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Jüdische Wochenschau · 1968-09-27 · 2287 (27.9.1968) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2287 (27.9.1968)
Date
1968-09-27
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Viernes, 27 de Septiembre de 1968 SEMANA ISRAELITA Año XXIX. — N* 2287 — 5 Wir sind gewohnt, den heiligen Tag im jüdischen Jahr, Jom Kippur oder Jom Hakippurim (die Sefarden sagen einfach: Kippur) Vereöhnungstag zu nennen. Diese Bezeichnung hat sich im deutsch-jüdischen Sprachgebrauch so fraglos eingebürgert. dass auch unsere Gebetbücher mit deutscher Uebersetzung stets den Vermerk: „für Neujahr und Versöhnungstag“ tragen. Im angle - amerikanisch jüdischen Sprachgebrauch ist es hingegen üblich, von Day of Atonement zu sprechen, was an sich dasselbe meint, hinzu kommt aber noch der Begriff der Busse und Reue, sodass hier eigentlich von einem Busstag die Rede ist. Es erhebt sich nun aber die Frage, ob diese Bezeichnungen, die sogar in Israel für den hebräisch sprechenden Juden in dem Begriff Jom Kippur mitschwingen, der ursprünglichen Intention entsprechen. Die Proklamation des heiligen Tages vom zehnten Tischri findet sich irri 3. Buch Mose, Kap. 16, 29—31, wobei in Vers 30 die Etymologie des Wortes Kippur gegeben ist; „KI BAJOM HA- SEH JEKHAPER ALEIJ- CHEM...“ Aeltere Bibelübersetzungen geben diesen Passus meist in folgender Weise wieder: „denn an diesem geschieht eure Versöhnung.“ Keineswegs nur jüdische Uebersetzungen bedienen sich dieser Formulierung, durch die der „Versöhnungstag“ in unseren Kalender und in unsere Vorstellungswelt eingegangen ist. Neuere Uebersetzungen sprechen bereits von Entsühnung, was nicht genau dasselbe ist. Versöhnung ist ein dialogischer Vorgang. Zwei Partner, in diesem Falle Gott und Israel, oder Gott und der Mensch, versöhnen sich miteinander, während Entsühnung ein mehr einseitiger Vorgang ist. Der Sünder wird entsühnt, wodurch allerdings dann wohl implicite die Versöhnung mit Gott der durch die Sünde beleidigt würde, gegeben ist. Soweit ich sehe, übersetzen aber nur Buber Rosenzweig den Begriff der Kappara, um den es hier geht, wurzelgerecht. Unsere Stelle lautet in dieser Uebersetzung; „Denn an diesem Tage bedeckt man über auch“. Jom Kippur, ist so gesehen, also der Tag der Bedekkung. Ursprünglich hängt das mit dem für diesen Tag gebotenen Opferritual zu¬ Eine Herausforderu sammen. Das Blut der Opfertiere soll die Sünden des Volkes „bedecken“. Die Sünde wird zugedeckt. SCHULD UND SUEHNE Können wir als heutige Menschen diesen biblischen Begriff, der aus der Opfer- Thora stammt, für uns akzeptieren? Ich glaube, dass dies durchaus der Fall ist und dass wir sogar von der Erkenntnis der ursprünglichen Bedeutung her ein neues Verständnis gewinnen können; nur muss der Begriff der „Bedeckung“ hierfür allerdings vom kultischen Bereich in den psychologischen übertragen werden. Unsere Schuld — dieser Begriff ist dem heutigen Menschen meist leichter zugänglich als der Begriff der Sünde — kann nicht aufgehoben werden. Es gibt in Wirklichkeit keine Wiedergutmachung. Materielle Schäden, die wir dem Mitmenschen zugefügt haben, können zwar kompensiert werden. Das ist Schadenersatz, aber der Schmerz, die Kränkung, die wir dem anderen vorsätzlich, oder was weit häufiger der Fall ist, aus Achtlosigkeit zugefügt haben, kann nicht einfach von SCHALOM BE1S CHORUS „wiedergutgemacht“ werden. Narben bleiben zurück. Aber unsere Schuld kann „bedeckt“ werden, sodass sie nicht mehr sichtbar ist. Was hier aus der menschlichen Erfahrung gesagt wurde, überträgt das religiöse Denken auf das Verhältnis zwischen Mensch und Gott. Der Glaube geht davon aus, dass auch die Schuld, die Sünde gegen Gott, nicht einfach als nicht geschehen angesehen werden kann. Aber die Gnade Gottes deckt die Sünde zu. Dieses Zudecken enthält aber in sich auch immer wieder die fatale Möglichkeit des Aufdeckens, — und die ist tatsächlich im zwischennienschlichen Bereich, den wir überprüfen können, und im religiösen Bereich, der nur der inneren Erfahrung zugeordnet ist, gegeben. Wenn wir durch eine versöhnliche Geste unsererseits die von der Mischna ausdrücklich vor dem Jom Kippur geboten ist, den Mitmenschen, den wir beleidigt haben, um Verzeihung bitten und er diese Bitte annimmt, dann wird unsere Schuld wirklich zugedeckt. Sie ist nicht mehr sichtbar. Aber wenn sieh diese beiden Menschen wieder entzweien, dann wird bestimmt die alte schon vergebene Schuld wieder aufgedeckt und der neuen Verfehlung zugerechnet: „Du hast dich schon damals so schlecht benommen!“ Alles, was im Akt der Versöhnung schon zugedeckt war, kommt dann wieder herauf und ist vermutlich nicht schöner geworden. Auch religiös gesehen muss man von einem ähnlichen Zusammenhang sprechen. Unsere bedeckte Schuld wird dann wieder sichtbar, wenn wir von der Möglichkeit der Umkehr, der Teschuwa, keinen Gebrauch machen und in unseren alten Schlendrian zurückfailen. Wir haben bisher nur von der positiven Möglichkeit der Bedeckung unserer Schuld gesprochen. Wir können und sollen den Mantel des Verzeihens über die Schuld des anderen breiten, und nur dann dürfen wir hoffen, dass auch uns vergeben wird. Dieser Gedanke wird im Talmud öfters zum Ausdruck gebracht nur demjenigen wird Ereignisse der Woche (Fortsetzung der Ereignisse der Woche von Seite 4) auf eine gründliche militärische Vorbereitung, Hierdurch gewinnt der Student bereits eine andere Einstellung zum Leben, zur Gesellschaft und ihren Einrichtungen sowie zum Staat. Im übrigen sei die gesellschaftliche Struktur Israels von anderen Ländern unterschieden. Dort würde jeder Bürger durch die Form des Lebens und des Regierens unmittelbar an der Verantwortung für die Existenz des Staates und die Zukunft aller Bürger beteiligt sein, sodas für die in anderen Ländern von der Jugend geübten Kritiken in Israel kein Raum ist. — Die Form, in der Prof. Rottenstreich auch auf aktuellen politischen Fragen DM — SCHECKS — UEBERWEISUNGEN KONSULTIEREN SIE IMMER UNSERE PREISE CASA PIANO CAMBIO — TURISMO WUENSOÖHT SEINEN KUNDEN ALLES GUTE ZUM ZUM NEUEN JAHR Tel. 49-8151 /8188 SAN MARTIN 347 Fábrica Ropa de Cuero Gamuzado Cabra y Napa Sacos 7/8 - Trajes K, limmerspitz JUNIN 322 T. E. 46-8762 Neu-Eroeffnet: VERKAUFSLOKAL FEINSTE HANDTASCHEN KOFFER BRIEFTASCHEN JUNIN BECERRO CABRA COCODRIL AVESTRUZ NONATO 312 antwortete, fand allgemeine Anerkennung für einen Mann der Wissenschaft und Philosophie, dessen Fach- Vorträge einen tiefen Eindruck hinterliessen. — Beim Botschafter Der Botschafter Israels in Argentinien, D. Moshe Alon, veranstaltete einen Empfang zu Ehren des israelischen Kultusministers, Dr. Warhaftig, an dem auch Prof. Rottenstreich und Dr. Leven berg (London) teilnahmen. Geladen waren die Delegierten zum 8. Kongress der Gemeinden, die auf diese Weise erneut Gelegenheit hatten, mit den Ehrengästen des argentinischen Judentums in Kontakt zu treten. lerorts wieder auflebenden Nazismus aufzutreten. Er gehört zu den wenigen, die sich bedingungslos dieser Aufgabe verschrieben haben; ohne Ansehen der Person und ohne auf sich selbst zu achten, für Recht und Freiheit gegen alle Unterdrücker zu kämpfen. Deswegr i ist es eine Ehrenpflicht, ihm unseren Gruss zu entbieten in der Hoffnung, dass er seine Arbeit noch viele Jahre mit ungebrochener Tatkarft fortsetzen kann. 65. Geburtstag Unser Mitarbeiter und Freund, Herr Kurt Kaiser- Blüth, begeht in diesen Tagen in Brüssel seinen 65. Geburtstag. Ein ausserordentlich begabter Schriftsteller und talentierter Dichter hat Kurt Kaiser- Bliith bereits in der Weimarer Republik seine besondere Aufgabe im Kampf gegen die rechtsgerichteten Elemente und vor allem gegen die Nazis erblickt. Herausgeber und Mitarbeiter politischer Blätter und Zeitschriften entfaltete er eine umfangreiche publizistische Tätigkei1, bis er 1933 vor den Nazis fliehen musste, seine Abbeit in der Emigration unentwegt fortsetzte. Er wur. de in Gefängnisse geworfen, litt in sieben Konzentrationslagern, setzte aber auch dort mit ungebrochenem Willen seinen Widerstand fort. Nach seiner achten Flucht gelang es ihm, in der französischen Resistence mitzuwirken und auf dieselbe Wege einen aktiven Anteil im Kampf^gegen die Nazis zu nehmen. Was Kurt Kaiser-Blüth auszeichnet, ist nicht seine erfolgreiche schriftstellerische Tätigkeit, sondern sein Mut, den Finger auf die vielen Wunden der heutigen Gesellschaft zu legen und mit einer niemals erlahmenden Energie gegen den alim Himmel vergeben, der selbst aul Erden vergibt. VERGESSEN UND VERGEBEN Es gibt aber auch eine negative Form der Bedeckung, das ist das Vergessen. Vergessen und Vergeben ist nicht dasselbe. Wir sollen die Schuld des Anderen vergeben, damit auch uns vergeben wird, aber wir so len sie nicht vergessen, denn aus den Fehlern in den menschlichen Begegnungen kann man lernen, wenn dies auch selten geschieht. Nun ist es aber häufig, dass wir vergessen, aber nicht vergeben. Wie viele Menschen sind entzweit, grüssen einander nicht mehr, boykottieren einander und haben eigentlich längst den Anlass ihres Zerwürfnisses vergessen! (Ich spreche hier aus Erfahrung). Sie haben eine, wie man heute so gerne sagt, unbewältigte Vergangenheit mit dem Mantel des Vergessens zugedeckt, ohne dass dies zur Vershnung geführt hätte. In diesen nicht seltenen Fällen sollte Jom Kippur ein Tag des Aufdeckens werden. Indem man nämlich die Ursachen solcher menschlicher Verfehlungen aufdeckt, — werden sie sehr oft in ihrer Winzigkeit, Kleinlichkeit, Bedeutungslosigkeit sichtbar, und dann erst können sie wirklich bedeckt werden und im moralischen Papierkorb für Lappalien landen. Ganze Familien, Sippen sind entzweit, vor allem auch in Israel, wo man in den orientalischen Kreisen ein viel stärkeres Sippenbewusstsein hat als in den europäischen. Sehr oft ist dabei der Anlass, vor allem der erste Anlass, bereits in Vergessenheit geraten, aber die Feindschaft dauert an. Der grösste Jom Kippur aber steht noch vor uns in unserem Verhältnis zu den Arabern. Wann wird es gelingen, hier die täglich sich erneuernde Unbill zu „bedecken“. dass sie nicht mehr sichtbar ist Wir müssen einen Anfang machen durch Entfernung der Zeichen, die an diese verfehlte Situation täglich und stündlich erinnern. Ich denke dabei an der Liquidierung der arabischen Flüchtlingslager. Wir haben ja eine grosse Erfahrung darin, durch die Umwandlung unserer eigenen Maabarot, unsere Auffanglager, in produktive Siedlungen. ★ Viele Tage und Formen unseres jüdischen Jahres sind, gerade im Lichte der jüngsten Ereignisse, der Revision bedürftig. Das empfindet man bis weit in die Kreise der jüdischen Orthodoxie hinein. Vielen wurde es klar, dass wir den Tag der Tempelzerstörung, den 9. Aw, nicht mehr begehen können, als ob nichts geschehen wäre. Viele werden sich zu Pessach fragen, ob es nicht eine Blasphemie ist, den traditionellen Spruch: „Das kommende Jahr in Jerusalem“, oder „im erbauten Jerusalem“ zu wiederholen, nachdem nun ganz Jerusalem in unserer Hand ist. Jom Kippur aber steht ausserhalb und über diesen geschichtlichen Zusammenhängen. Die Spannung zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk, und schliesslich die durch unsere Verfehlung immer wieder gestörte und zerstörte Beziehung zwischen Mensch und Gott bleibt die ewige Aktualität der menschlichen Existenz. Das sollten wir in aller Nüchternheit erkennen und versuchen, daraus die Konsequenzen für unser privates und öffentliches Leben zu ziehen, wenn Jom Kippur mehr sein solll als ein leerer Tag im Kalender oder ein gut mit altehrwürdiger Tradition angefüllter. Beides genügt nicht; dieser Tag fordert den ganzen Menschen, er fordert ihn heraus, und auf diese Herausforderung haben wir zu antworten. Antwort aber heisst hebräisch — Teschuwa — und das ist mehr als Antwort. En las graves circunstancias que actualmente vive y lucha por la paz Medinat Israel, cuyo pueblo enfrenta nuevamente la amenaza de otra agresión, la Central del Keren Hayesod formula una apremiante exhortación a todos los judíos que aún no cumplieron con su ineludible imperativo de solidaridad a Israel, exteriorizado a través de su contribución a la Acción de Emergencia, a concretar el mismo SIN MAS DILACION y en una dimensión acorde con las reclamaciones perentorias de la hora. El Keren Hayesod, celoso intérprete de la voluntad de toda la colectividad de estar a la altura del momento decisivo, espera que esta exhortación encuentre la respuesta condigna de solidaridad judía dentro del plazo indicado, y le exima, por consiguiente, de la penosa necesidad de verse obligado a señalar sus nombres a la op inión pública.

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