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Jüdische Wochenschau · 1968-10-04 · 2288 (4.10.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2288 (4.10.1968)
Date
1968-10-04
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE nnm PUEYRREDON 2190 — 19 izq. Año XXXIX BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE OCTUBRE DE 1968 T. E. 83 - 261L N* 2288 Die Kette der Generationen Die grandiose Idee, einen Tag. vom Abend bis zum nächsten Abend, der Selbstbesinnung zu weihen, um dadurch den Hauch der Ewigkeit zu spüren, um sich mit sich selbst auszusöhnen, sollte von allen Juden und darüber hinaus von allen Menschen angenommen und durchgeführt werden. Für den ,.religiösen“ Juden liegt hierin keine eigene Problematik. Für den „traditionellen“ Juden, der aus Gründen der Pietät oder anderen Motiven diesen Tag beachtet, sind keine besonderen Hindernisse gegeben. Die menschlichen Schwierigkeiten beginnen bei denen, die sich vom Kern des Judentums und seinen Grundvorstellungen gelöst haben, wie dies vielfach und vor allem bei weiten Kreisen der Jugend beobachtet werden muss. In langen Jahrhunderten unseres Volkslebens war eine Problematik dieser Art völlig unbekannt. Niemand stellte die Frage: Was oder wer ist ein Jude? oder Was Ist das Wesen des Judentums? Alles war selbstverständlich: Judes ein und Judentum, jüdische Existenz und jüdische Glaubens Vorstellung, jüdisches Sein und jüdisches Ziel. Vergangenheit und Zukunft griffen in einer jüdischen Gegenwart harmonisch ineinander, von Geschlecht zu Geschlecht. Es waren die äusseren Lebenbedingungen, die eine Aenderung der allgemeinen jüdischen Position mit sich brachten und die allmählich zu einer Lockerung der Beziehungen führten, die der Jude zu den Grundvoraussetzungen seiner eigenen Existenz besass. In den jüdischen Alltag drang ein anderer Alltag ein, der seiner Umgebung, der einer nichtjüdischen Welt, die anderen Gesetzen folgte als denen, die der Jude bisher ausschliesslich anerkannt und für sich als wirksam betrachtet hatte. Mit dem Zeitalter der Emanzipation und der Gleichberechtigung gaben die Juden — die einen langsam, die anderen sehr schnell — wesentliche Teile ihres bisherigen Lebens und Lebensgesetzes auf. Wir haben diese Strömungen von JEHUDA GOTTHFAMER und geistigen Entwicklungen hier nicht zu kritisieren oder zu bewerten, sondern als historische Tatsachen hinzunehmen und in den Kreis unserer Ueberlegungen einzubeziehen. Wir können, wenn wir es wollen, den Versuch unternehmen, an die Ausgangspunkte unserer geschichtlichen Existenz zurückzukehren, düngen und des Glaubens die Vernunft. Die Grenzen dieser Tendenz kamen jedoch bald dadurch zum Ausdruck, dass man von einer „Religion der Vernunft“ sprach. Der Glauben an die VeTnunft sollte den Glauben an Gott verdrängen. Der Jude erkannte jedoch sehr schnell, dass durch die „Religion“ der Vernunft sich d'eses, dem wir unausrodbar eingepflanzt, die wichtigste Realität für unsere Existenz überhaupt ist“ (Max Wiener, Religion in dieser Zeit). So individuell ein Gebet auch ist, es wird in der Gemeinde gesprochen (Min. jan); so bedeutend der einzelne Mensch auch sein mag, er wird erst in der Gemeinschaft und durch diese zu einer Persönlichkeit. Von dieser Position aus TA tht % „Du sollst dem Hungrigen Dein Brot brechen!!" (Aus der Haitara zu Jom Kip pur): Israelische und afrikanische Studenten in Lud beim Verladen von Le bensmitteln und Medikanten für die hungernden Kinder in Biafra, aber wir werden weder das durch die Einflüsse anderer Kulturen oder Weltanschauungen bedingte eigene Geschichtsbewusstsein ändern noch die inzwischen erlangiangten Erkenntnisse auslöschen. Zwei geistige Richtungen haben einen besonderen Einfluss auf die Juden ausgeübt, die ihnen in dieser Form bisher nicht bekannt waren: der Rationalismus nud der Individualismus. Der Rationalismus stellte an die Stelle der Empfin- Eshkols Antwort an U Thant Jerusalem. — Eshkoi berichtigte in seinen Ausführungen zur internationalen Lage drei Behauptungen, welche Generalsekretär U Thant in seinem Bericht an die UN-Generalversammlung aufgestellt hat. Der Ministerpräsident kritisierte die Darstellung U Thants im Kabinett in seiner Eigenschaft als stellvertretender Aussenminister, da Abba Eban sich nach New York begeben hat, um die Führung der israelischen Delegation vor den Vereinten Nationen zu übernehmen. Levi Eshkoi bezeichnte den Hinweis U Thants als unrichtig, dass die 1949 in Rhodus geführten Verhandlungen zwischen Israel und den arabischen Ländern indirekt begonnen hätten. Ebenso falsch sei die Beschuldigung, dase Israel die Bemühungen des UN- Schlichters Dr. Jarring durch sein Verlangen nach direkten Verhandlungen behindern würde. Und drittens entspreche die Bemerkung u Thants, dass immer mit Zwischenfallen zu rechnen sei, wenn ein Besatzungsregime besteht, keineswegs den Gegebenheiten da die Zwischenfälle nicht von der Bevölkerung verursacht werden sondern ihre Urheber die Regierungen von jenseits der Grenzen sind. Er fügte hinzu, der Generalsekretär sollte imstande sein, zwischen dem Werk anderer Regierungen und Widerstandsbewegungen unterscheiden zu können. (ITA) bereits die Schranken aufzeigten, die der Vernunft und der menschlichen Erkenntnis gesetzt waren. Vernunft und Glauben schliessen sich im übrigen nicht aus, jedenfalls nicht im Judentum, wovon die grossen jüdischen Denker und unser Schrifttum ein beredtes Zeugnis ablegen. Ernstere Wirkungen hatte der Individualismus, der als eine Reaktion auf die transzendentale Bedeutung aufzufassen ist, die innerhalb der alten jüdischen Gesellschaftsordnung der Gemeinschaft als solcher zukommt. Allmählich setzte sich im Zeitalter dieses liberalen Individualismus die Erkenntnis durch, dass die Isolierung des Einzelnen ein „atoirlsiertes Dasein, eine Existenz ohne die Tiefe und den Zusammenhang seelischer Wirklichkeit“ bedeutet, wie dies ein jüdischer Religions- Philosoph unserer Zeit ausgedrückt hat. Er meinte, dass hier der Punkt sei, — jedenfalls für die jüdischen Individualisten, die diesen Zusammenhang verloren hatten, — wo wir über ein Jahrhundert hinweg am Dasein der Früheren wieder anzukmipfen haben. Zu dieser Erkenntnis kam er im Angesicht dessen, was das deutshe Judentum während des Dritten Reiches erlebt hat. Wir wissen heute wieder, was einigen Generationen in Vergessenheit geraten war, dass es für uns ein jüdisches Schicksal gibt und dass schreitet der Jude ins Neu Jahr. Nach dem einen Ta; den er ganz mit sich in dt Gemeinde verbringt, begini wieder der Alltag, der L< benskampf. Wenige Tag später begehen wird da Sukkot-Fest, Laubhüttenfes „Das „Fest der Einsamnr lung“, das jüdische Ernt< dankfest, das in geschieh licher Hinsicht an die Zei der Wüstenwanderung Is raels erinnert. Der Vei gleich zwischen der ferne] Vergangenheit und den Heute drängt sich auf Wieder durchschreitet di< Menschheit eine Zeit de; Neuwerdung, der Umgestal tung, der Wandlung. De; Weg durch die Wüste soll ei ne Läuterung und Klärung bringen. Aus dem wandern den Volk soll ein Volk dei Sesshaften werden, in de nen das Gesetz gelten soll das wir in der Wüste erhal ten haben. Manchem mag solche Symbolik nichts bedeuten, weil er den Fortschritt nicht erblickt. Wir können diese Auffassung, die einer Verzweiglung und Hoffnungslosigkei! entspringt, nicht, teilen. Der Weg der Menschheit zum Fortschritt ist ein sehr langer und dornenreicher Weg, in dem immer wieder neue Hindernisse auftreten, die von den Menschen bereitet werden. Unsere Aufgabe besteht gerade darin, diesen Kampf ums Recht und um die Zukunft weiterzutragen, bis doch eines Tages die Einsicht des Menschen seine Leidenschaften mei Erldaerung der DAIA In einer ausserordentlicher. Sitzung, an der die Zweigstellen der DAIA aus dem ganzen Land teilnahmen, um über die allgemein bekannten ernsten Vorkommnisse zu beraten, welche in einer Reihe von Angriffen gipfelten — u. a. die Entweihung des Jüdischen Friedhofes und das Terror-Attentat gegen das Centro Sionista in Rosario hat die DAIA folgendes beschlossen: 1. Für Sonntag, den 6. Oktober, die Führer aller jüdischen Gemeinden des Landes einzubei ufen, damit sie in Versammlungen über das alarmierende Anwachsen der antisemitischen Kampagne beraten. 2 Neuerlich die Behörden auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die Herde zu beseitigen, die offen und immer wieder zu Hass und Aggression gegen die jüdische Gemeinschaft mithilfe zahlreicher und verleumderischer nazistischer Publikationen aufreizen. 3. Der Empörung Ausdruck zu verleihen, welche das Attentat gegen die Ausstellung „Israel 1968“ verursacht hat, das schon von den angesehensten Persönlichkeiten und Sektoren der öffent'ichen Meinung des Landes verurteilt wurde, dessen Regierung und Volk enge Bat.de der Freundschaft mit dem Staat Israel unterhalten. 4. Festzustellen. dass sowohl die vor dem vandalischen Brand verübten wie die gleichzeitig und später gemeldeten Terrorakte auf das unbestreitbare Vorhandensein eines Attentats hinweisen, das vor der öffentlichen Meinung nicht verheimlicht werden kann noch darf. 5. Erneut die Dringlichkeit zu betonen, jene Faktoren radikal auszumerzen, die den Antisemitismus als Instrument zur sozialen Unruhe benutzen. Nur so kann dem Versprechen des Innenminister.-- für einen sozialen Frieden Wirksamkeit verliehen werden und die Botschaft des Präsidenten anlässlich des Neuen jüdischen Jahres ungetrübt Bedeutung erhalten. LOS DERECHOS HUMANOS Y LA PAZ Santiago. Chile. — “La lucha por la eficaz aplicación de los derechos humanos es, en último análisis, una lucha por la paz”, expresó aquí, en un acto del Año de Derechos Humanos efectuado en la Universidad de Chile, el Dr. Nathan Lernet-, director de la sección israelí del Congreso Judío Mundial y catedrático de la Universidad Americana de Jerusalem. — El estudioso, quien vino a Santiago por invitación de la Colectividad Israelita después de participar en una Conferencia en Buenos Aires de la Asociación de Derecho Internacional, explicó su tesis en esta forma: “En el mundo de hoy, dividido por ideologías, a fin y al cabo la gran controversia es sobre el papel del individuo y del grupo en la sociedad. De ahí que la vigencia de los derechos humanos sea tan importante para la paz como para la firma de convenciones sobre desarme u otras semejantes.“ El Dr. Lerner disertó asimismo ante la juventud y en un acto del Círculo Israelita. Su tema fué “El puebi" judío y la actualiad internacional.“ — (OJI) Menschenrechte und Frieden Santiago de Chile. — „Der Kampf für die wirksame Anwendung der Menschenrechte ist letzten Ende ein Kampf für den Frieden“, erklärte hier auf einer Kundgebung für das Jahr der Menschenrechte in der Universität von Chile Dr. Nathan Lerner, der Direktor der israelischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses und Professor der Amerikanischen Universität von Jerusalem. Der Gelehrte, welcher nach seiner Teilnahme an einer Konferenz der Gesellschaft für Internationales Recht in Buenos Aires auf Einladung der jüdischen Gemeinschaft nach Santiago kam, begründete seine Behauptung folgendermassen: „In der Welt von heute, die durch Ideologien geteilt ist, bewegt sich die grosse Auseinandersetzung schliesslich um die Rolle des Einzelnen und der Gruppe in der Gesellschaft. Daraus folgt, dass die Gültigkeit der Menschenrechte für den Frieden ebenso wichtig ist wie die Unterzeichnung von Konventionen über Abrüstung oder andere Abkommen.“ Dr. Lerner sprach vor der Jugend und auf einer Veranstaltung des „Círculo Israelita“. Sein Thema war „Das jüdische Volk und die internationale Gegenwart.“ (OJI) stert. Dass sich vieles im Laufe der Zeiten wiederholt, mag der Fall sein. Aber stellt nicht der Wechsel der Generationen auch eine Wiederholung, von Geburt zum Tod, und von neuem Leben „um alten Sterben dar? Finden wir diesen Kreislauf nicht auch in der Natur, von Jahr zu Jahr, der dem Kreislauf des menschlichen Seins entspricht, von Geschlecht zu Geschlecht? Wie es in der Natur keine Ruhepausen gibt, wie Wasser und Erde in ständiger Unruhe und in stetem Wechsel sind, So gibt es auch im Leben der Völker keine Ruhepause. Das, warum wir gestern gekämpft haben und was wir heute erringen, müssen wir morgen verteidigen oder durch ein Neues ersetzen. Das ist unsere Pflicht und unsere Aufga'be. Stillstand bedeutet Untergang. Diese harte Notwendigkeit, errungene Rechte zu schützen und zu verteidigen, haben die Juden zu allen . Zeiten kennen gelernt. Die Ergebnisse ihrer Bemühungen waren recht unterschiedlich. Ihr Schicksal war jedoch stets ein gemeinsames, so grosse Differenzierungen auch zwischen den einzelnen jüdischen Persönlichkeiten in geistiger, sozialer oder politischer Beziehung bestanden haben mögen. Diese Gemeinsamkeit jüdischen Schicksals, der sich niemand entziehen kann, auch derjenige nicht, der vor sich selbst flieht, ist eines jener ehernen Gesetze unserer Geschichte, von dem der Weg des jüdischen Volkes durch alle Zeiten bestimmt wurde- Einhundert Jahre hindurch glaubte das deutsche Judentum aufgrund seiner eige- (Schluss auf Seite 2)

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