Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2285 (13.9.1968)
- Date
- 1968-09-13
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616703-9616177-9616479--5356-9616480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRREDON 2190 — 1* izq. J&JewxiM&^XcuzlLtcL T. E. 83 - 26 1 3 Año XXIX 'BUENOS AIRES. VIERNES 13 DE SEPTIEMBRE DE 1968 N* 2285 Die unheilige Allianz Seit Peter dem Grossen versuchen die Russen — erst in den letzten beiden Jahrzehnten mit Erfolg — in den mittelländischen Raum vorzustossen. Zahlreich sind die Faktoren, die das russische Bemühen um die Erweiterung der kommunistischen Einfluss-Sphäre in diesem Gebiet begünstigt haben. Die Probleme unserer Zeit liegen nicht einfach. Man macht es sich zu bequem, wenn man alles nur in zwei Farben — schwarz oder weiss — zur Darstellung bringt. Unter den vielen Hinweisen, die für das russische Vordringen im Mittleren Osten wesentlich sind, müssen neben der amerikanischen Entschlussunfähigkeit die arabischen Schwächezustände erwähnt werden, die zu einer beinahe aufdringlichen Einladung der Sowjets geführt haben, ihren schweren Fuss auf arabischen Boden zu setzen. In seinem hemmungslosen Ehrgeiz verfiel Nasser der Versuchung, den Kreml gegen seine eigenen arabischen Brüder aufzuhetzen, was man sich in Moskau nur allzu gern gefallen liess, weil man sofort die Chance erkannte, den Traum der Zaren zu erfüllen ... Seit diesen Tagen ist der Russe nicht mehr aus Aegypten gewichen. Die Niederlagen Nassers störten nicht. Hierdurch geriet Aegypten nur noch stärker in die Hand Moskaus, das alles tat, um die arabische Uneinigkeit aufrechtzuerhalten. Denn wie alle Imperialisten haben auch die Russen von den alten Römern gelernt, deren „divide et impera“ nichts von seiner Richtigkeit eingebüsst hat. Solange der russische Einfluss anhalten wird, ist auch nicht mit einer Befriedung des Gebiets zu rechnen, an der die Russen nicht interessiert sind. Denn jede Normalisierung birgt die „Gefahr“ für die Kommunisten in sich, dass ihr Einfluss ebenso schnell zurückgeht wie die Beruhigung der Lage fortschreitet. Die letzte arabische Konferenz hat diesen alten Sachverhalt nur bestätigt, wenn auch der Konflikt mit Tunis dieser Tagung eine besonders pikante Note gab. Dass die Tunesier mit der Nasserschen Linie nicht einverstanden sind und eine Befriedungspolitik den Nasserschen Hassaktionen vorziehen würden, war seit Jahren bekannt. Die offene Rebellion gegen die ständigen Versuche Nassers, für sich die Vorherrschaft unter den arabischen Ländern in Anspruch zu nehmen, war neu. Tunis war mit dieser Opposition nicht allein, aber die anderen hielten sich zurück, weil sie den Familienstreit nicht in aller Oeffentlichkeit austragen wollten. Der Nasserschen Misserfolge und seiner unbelehrbaren Hörigkeit gegenüber seinen eigenen grossen, wahnsinnigen Ideen und seinen Moskauer Herren sind sie alle schon überdrüssig. Der innerarabische Konflikt ist nicht neu, fand aber durch die tunesische Lektion eine erneute öffentliche Bestätigung. Wesentlicher als diese iavon B. B. fernen Vorgänge sind die Entschlüsse der Arabischen Konferenz, die sich mit dem offenen Terrorismus beschäftigen und darauf hinauslaufen, die Terror-Angriffe auf Israel zu einer offiziellen Aktion der arabischen Regierungen zu machen. Und die UN schweigen! Und das nach den Erfahrungen, die von der Weit im Fall CSR gemacht werden mussten! — Und dies, nachdem der Westen durch die Besetzung der CSR nicht nur herausgefordert worden ist, sondern sich aufs SAMUEL schwerste verhöhnt fühlen;r> usste .. Die israelische Geduld ist bewundernswert. Bombenanschläge in Jerusalem und in Tel Aviv, ständige Schiessereien am Jordan, Attentate, Boykott, Obstruktionen, kleinere und grössere Aktionen, die nach einem bestimmten Plan durchgeführt und von einer zentralen Stelle geleitet werden, haben noch keine grössere israelische Reaktion zur Folge gehabt. Bisher trug El Fatah, die Terror-Organisation, die Verantwortung, jetzt fällt sie auf die Regierungen der arabischen Länder. Die Intensivierung des arabischen Terrors lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit von anderen Schauplätzen wie der CSR ab, so spekulieren die Russen, die hinter den Kulissen über das Versagen und die Gleichgültigkeit der westlichen Grossmächte grinsen. Die Allianz zwischen Moskau und dem Halbmond ist unheilig. Aber auch die Allianz all der Gleichgültigen, die erst munter werden, wenn es ihnen selbst an den Kragen geht, ist ebenso unheilig wie sie bedenklich ist. m ICH ES SEHE--1 Interessen und Probleme I * l_oon mimA GOTTHEMER i. Die Spannung Die letzten Jahrzehnte sind von politischen Spannungen erfüllt gewesen. Es gab keinen Augenblick der Ruhe, die bis heute ein unbekannter Zustand unseres Lebens ist. Es mag Höhepunkte geben, aber die Gefahr einer gewaltsamen Entladung der gespannten Atmosphäre war und ist immer vorhanden. Umwälzende Ereignisse treten mitunter unerwartet auf. Damit brechen dann die wohl überlegten und ausgeklügelten Berechnungen der Politiker wie Kartenhäuser zusammen. Durch die Besetzung der CSR, mit der manche gerechnet haben mögen, während die meisten der wohlbegründeten Ansicht waren, die Russen würden ein solches Verbrechen nicht wagen, sind eine Kette neuer Spannungsmomente aufgetreten, deren weitere Reaktionen abzuwarten sind. Weder hat es einen Sinn, sich in Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden Weltkrieg zu verlieren, noch erscheint es zweckmässig, eine Sicherheit vorzutäuschen, die nicht besteht und die auch nach dem Durcheinander der Interessen und ihrer fortschreitenden Verquickung garnicht vorhanden sein kann. Analysen der politischen Situationen sind wichtig, da sie der Orientierung dienen. Aber man hat trotz aller Sorgfalt und aller Intelligenz niemals die Garantie Unerwartete Gaeste Jerusalem. — Eine Delegation von zehn Personen traf unerwartet aus der CSR ein, um an dem internationalen Kongress für Hühnerzucht teilzunehmen. An der Spitze der Delegierten steht Prof. Clemens, Dekan der Tierärztlichen Fakultät in Brünn, Auch eine Delegation aus Rumänien nimmt an dem Kongress teil. Sowjetrussland hatte die Teilnahme eines Delegierten angekündigt, dessen Ankunft noch ausstand. dafür, dass die Entwicklungen auch den Analysen folgen. Das sei durchaus nicht als eine ironische Bemerkung verstanden, sondern als Erfahrungstatsache hingenommen. Durch solche Erkenntnis wird auch der Wert des Nachdenkens über sich selbst und die allgemeine Lage nicht wertloser, denn das simple „In den Tag hinein leben“ hat noch niemandem "über Gefahren hinweggeholfen. Verantwortlich und sich ihrer Verantwortung bewusste Menschen suchen nach Möglichkeiten, Situationen zu meistern. II. Vergangenheit Die Diskussion über die Frage, ob die Verjährungsfrist für Nazimordtaten im nächsten Jahr ablaufen soll oder nicht, hat an sich mit aktuellen politischen oder Machtfragen nichts zu tun. Auch wenn wir als Juden eine besondere Beziehung zu dieser Verjährungsfrist haben sollten, handelt es sich hier um eine Grundsatzfrage von weltweiter Bedeutung, deren Wirkungen über das Strafrechtliche und das Politische in das allgemein Menschliche hineinreicht. Wir haben es mit einem moralischen Tatbestand zu tun, mit einem Problem allgemeiner Ethik, mit einem Versuch, ein Verhalten oder Verbrechen, das allgemeinen Abscheu auslösen muss, nicht durch Zeitablauf ungeschehen oder vergessen zu machen. In der Diskussion über die Aufhebung der Verjährungsfristen für die von den Nazis begangenen Kapitalverbrechen, also für Mord, Mordversuch, Beihilfe zum Mord usw., wird inzwischen der Gesichtspunkt immer stärker in den Vordergrund geschoben, dass Mordtaten, gleich welchen Motivs, niemals verjähren dürften. Denn die Schuld des Täters wird niemals durch den berüchtigten Zahn der Zeit geringer. Niemand sollte sich der irdischen Gerichtsbarkeit deswegen entziehen dürfen oder können, weil man ihn nicht rechtzeitig fasste. Dass es eine Reihe von praktischen Gesichtspunkten gibt, durch welche die Durchführung von Verfahren nach Jahrzehnten ausserordentlich erschwert wird, bedarf keiner Erläuterung. Aber dass diese Schwierigkeiten ausreichen sollten, um überhaupt die Erhebung der Anklage zu verhindern, ist nicht einzusehen. Denn Mord bleibt immer Mord, wann immer die Tat oder der Täter entdeckt wird. Die Debatte über dieses Problem hat inzwischen auf die UN übergegriffen, wo man diese Frage lebhaft erörtert. Die allgemeine Auffassung neigt unabhängig davon, ob es sich um rassische, politische oder sonstige Mordtaten handelt, zu einer generellen Aufhebung der Verjährung von Mordtaten. Mit einer solchen Regelung würde allerdings die zur Diskussion stehende besondere Frage der Verjährung der nazistischen Verbrechen und des Völkermordes „verwässert“ werden. Dass es sich hierbei um eine Sonderfrage handelt, sollte nicht ausser Acht gelassen werden. Dabei geht es keinesfalls nur um Sachverhalte, die in der Vergangenheit liegen. Denn zur Schande (Schluss auf Seite 2) Kriegsindustrie Tel Aviv. — Etwa der dritte Teil des israelischen Bedarfs an Ersatzteilen für die Armee wird von der inländischen Industrie hergestellt, wie ein als Dow bezeichneter Oberst enthüllte, der mit der Leitung der militärischen Basen und Materiallager betraut ist. Dieser Offizier teilte mit, dass ungefähr 200 israelische Unternehmen für das Heer arbeiten und ihre Produktion sich in diesem Jahr auf 10 Millionen Dollar beläuft. Die Armee ist bestrebt, sich mit den Ersatzteilen zu versorgen, welche im Lande hergestellt werden können. Hierzu gehören Teile für Tanks, Kanonen, elektronische Apparate und Kraftwagen. — (ITA) La Población de Israel Jerusalem. — La población judía de Israel se ha ca*| cuadruplicado en 20 años, pero la población árabe tan»- bién creció y ahora está en un 14% de la judía, en comparación oon 11% en 1943, reveló hace poco la ofícin» central de estadística. Las cifras para árabes incluyen a Jerusalem. Las cifras, tomadas del anuario estadístico de 1967, a publicarse en breve, muestran que la población judía de Israel aumentó a una tasa anual promedia del 6,9%. En 1948 había 649.600 judíos en Israel. A fines de 1967, 2.383600. La inmigración da cuenta de 1.100.000 de ellos, y el aumento natural 635.000. La inmigración en masa causó un Incremento anual de 24% en los años tope, 1948 51. En los últimos 2 años empero, la inmigración solamente representó un 2% del incremento anual. SHLOMO S. TANGER > Die Beooelkerung Israels Jerusalem. — Die jüdische Bevölkerung Israels hat sich in 20 Jahren fast vervierfacht, aber die arabische Bevölkerung ist auch gewachsen und beträgt heute 14 Prozent der jüdischen Bevölkerung im Vergleich mit H Prozent im Jahre 1948. wie kürzlich das Zantratbüro für Statistik enthüllte. Die Zahlen für die Araber beziehen Jerusalem ein. Die Zahlen, die dem vor seiner baldigen Veröffentlichung stehenden Statistischen Jahrbuch für 1967 entnommen sind, zeigen, dass die jüdische Bevölkerung Israels sich schätzungsweise im Jahresdurchschnitt um 6,9 Prozent vergrössert hat. 1948 gab es in Israel 649.000 Juden. Ende 1967 waren es 2. 383 600. Die Einwanderung erweist hiervon 1.100.000, und der natürliche Zuwachs beläuft sich auf 635.000. Die Masseneinwanderung verursachte in den Spitzenjahren 1948 bis 1951 eine jährliche Zunahme von 24 Frozent. In den letzten zwei Jahren stellte die Einwanderung allerdings nur 2 Prozent des jährlichen Zuwachses dar. SHLOMO S. TANGER Als Brücke dienen Unserer heute erstmalig erscheinenden Bet läge „Segunda Generation“ haben wir das folgende Geleitwort vorangestellt: H. Sw.: — Als am 26. April 1940 die erste Ausgabe der Jüdischen Wochenschau (La Semana Israelita) erschien, wurde ihr erster Leitartikel mit den beiden Wörtern „Die Brücke“ überschrieben. Damit war zugleich eine programmatische Erklärung als Richtlinie für das Wirken der Zeitung gegeben worden. Eine Zeitung kann niemals der Ausdruck weniger Personen sein, wird vielmehr stets von einer Gemeinschaft getragen, von der Gemeinschaft derer, die schreiben, und derer, die lesen. Ohne Resonanz kann eine Zeitung nicht bestehen. Die beinahe dreissig Jahre, in denen die JUEDISCHE WOCHENSCHAU erscheint, sind der beste Beweis für das Echo, das sie in der jüdischen Oeffentlichkeit gefunden hat. Die Jüdische Wochenschau wollte die Brücke sein, die einen Kreis neuer Einwanderer mit den anderen jüdischen Gemeinschaften auf dem Kontinent wie in allen anderen Ländern verbindet, insbesondere mit der jüdischen Gemeinschaft im damaligen britischen Man, datsland Palästina. Es war die Zeit eines furchtbaren Weltkrieges und der grössten Verfolgungen, denen unser jüdisches Volk jemals ausgesetzt gewesen ist. Di« Verbindung mit den anderen Teilen unserer Erde entsprach nicht nur dem verständlichen Interesse, das jeder Mensch am Weltgeschehen hat, sondern auch der Sorge um diejenigen Familienangehörigen, die nicht auswandern konnten. Die Jüdische Wochenschau wollte aber auch eine Brücke zwischen unserer Gegenwart und der Vergangenheit herstellen, um die reichen Schätze unseres Glaubens, unserer Literatur und Tradition zu vermitteln, eine Aufgabe, der sie sich bis heute mit grossem Ernst und Eifer widmet. Denn nur derjenige, der das Denken, Fühlen und Hoffen seiner Vorfahren in sich aufnimmt, kann auf dieser sicheren Grundlage weiterbauen, weiterdenken und Weiterarbeiten, um mit der Entwicklung unseres Lebens, der Ziele und Bestrebungen unseres Volkes und mit dem Geschehen ln und um Israel in enger Verbindung zu stehen. Die dritte Aufgabe, die sich damals die Jüdische Wochenschau gestellt hatte, war die Herstellung eines engen Kontaktes mit dem Leben in den neuen Ländern, in die damals Juden aifk Zentraleuropa nach Lateinamerika gekommen waren, besonders mit Argentinien, in das die meisten Juden eingewandert waren. Die wirtschaftliche, geistige, kulturelle und politische Einordnung mussten gefördert werden, indem die neuen Menschen mit ihrer neuen Umgebung vertraut gemacht wurden. Das war ein schwieriger und langsamer Prozess, das waren Aufgaben, die von den meisten bewältigt worden sind. Inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen, die zwar noch die Sprache ihrer Väter versteht, s:e aber kaum noch spricht und keine Publikationen in deutscher Sprache liest. Zu ihnen will die Jüdische Wochenschau nun eine Brücke schlagen, die die Generationen verbindet und sie mjt dem pulsierenden jüdischen Leben in Argentinien, den lateinamerikanischen und den vielen anderen Ländern verbindet, in denen Juden leben. Vor allem aber soll sie unsere Jugend mit den Problemen, Aufgaben und Hoffnungen in Israel bekannt machen, wo eine neue jüdische Jugend in Freiheit heranwächst, die sich auch für andere Judenheiten zu interessieren beginnt. Jede Jugend, jede Generation hat ihre eigenen Sorgen, Probleme und Vorstellungen. Wir wollen der Jugend eine Tribüne schaffen, wo sie miteinander in einen Gedankenaustausch treten und von ihren eigenen Aufgaben und Arbeiten berichten kann. Mit unserer zunächst monatlichen Beilage geben wir nunmehr der Jugend das Wort. Ihre Stimme soll auch von den älteren Generationen gehört werden, deren Rechte und Pflichten eines Tages von den jüngeren Menschen übernommen werden müssen, wie dies dem natürlichen Ablauf unseres Lebens entspricht. —