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Jüdische Wochenschau · 1968-09-20 · 2286 (20.9.1968) · p. [Seite 11]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2286 (20.9.1968)
Date
1968-09-20
Page
[Seite 11] (sequence 11)
Language
German, Spanish
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Viernes, 20 de Septiembre de 1968 S E M A. N. A ISRAELITA Año XXIX. — N* 2886 — 11 Können Religion und Ethik miteinander in Kollision geraten? Ist nicht die Religion irem Wesen nach Ausdruck höchster Ethik? Im allgemeinen trifft die* sicher zu. aber es gibt Grenzfälle, äusserste Positionen, des Zusammenstosses zwischen Religion und Ethik- Wohl der berühmteste Fall ist die sogenannte Opferung Isaaks (Genesis 22). Hebräisch sagen wir hier weit richtiger: Akedat Jizchak. die Bindung Isaaks, da er ja nur gebunden und nicht geopfert wurde. Die rabbinische Tradition rühmt es Isaak nach, dass er sich binden liess, denn er war, nach dem Midrasch, bereits dreissig Jahre alt, als sich die Prüfung Abrahams, Seiners Vaters, die auch »eine Prüfung war, ereignete. Ausserdem bildet die Akeda die Perikope für den zweiten Tag des Neujahrsfestes Rosch Haschana, wobei die Assoziation Widder- Schofar mitspielt. Während die Gemeinde das Schofarhörn hört, soll sie an den Widder erinnert werden, der anstelle Isaaks geopfert wurde, ja Gott selbst soll an die Opferbereitschaft Abrahams und Isaaks beim Klange des Widderhorns gemahnt werden. In der synagogalen Poesie des Pijut bildet die Akeda ein immer wiederkehrendes Motiv im Sinne des stellvertrendenden Sühneleidens. So 1h dem Begräbnis-Hymnus „Hazur tamim poolo”. : „Um des Verdienstes dessen willen, der gebunden wie ein Lamm (Isaak) höre und tue.“ Die Akeda bildet auch ein Leitmotiv in der Liturgie der Hohen Feiertage (Neujahr und Versöhnungstag): „Gedenke des Bundes mit Abraham und der Bindung Isaaks.“ Professor Hugo Bergmann, Jerusalem, hat einmal in einem Essay: „Die Akeda und der Mensch von heute“ darauf hingewiesen, dass unsere Väter die Geschichte der Akeda in fraglosem Gehorsam als Vorbild für ihren eigenen Gehorsam im Glauben hingenommen haben: „Abraham glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit an.“ (Gen. 15, 66. Für uns aber ist die fragliche Haltung Abrahams problematisch geworden. Wir fühlen den katastrophalen Zusammenprall von Religion und Ethik in solch „grauenhaften Geschichten“. Die Akeda steht nicht allein in der Bibel. Man denke nur an die Begegnung zwischen Saul und Samuel, in welcher das Charisma von Saul genommen wird, weil er sich des Königs Agag erbarmt statt ihn zu erschlagen. Martin Buber bekannte hier schlicht und einfach: „Ich habe es nie glauben können, dass dies eine Botschaft Gottes sei. Ich glaube es nicht... ich glaube, dass Samuel Gott missverstanden hat.“ (M. Buber, Begegnung). — Aber hat auch Abraham Gott „missverstanden"? — Wenn wir das annehmen, würden wir den Sinn der Geschichte ändern. In der Bibel wird der Piüfungscharakter des göttlichen Ansinnens an Abraham unterstrichen. Abrahams Glaube wird verschiedenen Prüfungen ausgesetzt; zunächst in der Loslösung von seiner natürlichen Umgebung und in seiner Hinführung in das unbekannte Land. (Gen, 12h Die schwerste Prüfung aber ist die Opferung üsaaks, des Sohnes der Verheissung, und hier geraten Glaube und Ethik in Kollision. Soeren Kierkegaard hat J84S erstmalig die Proble- RELIGION UND ETHIK mata der Abrahams-Erzäh | lung in seiner „Lobrede auf Abraham“ in seinem Buch „Furcht und Zittern“ formuliert. Er zeigte den Zusammenstoss von religiösem und ethischem Anspruch: Ethisch gesehen würde es sich hier um Mord, um Kindesmord handeln; religiös aber um das Opfer des Gehorsams. Die Fragestellung Kierkegaards ist nur aus seiner bewusst unhistorischen, existentiellen Einstellung heraus verständlich. Zur Zeit Abrahams ist das Menschenopfer, das Sohnesopfer, ja noch gang und gäbe gewesen. Das Kindesopfer wird in der Bibel ausdrücklich verboten; Lev. 18, 21; Deut. 18, 10, kam aber doch immer wieder vor: 2 Kön. 3, 27 opfert der König von Moab seinen Sohn. 2 Kön. 16, 3 opfert sogar der König Ahas von Juda seinen Sohn. Erst der grosse Reformator König Josia von Juda (2 Kön. 23, 10) schafft die Kindesopfer ab, und beim Propheten Micha 6, 7—8 (7. Jahrhundert v.d.g.Z.) wird das Sohnesopfer verworfen; „Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Sünde, die Frucht i meines Leibes als Sühne meiner Seele?“ Dieser rhetorischen Frage stellt der Prophet seinen kategorischen Imperativ gegenüber: „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nicht als Recht üben und die Güte lieben und demütig wandeln vor deinem Gott.“ Damit ist natürlich auch das grauenvolle Opfer der Tochter Jephthas (Richter 11, 34 ff.) verdammt und abgetan, diese schreckliche biblische Parallele zum Iphigenie-Mythos. Während Kierkegaard den Gegensatz von Religion und Ethik am Abrahams-Gleichnis geradezu auf die Spitze trieb, entschärfte der jüdische Neukantianer Hermann Cohen (1842 — 1918) die Geschichte der Akeda und wollte in ibr nur ein Gleichnis für die Ueberwinr düng des Menschenopfers sehen. Er spricht hier nur. von SCHALOM BEN CHORIN noch von einem „Scheingebot“ (Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums). Die Erzählung von der Versuchung Abrahams muss tatsächlich primär im historischen Kontext gelesen werden. Für Abraham musste das Ansinnen Gottes zwar tragisch-schmerzlich, aber nicht unverständlich scheinen. Es brachte ihn mit den Begriffen der zu seiner Zeit gültigen Moral und Ethik nicht in Kollision, denn das Sohnesopfer war Bestandteil antiker Kulte, z. B. des Moloch - Dienstes. Abraham überwindet mit Glauben diese inhumane Seite der Religion. Und hier liegt das Vorbild für uns verborgen: auch wir müssen in der ethischen Gotteserkenntnis fortschreiten, erkennend, dass vieles in der Bibel noch in archaischen Glaubensvörstellungen befangen blieb, die In der selben Bibel überwun* den werden, denn die hebräische Bibel ist ja nicht ein Buch, sondern eine Anthologie aus 24 Büchern, ein „Buch, das tausend Jahre wuchs“, mit klar erkennbaren Glaubensstufen“ (F. Thieberger, die Glaubensstufen des Judentums.) Wir können in der Bibel erkennen, wie aus dem transmoralischen Gott der moralische Gott wird, oder anders ausgedrückt, wie sich die Gotteserkenntnis Israels ethisch läutert. Menschen, die heute unter Berufung auf eine innere Stimme ihr Kind umbrächten, würden ins Irrenhaus gesperrt, Abraham kann aber gerade deshalb unser Vater im Glauben sein, denn von ihm lernen wir, dass das Archaische und Mythologische in der Religion durch das Lauschen auf die Stimme Gottes, die für uns mit der Stimme des Gewissens identisch ist. überwunden werden muss. Abraham überwand eine veraltete, unethische Gottesvorstellung, und damit ist er unser Vorbild. Bei alledem stellt sich aber die Frage, ob es heu- ANTISEMITISMUS IN DER TUERKEI Die „Vereinigung Religiöser Angestellter“, eine konservative Moslem-Gruppe, hat zum Boykott aller jüdischen Firmen aufgerufen. Von dem Boykott sind auch die Geschäfte anderer Minoritäten betroffen. An einem Treffen antikommunistischer, nationalsozialistischer Organisationen in Ankara kam es ebenfalls zu antijüdischen Ausschreitungen. Man sah Plakate mit Slogans wie „Nieder mit dem jüdischen Imperialismus“. Ein antisemitisches Buch mit dem Titel „Zionismus, Reformen und Revolutionen“ ist kürzlich erschienen. Autor Ziya Uygur beschuldigt die Juden, sie seien schuld am Elend der Welt. Die Auflage der stark antisemitischen Tageszeitung „Bugün“ soll binnen kurzer Zeit von 15.000 auf 70.000 geklettert sein. Trotz jüdischer Vorhaltungen sind die türkischen Behörden bisher nicht eingeschritten. Allerdings beschuldigt die jüdische Wochenzeitung „Schalom“ die jüdischen Führer, sie hätten ihre Vorhaltungen nicht, oder nicht energisch genug, vorgebracht. Um die Pessachzeit hatte „Bugün“ einen Artikel veröffentlicht, in dem die Ritualmordanschuldigungen gegenüber den Juden als Wahrheit bezeichnet wurden. Die linksgerichtete Tageszeitung „Aksam“ bezeichnete die antisemitischen Propagandisten von ,Bagün‘ als Nachahmer Hitlers, deren Aktivität auf Sabotage der türkischen Wirtschaft und Lähmung ihrer Entwicklung hinausläuft. Die Republikanische Volkspartei forderte ein Gesetz gegen religiöse und rassische Diskriminierung. Kein jüdischer Unterricht Warschau. — Die jüdischen Sommerschulen, in denen während der Ferien, zeit Unterricht in jüdischen Gegenständen erteilt wurde, sind verboten worden. Als Grund hierfür gaben die polnischen Behörden „budgetäre Schwierigkeiten“ an. inzwischen verlautete, dass die Ferienlager für die Jugendlichen, welche andere Fremdsprachen lernen, nicht nur nicht verboten sondern sogar erweitert worden sind. Man darf daher vermuten, dass das Verbot der jüdischen Ferienheime im Rahmen der antijüdischen Kampagne ausgesprochen worden ist, so wie man es anfangs auch auffasste. _ te, in unserer Zivilisation und bei unserer ethischen Auffassung der Religion, noch die Möglichkeit eines Zusammenstosses von Religion und Ethik geben kann? Soweit ich sehe, sind diese relativ seltenen Grenzfälle vor allem bei Konversionen gegeben. (Das macht Mission — in jeder Richtung — so besonders problematisch). Ich möchte hierfür zwei Fälle aus der neueren Geineueren Geistesgeschichte stesgeschichte anführen: Die jüdische Philosophin Edith Stein (1891-1942) wurde Katholikin, nahm den Schleier der Karmeliterinnen und zog sich in strengste Klausur des Klosters zurück. Dieser Schritt fügte ihrer frommen jüdischen Mutter den tiefsten Schmerz zu, worunter die Tochter selbst sehr schwer gelitten nat; Das ethische Gebot forderte, der Mutter diesen Schmerz nicht zuzufügen, das religiöse Gebot verstand Edith Stein aber im Sinne ihres Glaubens. Der Zusammenstoss von Religion und Ethik war unvermeidbar. Genau umgekehrt — und dennoch im Problem gleichartig verhält sich der Fall des französischen Katholiken Aimé Palliere (1875 bis 1949), der bereits zum Priesterstand bestimmt war, das Priesterseminar aber verhess, sich dem Judentum anschloss und Prediger an der Liberalen Synagoge in Paris wurde. Sein Glaubensschritt war für seine streng katholische Mutter ein unendlicher Schmerz. Es ist rühmend in Pallieres Buch „Das unbekannte Heiligtum“ zu lesen, wie behutsam er der Mutter seine Liebe zum Judentum nahebringen wollte, um ihr nicht das Herz zu brechen. Diese Beispiele zeigen, dass der Zusammenstoss von Religion und Ethik für uns nur als äusserste Grenzfälle gedacht sind, da das Judentum seinem Wesen nach mehr und mehr Religion der ethischen Tat geworden ist oder wenigstens sein sollte. Das Problem von.Religion und Ethik ist seinerseits nur ein Teilproblem des Komplexes von Gehorsam und Verantwortung. Der mündig gewordene Mensch darf nicht aus der Verantwortung in den blinden. Kadavergehorsam flüchten, der ihn der eigenen sittlichen Entscheidung enthebt. Die Verfehlung dieser Erkenntnis' hat in der jüngsten Vergangenheit katastrophale Folgen gezeitigt. Wir alle wissen, dass die scheusslichsten Verbrechen der Geschichte unter dem Deckmantel des „Befehlsnotstandes“ begangen wurden. Man kann Abraham, wie das .ein pfgussischer Militärpfarrer einmal tat, auch als Vorbild für den bedingungs- -losen Befehlsgehorsam auffassen, aber man verfehlt damit die Pointe der Geschichte, denn in der Akeda tritt eine Wende zum sittlL chen Gehorsam ein. Das Ende der Geschichte der Akeda wird in seiner Bedeutung meist übersehen. Gen. 22, 20—24 erzählt die Nachkommenschaft Nahors: „Nach diesen Geschichten begab sich’s, dass Abraham angesagt wurde: siehe, Milka hat auch Kinder geboren, deinem Bruder Nahor...“ Und nun folgen eine Reihe von Namen. Auch diese scheinbar unmotivierte Namenstabelle hat offenbar eine sittliche Bedeutung. Hier wird uns indirekt gesagt, dass Abra. liam, der.Mensch, der in der letzten Einsamkeit Gott begegnet ist, durch dieses Erlebnis nicht das Interesse an Welt und Umwelt verlieren darf. Nicht wie die christlichen Einsiedler, die sich in die Wüste zurückgezogen haben, ist Abraham der Welt abgestorben, sondern sein Interesse an Umwelt und Familie bleibt trotz seiner Begegnungt mit dem Göttlichen lebendig. Auch hierin ist Abraham der Typus einer jüdischen Weltfrömmigkeit, die nicht im Glauben aus der Welt flieht, sondern die Erfahrung des Glaubens in den gelebten Alltag hineinträgt. Av. Corrientes 1891 40-9861-69 y 40-9860 SALUDA A LA COLECTIVIDAD JUDÍA Y LE DESEA UN FELIZ Y PROSPERO AÑO NUEVO 5729 Agencia N? 1 Av. San Martín y Gaona Agenda N? 3 Av. Caseras y Boedo Agencia N? 5 Av. Sania Fe 3723-25 Agencia N? 2 Av. Nazca 2325 Agenda N? 4 Av. del Trabajo y Escalada Agencia N? 6 Av. San Martín 6851-53 Delenación Tañíales Av. San Martín 6340-48 - LA MATANZA - TAPIALES Próxima inaumiradén (Sucursal Centro) FLORIDA 32 Sucursal RESISTENCIA; Pellegríni 19-23 - CHACO. , Oficina NM: 25 de Mayo 1564 - RESISTENCIA - CHACO. Delegación SAENZ PEÑA: San Martín 468 - SAENZ PEÑA - CHACO Delegación VILLA ANGELA: San Martín 35 - V. ANGELA - CHACO. Delegación LAS BREÑAS: S. Martín y G. Jones * Las Breñas - CHACO. Delegación BARRANQUERAS: Laprida 101 - Barranqueras - CHACO. 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