland übertrieben optimistische Erwartungen ausgelöst, sondern auch in Israel selbst. Wiewohl man in eingeweihten politischen Kreisen genau weiss, dass nicht der geringste Grund für Illusion besteht, kann die Oeffentlichkeit nicht rechtzeitig auf die Möglichkeit einer bitteren Enttäuschung vorbereitet werden, denn jede israelische Verlautbarung über die geringen Aussichten auf eine Lösung könnte in der Welt den Eindruck erwecken, als torpediere man absichtlich die Friedensbemühungen, als fürchte man sie und lehne sie im voraus ab. Darin liegt bestimmt eine ernsthafte Gefahr. TATSACHEN UND ERWAEGUNGEN Es gebt eine Reihe von Tatsachen und wohlbegründeteil Erwägungen, die eine realistische Einschätzung der gegenwärtigen Lage und der Aussichten in der nahen Zukunft gestatten: In der UN kam der allgemeine Wunsch der Welt zum Stimm« aus Bonn Bonn. — Der westdeutsche Innenminister erklärte in einem Bericht über die Nationaldemokratische Partei (NPD), dass viele ihrer Mitglieder um die Zukunft der Partei besorgt seien. Innerhalb der NPD ist eine Stagnation eingetreten, so stellte er fest, und einige Fraktionsführer und Anhänger haben ihren Austritt vorgenommen. Nach Ansicht des Innenministers fragen sich heute viele Leute, ob sie eine Partei unterstützen sollen, die vom innen- und aussenpolitischen Standpunkt aus das Ansehen der Deutschen Bundesrepublik geschädigt hat. (ITA) Ausdruck, die von Gunnar Jarring begonnenen Versuche einer friedlichen Beilegung des Konfliktes fortzusetzen, weil es keinen Ersatz für seine Mission gibt und deren Einstellung zu einer baldigen Wiederaufnahme der Feindseligkeiten führen könnte Dr. Jarring nützte diese Stimmung, um nochmals zu versuchen, die Vertreter Israels und der Araber an einen Tisch zu bringen. Die Amerikaner, denen die Jarring-Mission sehr am Herzen liegt, veranlassten Israel zu einem Verzicht auf direkte Verhandlungen im ersten Stadium der Kontakte und üben Druck auf Transjordanien aus, um es an den Verhandlungstisch zu drängen. Diese amerikanischen Bemühungen stehen im Einklang zu dem Wunsch gewisser transjordanischer Kreise, zu irgendeinem Arrangement mit Israel zu gelangen, um eine Machtübernahme durch die Linksopposition der Palästinenser zu verhindern und dem Eindringen sowjetischen Einflusses auch in Transjordanien den Riegel vorzuschieben. Der Wunsch Husseins, zu irgendeinem Abkommen mit Israel zu gelangen, hat allerdings bisher keinen offiziellen Ausdruck gefunden, nachdem Nasser bereits im vorigen Jahre den König zurückgepfiffen hatte und sich seither weigerte, ihm die Zustimmung zu eitlem Separatfrieden zu erteilen. Hussein fühlte aber letztens die Gefahr für seinen Thron und wandte sich daraufhin an andere Teilnehmer der Korferenz von Khartum mit der Bitte um Zustimmung zu einer Kontaktnahme mit Israel. Insgeheim erhielt er eine solche Zustimmung von den antinasseristischen arabischen Staaten, wie Saudien, Kuweit, Libyen. Marokko und Tunesien, die ebenfalls die Ueberhandnahrr.e des sowjetischen Einflusses fürchten. Es scheint, dass die USA und England dem König ebenfalls ihren Schutz zusicherten, falls er wegen Friedensverhandlungen mit Israel in Konflikt mit der inneren Opposition oder mit Nasser geraten sollte. Dies machte Hussein geneigt, ein Risiko einzugehen, in der Hoffnung, dass er neben dem westlichen Schutz auch noch ernsthafte israelische Verzichte erreichen werde, die er als einen Erfolg ausspielen könnte. Aber die von Hussein geforderten Verzichte sind für Israel ein zu hoher Preis für ein Abkommen mit dem König auf dem wackelnden Thron. Hussein ist zu geringfügigen Grenzkorrekturen zu Gunsten Israels bereit, wenn ihm der Grossteil des Westufergebietes zurückgegeben wird. Er würde Israel die Klagemauer, das Judenviertel und vielleicht noch ein paar Strassen Ostjerusalems konzedieren, behauptet aber, auf die Altstadt nicht verzichten zu können, denn hier handelt es sich um eine allmoslemische Angelegenheit und er könne deshalb nicht Jerusalem völlig der israelischen Souveränität unterstellen. Die Frage von Jerusalem ist von solch grundlegender Bedeutung, dass sie allein jedes Abkommen zunichte machen könnte. Das wissen die Amerikaner und Engländer und sie versuchen irgendeine Lösung zu finden, die zwar Jerusalem in israelischen Händen beliesse (sie wissen, dass Israel hier keinen Verzicht leisten würde), die moslemischen heiligen Stätten aber dem Patronat Husseins unterstellen würde. Ausgehverbot aufgehoben Tel Aviv. — Die Militärbehörden in dem besetzten Gaza-Streifen haben das nächtliche Ausgehverbot in der Stadt Gaza aufgehoben, das nur noch für den nördlichen Teil des Streifens gilt. Ein Grund für diese Massnahme wurde nicht angegeben, doch man nimmt an, dass die arabischen Notabein der Stadt sich verpflichtet haben, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, nachdem sie gegen die kollektive Bestrafung für individuelle Attentate protestiert hatten. (JCNS) Der Diskussion über die Kreditwürdigkeit Husseins als Friedenspartner haben die Amerikaner eu» Ende bereitet, indem sie sich zu einer Garantie des mit Transjordanien getroffeneo Abkommens bereit erklärten. Andererseits akzeptierten die Amerikaner das israelische Argument, man könne mit Transjordanien in dessen gegenwärtiger Lage keine ernsthaften Gespräche führen, solange die praktische Herrschaft im Lande in den Händen der Terroristen liege. Darauf sind die noch sehr zaghaften Versuche Husseins zurückzuführen, die Bewegungsfreiheit der Terroristen einzuschränken. Solange Hussein nicht praktisch seine Fähigkeit bewiesen hatte, mit den Terroristen aufzuräumen, ist er als dubioser Verhandlungspartner zu betrachten. Schliesslich ist aber Hussein auch nicht bereit, im gegenwärtigen Stadium einen Friedensvertrag mit Israel zu unterzeichnen; was er anstrebt ist eine „politische Regelung“, ein Friedensvertrag de facto. Er will die USA veranlassen, auf Israel Druck ausxuübeu, um es von der Forderung auf einen Friedensvertrag de jure abzubringen. Tatsächlich neigen die Amerikaner dazu, Israel überzeugen zu wollen, dass ein de facto-Friedensvertrag eine gute Basis darstellen würde für einen späteren de jure- Vertrag. Washington stellt sich eine Regelung vor, wie sie zwischen den USA und Deutschland, bzw. den USA und Japan besteht, mit denen bisher ebenfalls keine Friedensverträge unterzeichnet wurden. Entlassung New York. — John F. Hatchett, der Negererzieher, dessen Berufung an die Universität von New York zahlreiche Proteste auslöste, weil er geschrieben hatte, dass die schwarzen Lehrer von „negerfeindlichen jüdischen Lehrern und schwarzen Briten geistig vergiftet werden“, ist seines Amtes enthoben worden, jedoch nicht weil er Antisemit, ist. Seine Entlassung erfolgte nach einer Ansprache an die Studenten, in der er die Präsidentschafts - Kandidaten Humphrey und Nixon als „elende Rassenhetzer“ bezeichnete. (JCNS) Berufung nach Stockholm Stockholm. - Die Stockholmer Universität hat angekündigt, dass Prof. Eduard Goldstücker, der bis zur sowjetischen Invasion der Tschechoslowakei Dekan der Universität von Prag war und inzwischen die CSR verliess, die Einladung angenommen hat, als Gastprofessor für Deutsch zu wirken. Er wird sein neues Amt im Herbst 1969 an treten, wenn sein Vertrag mit der Universität von Sussex abläuft, an der er gegenwärtig lehrt. (ITA) kale Organisationen zu finanzieren und Waffen-SS-Vereinigungen hilfreich unter die Arme zu greifen, hat Angst davor, „gekidnappt“ zu werden. N'Cht, dass ihm die verbrannten Kinder von Oradour oder die Gehenkten von Tülle auf die Seele drücken würden. Der SS-General ausser Dienst, der sich so bequem in seiner fürchterlichen Blutschuld installiert hat, dürfte kaum zu denjenigen gehören, denen die Skrupel den Schlaf rauben. Aber die Angst dürfte es sein, die bleiche Angst des schlechten Gewissens, die ihn so vorsichtig macht... Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de 1« Propiedad Intellectual N» 980 562

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.