Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2291 (25.10.1968)
- Date
- 1968-10-25
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O CÛ o c - FRANQUEO PAGADO Conces'ón 908 «- c 2 *r <u .9 o» c O i- < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Ano XXIX BUENOS AIIRES, VIERNES 25 DE OCTUBRE DE 1968 N* 2291 EL EJEMPLAR en toda la República 30.- PUEYRREDO.N 2190 - 1» Izq. Buenos Aires T.E. 83-2613 Butter statt Sprengst off V-o^ufid1 Spiele. CschenSkten I VOU ZEEV BARTH j rückkehren, ist eine mas- „Panem et circenses1 Brot und Spiele, schenkten die römischen Cäsaren ihrem Volk. Sicherheitsminister Mosche Dajan hat die Spiele bisher auf ein „Requiem“ in Bethlehem beschränkt, aber für Brot zu sorgen ist er entschlossen. Auf seinen jüngsten Hubschrauber-Besuchen in Jahuda und Sehomron, in Gaza und Nordsinai, brachte er den Bürgermeistern und anderen Notabein die Kunde von der neuen Phase israelischer ..Besatzungspolitik’: da sich die politische Lage in absehbarer Zeit kaum ändern werde, fühlt sich die Militärverwaltung für das Wohlergehen der von ihr regierten Bevölkerung verantwortlich. Sie ist entschlossen für eine Hebung des Lebenssiandardes, für deren stufenweise Angleichung an den Lebensstandard in Israel zu sorgen, für Vollbeschäftigung und wirtschaftliches Wohlergehen. für weitgehende Selbstverwaltung, für freie Meinungsäusserung,. aber zugleich auch für Sicherheit und Ordnung, für Verhinderung von Subversion und Terror. Die Politik Dajans, von der ausländischen Presse als die „müdeste“ und die „aussergewöhnlichste“ Besatzungspolitik aller Zeiten gefeiert, hat gewiss etwas an sich Sie geht von der Voraussetzung aus, dass je besser es der palästinensischen Bevölkerung gehen wird, je mehr sie zu verlieren hat, umso weniger dürfte sie geneigt sein, durch Unterstüt zung von Terror und Bandenwesen die Errungenschaften aufs Spiel zu set- . zen. Dabei ist nicht nur von wirtschaftlichen Vorzügen die Rede, sondern auch von einer Art bürgerlicher Freiheiten. Die Ausgehsperre in Jehuda und Sehomron wurde mit ganz wenigen Ausnahmen im Grenzgebiet mittlerweile völlig aufgehoben. Eine terroristische Betätigung war trotzdem nicht zu verzeichnen. Die Schlussfolgerung, die man daraus ziehen kann; die palästinensische Bevölkerung weiss, dass geringste Anzeichen einer Verschlechterung der Sicherheitslage mit einer Wiedereinführung der Ausgehsperre, keineswegs aber mit einem Zusammenbruch der israelischen Besatzungsmacht verbunden wäre und deshalb ist es vernünftiger, die eingeräumlen Freiheiten zu gemessen, statt sich auf Eskapaden einzulassen, die gefährlich sind und nutzlos. Kein vernünftiger Mensch gibt sich der Illusion hin, dass sich die palästinensische Bevölkerung durch wirtschaftliche „kaufen“ lässt Mit wirtschaftlichen Vorteilen hat die zionistische Bewegung dreissig Jahre lang den Arabern Palästinas das Einverständnis zur jüdischen Kolonisation und die Kooperation mit dem Jischuw „abzukaufen“ versucht. Es stellte sich aber heraus, dass man einzelne Nationalisten kaufen kann, nicht aber eine nationale Bewegung durch Gewährung wirtschaftlicher Vorzüge abzulösen vermag. Das war weder den Juden gelungen, noch ist es den Südafrikanern oder weissen Rhodesiern gelungen, die der einheimischen Negerbevölkerung ja ebenfalls wirtschaftlich und zivilisatorisch weit mehr zu bieten haben, als unabhängige afrikanische Regierungen. Darüber hinaus sind ausgerechnet jene Männer in der arabischen Bevölkerung Pailästinas, die politisch mitzureden haben, am allerwenigsten auf die von Israel gebotenen wirtschaftlichen Vorteile angewiesen. Auch in Bezug auf eine Angieichung des Lebensstandards dürfte es sich vorderhand um Zukunftsmusik handeln. Schliesslich wurde bis zum heutigen Tage sogar in Israel selbst, innerhalb der Grenzen vom 4. Juni, keine Angleichung des Lebensstandards zwischen allen Bevölkerungsschichten erreicht. Und wenn damit auch nur die Angleichung des Lebensstandards an denjenigen der israelischen Araber gemeint ist, heisst es die Produktivität der palästinensischen Bevölkerung auf das Niveau der israelischen Araber zu heben, die wirtschaftlichen Bedingungen in Jehuda. Sehomron, Gaza oder Nordsinai zu verändern, bevor ein so bedeutendes Ziel erreicht werden kann. Aber man kann andererseits auch die Tatsache nicht ignorieren, dass Tausende Araber aus Jehuda und Sehomron mittlerweile in Israel Arbeitsplätze gefunden haben und dass ihre Zahl stetig wächst. Offiziell w-ren zunächst nur 1-500 Arbeitslose aus den Gegenden von Hebron und Nablus als „Fremdarbeiter“ Vorteile zugelassen. Aber diese Zahl wurde längst überschritten EINE STIMME AUS FRANKREICH Paris. — Marcel Dassault, dessen Fabrik die ,,Mirage“-Flugzeuge herstellt, welche das Rückgrat der israelischen Luftwaffe bilden, erklärte in einer Pressekonferenz, dass der Verkauf dei 50 Mirage- Jets von General de Gaulle im vergangenen Jahr verboten wurde, „weil diese Maschinen Angriffszwecken dienen“. Israel hat diese Flugzeuge in Frankreich bestellt und bezahlt, die schliesslich nicht geliefert worden sind. Dassault fügte hinzu, dass Israel, falls es sich einmal in Gefahr befinden sollte, die 50 Flugzeuge erhalten würde, so wie es seit dem Juni 1967 von den Franzosen „alle zu seiner Verteidigung notwendigen Waffen“ bekommen nabe. Dassault, der ein Vertrauter de Gaulles ist, zählte u a. „Helikopter und andere Flugapparate, elektronische Ausrüstungen und wahrscheinlich auch Tanks“ auf. Marcel Dassault dementierte die Gerüchte, dass Frankreich den Irakern Mirage-Jets liefern würde. Er äusserte, Irak könne solche Flugzeuge viel billiger bekommen, wenn es sowjetische MIG-Maschinen kauft, und ausserdem wäre ein solcher Verkauf ourch Frankreich „unangebracht, da Israel für diese Apparate Priorität besitzt“. (ITA) Luftschlacht Jerusalem — Ein israelischer Sprecher teilte mit. dass bei einer Luftschlacht über Ismalia am Suezkanal zwei ägyptische MIG-Flugzeuge sowjetischer Fabrikation in den israelischen Luftraum eindrangen und vertrieben wurden. „Alle unsere Flugzeuge kehrten unversehrt zurück“, fügte der Sprecher hinzu. Radio Kairo hatte gemeldet, dass bei diesem Zusammenstoss in der Luft zwei israelische Flugzeuge abgeschossen worden seien. Ein anderes israelisches Communique berichtete von einem weiteren Zwischenfall, der sieh südlich der Allenby-Brücke über den Jordan ereignete. Dort kam es zu einem Feuerwechsel, als transjordanische Truppen eine israelische Patrouille unter Beschuss nahmen. und dabei beabsichtigt die Militärverwaltung, allein in Jehuda und Sehomron sechs neue Arbeitsämter einzurichten. Da innerhalb dieser Gebiete für die bei Strassenbau und sonstigen initiierten Arbeiten beschäftigten 3.000 bis 4 000 Taglöhner kaum neue Arbeitsstätten aufzutreiben sind, dürfte es Aufgabe dieser Arbeitsämter sein, die Arbeitslosen in Israel zu beschäftigen. Obwohl diese Arbeiter abends jeweils in ihre Dörfer und Städte zuriiekkehreu, ist eine massenweise Beschäftigung von palästinensischen Arbeitslosen in der israelischen Wirtschaft gewiss auch ein Schritt auf dem Wege zur Integration dieses Gebietes. Unabhängig davon, ob die Militärverwaltung dabei auch an die psychologischen Auswirkungen denkt, sie können nich. ausblei'ben: die ungelernten Bauarbeiter aus Ostjerusalem und Bethlehem, die heute in Westjerusalem arbeiten, verdienen das Drei- oder gar Vierfache dessen, was sie einst verdient haben; sie lernen neue Arbeitsmethoden; sie lernen aber auch Israelis kennen, was zum Abbau von Hass und Vorurteilen beiträgt. Die Beschäftigung von Arbeitern aus Sehomron und Jehuda in Israel führt auch indirekt zu einer Hebung des Lebensstandards; denn die Arbeiter daheim wissen Bescheid über dio in Israel gezahlten Löhne und wenn sie nicht ähnliche erhalten, ziehen sie es vor, in Israel zu arbeiten. Diese Vorteile bleiben kein Privileg der „bodenständigen“ Bevölkerung. Die Flüchtlinge in den Lagern haben es längst gelernt, in Israel zu arbeiten, gut zu verdienen und dabei die UNRWA-Rationen und Dienste zu beanspruchen. Eine Untersuchung, die kürzlich in dem Flüchtlingslager Jelasun bei Ramalla vorgenommen wurde, ergab, dass die Rationen und sonstige Vergünstigungen nur zehn Prozent von den Gesamteinnahmen einer durchschnittlichen Flüchtlingsfamilie ausmachen. Die „Butter statt Sprengstoff“ - Politik ißt gewiss nicht Anlass genug, die Israelis zu lieben und sie Hussein vorzuziehen. Aber das ist ja auch nicht Zweck dieser Politik. Diesen hat säe erfüllt, wenn das Leben in den besetzten Gebieten den Einwohnern lebenswert genug erscheint, um es nicht durch antiisraelische Terroraktivität aufs Spiel zu setzen. AUS ALLER WELT Sowjetscbiffc im Mittelmeer London. — „Daily Telegraph“ berichtet aus Ankara, dass vor einigen Tagen ein sowjetischer Kreuzer mit einer Ladung ferngelenkter Geschosse den Bosporus passierte, womit die Zahl der im Mittelmeer befindlichen russischen Kriegsschiffe auf insgesamt 54 gestiegen ist. Vor kurzem fuhr der russische Flugzeugträger Moskwa mit für den Truppentransport bestimmten Helikoptern in das Mittelländische Meer ein. Der gleichen Information zufolge sind zahlreiche sowjetische Offiziere und Techniker der Marine auf dem Luftweg in Kairo und Damaskus eingetroffen, die vermutlich die militärischen Einheiten der Russen verstärken sollen, welche schon iu den für die sowjetische Flotte bestimmten Installationen in ägyptischen und syrischen Häfen arbeiten. (ITA) Tot aufgefunden London. — Matitiahu Sharon, der in der Presseabteilung der Israel-Botschaft in London beamtet war, wurde mit einer tödlichen Schusswunde in seiner Wohnung aufgefunden. Neben der Leiche lag ein Revolver. Spuren von Gewalt waren nicht zu sehen. Der 42jährige Sharon, Major der Israel-Armee, war mit der Sekretärin des israelischen Generalkonsuls, Varda FodoL einer Sabra verheiratet. (ITA) Simchat Thora in Moskau London. — Etwa 12.000 russische Juden, zumeist junge Menschen, tanzten und sangen an Simchat Tho- Wahnsinn als Methode von SEM FRANKENSTEIN Starke Indizien deuten darauf, dass die Verlagerung der Diskussion über die NPD und deren Bedeutung aus der Frontlinie der öffentlichen Diskussion einem taktischen plan der Interessierten entspricht, die andere Themen in den Vordergrund rücken wollen. Der Hinweis auf den Stimmenverlust in Niedersachsen, der strittig ist, soll als Beruhigung dafür dienen, dass man die Rechtsradikalen nichts zu ernst zu nehmen hat, die sich dann —* aus dem Blickfeld der Auseinandersetzungen gerückt — ungestört ihrer weiteren Vorbereitung widmen können. Es ist auch schwer, von einer einheitlichen Linie der Rechtsradikalen zu sprechen, da ihre Meinungen weit auseinandergehen und ihre Publikationen erhebliche Unterschiede aufweisen. Die wichtigste Zeitung der rechtsradikalen Richtung ist die National-Zeitung, von der man nicht sagen kann, dass sie den Standpunkt einer Partei, einer Gruppe oder einer bestimmten sozialen Schicht wiedergibt, die vielmehr Elemente aus allen Lagern aller Unzufriedenen in sich aufnimmt und deswegen eine starke Resonanz haben muss. Die von diesen Gruppen und Einzelgängern vertretenen Auffassungen lassen weder einen Grundgedanken noch ein System erkennen. Das Wesentliche an dieser Publikatidh bleibt das Sensationelle, Mit Schlagzeilen will man die Menschen fangen, ihre Aufmerksamkeit erregen und sie zu Lesern und Mitläufern machen. „Die sowjetischen Nazis“, ist eine der vielen marktschreierischen, aber sinnlosen Ueberschriften. Und dann finden wir die Verteidigung der, deutschen Besetzung des .Sudetenlandes, die dem Recht entsprach, mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker im Einklang stand und ein Akt der Wiedergutmachung war. Betrachtet man diese drei Gesichtspunkte, so wird man finden, wie Vergangenes mit Gegenwärtigem vermischt wird, um durch Irreführung der Meinungen die bestehende Ungewissheit zu erhöhen. Welche Völker im übrigen ihr Selbstbestimmungsrecht vor der Usurpation des Sudetenlandes durch die Nazis ausgeübt hätten, wird versehwiegen, denn man hatte niemanden gefragt... Im Gegensatz zu der „gerechten Einverleibung des Sudetenlandes“ in der Interpretation der Nationalzeitung steht die Okkupation der „tschechisch besiedelten Teile Böhmens und Mährens“. Das war Imperialismus und Völkerrechtsbruch, schreibt die Nationalzeitung, die es vermeidet, sich bedingungslos auf die Seite der alten Nazis zu stellen. Sie nimmt auch in manchen Fragen einen eigenwilligen, jedenfalls nicht typisch nazistischen Standpunkt ein, sie wettert gegen die „sowjetischen“ und sogar gegen die „israelischen“ Nazis und tut im übrigen alles, um die Verwirrung der Geister durch ihren eigenen Wirrwär zu erhöhen. „Sowjetregime bleibt Mörderbande“ heisst es an einer anderen Stelle. Im üblichen Ton und Stil werden die tschechischen Freiheitskämpfer gefeiert, im nächsten Satz werden die Tschechen wieder beschimpft, weil sie die Deutschen nach dem Krieg schlecht behandelt haben würden... Eine deutsche Frau, Nachrichtenhelierin in Prag, schreibt einen weinerlichen Artikel, in welchem sie schildert, dass man mit verschiedenen Frauen nicht sehr höflich umgegangen sei und sie zur Arbeit gezwungen habe. Als sie des Abends nach diesem einem Arbeitetag mit erhobenen Händen wieder ins Lazarett zurückgetrieben wurden, haben die „deutschen Aerzte, die noch da waren, geweint, als sie uns in diesem Zustand sahen“... Man wird an gewidert, wenn man dies liest. Das schreiben Leute, die vielleicht selbst, sonst ohne Zweifel ihre Landsleute an dem ekelhaftesten Verbrechen -der Weltgeschichte beteiligt waren, an Auschwitz und Theresienstadt, an Treblinka und all den anderen Lagern, in denen Menschen gemordet und Frauen zu Versuchsobjekten gemacht worden sind... von deutschen merzten ,. Wir können diese Methode der Geschiehtsverdrehung nur als widerlich bezeichnen. ra vor der Grossen Synagoge in Moskau, während ca. 2000 Juden dem Gottesdienst beiwohnten. Simchat Thora ist eine der wenigen Gelegenheiten, an denen die Sowjetbehörden den Juden erlauben, das Fest in den Strassen zu feiern. (ITA) Kain« zusätzlichen Examen Haifa. — Absolventen des haifaer Technions -können in Zukunft ohne zusätzliche Prüfungen Mitglieder der englischen Gesellschaft (Ser, Chemie-Ingenieure werden, wie Prof. William Resnik, dem Dekan der Fakultät für Chemie-Ingenieurwesen des Technions, mitgeteilt worden ist. Die englischen Gesellschaften für andere Spezialitäten des Ingenieurwesens haben schon seit einigen Jahren Absolventen der haifaer Hochschule ohne zusätzliche Examen als Mitglieder akzeptiert. (JCNS) Araber besuchen Israel Tel Aviv. — Während des letzten Sommers haben 15.304 Bürger arabischer Länder die besetzten Gebiete besucht und Gebrauch von den Erleichterungen gemacht, die Israel Arabern gewährt, die ihre dort lebenden Verwandten widdersehen wollen. Hunderte Araber, darunter etwa 200 Studenten arabischer Universitäten, unternahmen Rundreisen durch Israel. (JCNS) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 851 Registro de la Propiedad Intellectual N* 980 568