Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2284 (6.9.1968)
- Date
- 1968-09-06
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616703-9616177-9616470--5354-9616478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
O Û) [franqueo pagado «i —. Concesión 908 h c « o ÍL+, ore < X TARIFA REDUCIDA O i Concesión 1629 ■ ISRAELITA AB« XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 6 DE SEPTIEMBRE DE 1968 N» 2284 EL EJEMPLAR en toda la República 30, PUEYRREDON 2190 1* Izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Keine Studenten-Unruhen Kürzlich versammelten sich etwa hundert Studenten der Hebräischen L^niversität in Jerusalem vor einem Hause in der S3adja-Gaon-strasse im Jerusalemer Stadtviertel Rechavja zu einer stillen, aber sehi wirkungsvollen Demonstration. Eine der Hausbewohnerinnen wollte ein Zimmer ihrer Wohnung an einen gelähmten Invaliden des Sechstagekrieges Vermieten und ersuchte die übrigen Bewohner des Gemeinschaftshauses zuzustimmen. dass für den an einen Rollstuhl angewiesenen Invaliden ein Pfad durch den Garten bis zum Eingang der Wohnung asphaltiert werde. Diese Zustimmung wurde unglaublicherweise verweigert und die Studenten protestierten nun in ihrer Art gegen "cliese unmenschliche Haltung. Ihr stiller Protest hatte ein starkes Echo. Die Entrüstung breitete sich blitzschnell aus, die Presse wurde mb Protestbriefen überschüttet und der Invalide erhielt eine grosse Anzahl Angebote von passenden Wohnungen. Die Studenten hatten ihr Ziel erreicht und kehrten ebenso ruhig wie sie protestiert hatten, zu ihren Studien zurück In einer Zeit, in der fast keine Woche ohne grössere oder kleinere Studenten.Demonstrationen und -Exzesse in aller Welt vergeht und in der die Studenten vielfach als ein sehr ernst zu nehmendes Unruheelemente betrachtet werden, ist es an allen israelischen Hochschulen ruhig. Die letzten Studentendemonstrationer gab es an der Jerusalemer Universität anlässlich des Besuches des inzwischen verstorbenen Bundeskanzler;. Konrad Adenauerin der Universität und auch an diesen Demonstrationen nahmen verhältnismässig wenige Studenten teil. Diese Ruhe und Beschaulichkeit an den israelischen Universitäten wirft eine ganze Reihe von Fragen auf: Ist der israelische Student weniger temperamentvoll als seine Kommilitonen in aller Welt? Hat er weniger Interesse an Politik und von unserem H. W,-Berichterstatter an den Vorgängen an den Universitäten jenseits des Meeres? Nimmt er an diesen Vorgängen Anteil oder endet sein Interesse an den hiesigen Universitätswänden? Hat er vielleicht andere Sorgen und Probleme, die keinen adäquaten Niederschlag in vorübergehenden Demonstrationen finden können? Diese Fragen werden natürlich auch in Israel gestellt und bilden besonders in Intellektuellenkreisen ein bevorzugtes Diskussionsthema. Kürzlich hat die grosse Tel Aviver Mittagszeitung „Mariv“ eine spezielle Enquete zu diesem Thema mit Professoren und Studenten der Universitäten veranstaltet und das interessante Ergebnis der auf hohem Niveau geführten Diskussionen in einigen Folgen publiziert. Zunächst ging aus diesen Diskussionen und vielen anderen, die dauernd in Israel geführt werden, klai hervor, dass oie Ruhe an den israelischen Universitäten keinesfalls auf Indolenz der Studenten und ein Desinteressement zurückgeführt werden darf. Das Interesse Befriedigung in Israel Rom. — Nach 40tägigem erzwungenen Aufenthalt in Algier erhielten die 7köpfige Mannschaft und die 5 männlichen Passagiere des israelischen El Al-Flugzeugs am vergangenen Sonnabend die Erlaubnis Algerien zu verlassen. Sie trafen in Rom an Bord eines Flugzeugs der Alitalia ein. Die Operation wurde streng geheim gehalten, und die Israelis wurden erst am Morgen vor dem Abflug von ihrer Reise verständigt. Die offizielle algerische Presseagentur gab bekannt, dass die Israelis dem internationalen Rote Kreuz - Comité übergeben wurden. Das gekaperte Flugzeug wurde von französischen Piloten nach Rom gesteuert. ANKUNFT IN LUD Tel Aviv. — Das gekaperte El Al-Flugzeug landete am Sonntag Abend in Lud. Kapitän Easterman brachte die Maschine aus Rom nach Israel zurück. Der einzige Passagier war der Beamte der israelischen Botschaft in Rom, A. Josha. Der Apparat wurde sofort in einen Werkzeugschuppen gebracht, um für den nächsten Flug vorbereitet zu werden. Die 12 Israelis. 7 Mann Besatzung und 5 Passagiere des gekaperten Flugzeugs, Gefahr am Suezkanal Jerusalem. — Der Beschluss, beim Sicherheitsrat wegen des kürzlichen ägyptischen Angriffs am Suezkanal Beschwerde zu führen und die Einberufung einer Sitzung zu beantragen, wurde auf der letzten Sitzung des Kabinetts gefasst. Bei diesem Zusammenstoss wurden zwei Israelis getötet. Aegypten hatte auf eine vom Chef der UN-Beobacher General Odd Bull vorgebrachte Klage entgegnet, dass in Kairo nichts von diesem Zwischenfall bekannt sei. Verteidigungsminister Mosche Dajan berichtete Einzelheiten über den von den Aegyptern provozierten Zusammenstoss und fügte hinzu, dass die UN'Beobachter die israelische Version bestätigten, nämlich dass Minen gelegt wurden und als ein israelischer Jeep auf eine solche Mine auffuhr, eine Gruppe von etwa 30 Aegyptern zwei Israelis tötete und einen dritten über den Kanal hinweg entführte. Die politischen Beboachter glauben allerdings, dass jeder Resolutionsentwurf im Sicherheitsrat, in dem Aegypten verurteilt würde, durch ein Veto der Russen verhindert werden dürfte. Der israelische Antrag soll vor allem dem Zweck dienen, die öffentliche Weltmeinung auf die Gefahr aufmerksam zu machen, dass eine neue Front der Aggression gegen Israel im Entstehen ist. (ITA) trafen mit einem anderen El Al'Apparat, der aus New York kommend zu ihrer Weiterbeförderung eigens in Rom gelandet war, wohlbehalten in Lud ein. Zu ihrer Begrüssung hatte sich eine riesige Menge auf dem Flughafen eingefunden. Der Kapitän dieses Flugzeuges, Abarbanel, führte Beschwerde über das Verhalten der Repräsentanten der Pilotenförderation, die zwar mit der algerischen Regierung verhandelt, sich jedoch nicht um die ihrer Freiheit beraubten Israelis gekümmert hätten, die eine erniedrigende Behandlung erfuhren. DANK FUER GELEISTETE HILFE Tel Aviv. — Ministerpräsident Levi Eshkol dankte noch am Sonnabend Abend allen Regierungen und im besonderen Italien sowie den internationalen Organi sationen, die sich um die Freilassung der von den Algeriern festgehaltenen Israelis bemüht hatten. Aussenminister Abba Eban erklärte in einer eilends einberufenen Pressekonferenz, dass die Lösung dieses gefährlichen Falles durch diplomatische Mittel das positive Lob der ganzen Welt verdiene. Er führte u.a. folgendes aus: „Ich danke den zahlreichen Regierungen, die jede auf ihre Art positiven Einfluss nahmen, den internationalen Orgnisatione darunter den Flug- und Pilotenverbänden, dem Generalsekretär der UN U Thant, dem Internationalen Roten Kreuz und der Presse aller Kontinenten, die ihrer Besorgnis für das Wohl unserer verhafteten Bürger Ausdruck verlieh und für die Achtung der internationalen Gesetze und Moral eingetreten ist. Ich halte es für meine Pflicht, in diesem Zusammenhang der italienischen Regierung und besonders dem italienischen Aussenminister und den höhere Beamten seines Ministeriums sowie den italienischen Botschaftern in Israel und anderen Ländern unseren aufrichtigen Dank für ihre guten Dienste und unermüdlichen Bemühungen um die Lösung dieser Affäre auszusprechen.“ und das Wissen um die Vorgänge an den Hochschulen in anderen Teilen der Welt ist sehr gross; es gibt viel Sympathie, aber auch nicht weniger Kritik an manchen dieser Studentenrevolten. Aber Professoren wie Studenten betonen kategorisch — und tiier sind keinerlei Parteigrenzen zu bemerken — dass die Lage des israelischen Studenten grundsätzlich anders ist als die der meisten rebellierenden Studenten in Europa und Südamerika. Zunächst gibt es in Israel keine nennenswerten Konflikte zwischen den Studenten und ihren Professoren. Das hat seinen Grund darin, dass die israelischen Universitäten fast durchweg dem Beispiel der Hochschulen in den anglosächsischen Ländern folgen, die auf einen permanenten engen Kontakt zwischen Professoren und Studenten einen besonderen Nachdruck legen. Die Wissenschaft, die für den Aufbau des jungen Staates eine schicksalsschwere Rolle spielt, übt darum auch für die junge Generation eine weitaus grössere Attraktionskraft aus als die Politik. Da der allgemeine Trend dazu neigt, alles, was den Aufbau des Landes beschleunigen und verstärken kann, in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken, besteht auch keinerlei Kluft zwischen der Studentenschaft und den übrigen Teiien der Bevölkerung. Der Ernst und nicht zuletzt auch die schwierigen Bedingungen des israelischen Existenzkampfes werfen ihre Schat ten bereits auf die studierende Jugend und lassen wenig Spielraum für Boheme, studentischen Uebermut und Lust an end- und bodenlosen Auseinandersetzungen und Reibungen. Aber es gibt noch ein ganz anderes entscheidendes Moment, das an der Sonderstellung dieser Jugend mitwirkt: ihre aggressiven Instinkte finden hier ganz andere Ventile und die besondere Sicherheitslage des Staates bringt es mit sich, dass ihre erwachsene Jugend einer ungeheuren seelischen und emotionellen Belastung ausgesetzt ist. Sehr überzeugend hat dies einer der Teilnehmer jener Enquete in dem folgenden Metapher dargelegt: „Wer Bir-Gafkafa (einer der zentralen Scnlaehtenorte in der Sinai-Halbinsel während des Sechstagekrieges) erobert hat, sieht wenig Sinn in der Eroberung von Hörsälen.“ Das Leben war bereits für fast alle diese Studenten zu ernst, als dass sie ihre Zeit mit Demonstrationen und Kämpfen vergeuden wollen, die entweder im Nihilismus und Anarchismus enden, die den Gegei.pol zu der allgemeinen israelischen Lebensphilosophie darstellen oder die sich in unverbindlichen Gesten erschöpfen. Die Spannung, die der permanente Begleiter der gegenwärtigen Sicherheitsiage Israels ist, absorbiert auch viele Kräfte im studentischen Leben, yerpflich- Vermutlich Jugendliche van SEM FRAIS KEN ST EIN Die Jugendkriminlität wächst —, das ist eine bedauerliche Welterscheinung. Wenn man die Statistiken liest, in welch steigendem Umfang Jugendliche an den Verbrechen der schwersten Art, an Mord und an Ueberfällen sowie an allen anderen Arten von Gewaltverbrechen beteiligt sind, wird man durchaus annehmen können, dass auch Friedhofschändungen von Jugendlichen begangen werden. Die Motive solcher niedrigen Straftaten sind nicht leicht erkennbar. Denn hier handelt es sich nicht um ein „Abenteuer“, das einen Jugendlichen lokken könnte. Hier kann er keine Millionen erbeuten. Hier kann er nicht seine falschverstandenen Mannestugenden und seinen Mut im Kampf gegen die Polizei und gegen die Gesellschaft betätigen. Hier richtet sich die verbrecherische Haltung gegen Tote, gegen Steine, gegen eine Mauer des Schweigens. Wenn man diese Straftaten analysiert, wird man zunächst einmal feststellen, dass diese Art der verbrecherischen Betätigung im höchsten Masse unjugendlich ist. Es müssen also andere Motive oder andere bewegende Kräfte dahinterstehen, die man in keinem Fall als jugendlich bezeichnen kann. Dass immer wieder die Bundesrepublik Deutschland der traurige Schauplatz dieser unwürdigen Vorkommnisse ist, gibt weiterhin begründeten Anlass, über diese Vorfälle nachzudenken. Dass es sich bei den Tätern auf den jüdischen Friedhöfen in Deutschland um „spielende Kinder“ handeln würde, war eine Behauptung, die nur von einfältigen Personen oder von Böswilligen geglaubt wurde, die irgendwelchen Grund hatten anzunehmen, die Oeffentlichkeit sei geneigt, alles zu akzeptieren, was als Entschuldigung für derartige, peinliche Vorkommnisse gelten könnte. Man wollte nicht wahrhaben, was wahr gewesen ist; dass der eingefressene Ju^nhass sich an den Toten versündigte, wie dies gerade in Deutschland, auch während der Weimarer Republik, durchaus nicht selten gewesen ist. Und die Juden in Deutschland verschlossen zunächst ihre Augen, denn sie wollten nicht als eine neue Realität die Schrecken hinnehmen, denen sie gerade entkommen waren. Das Gerede von Brüderlichkeit hört sich viel angenehmer an als die Aussagen, die umgeworfene Grabsteine zu machen haben, Mehr als 50 Grabsteine wurden im Juli dieses Jahres auf einem einzigen jüdischen Friedhof in Essen umgeworfen. Die Polizei vermutet, dass Jugendliche .. Das Uebrige kennen wir schon. Nur schade, dass dieselbe Polizei noch immer mit Elementen durchsetzt ist, die einmal selbst Schlimmeres taten, als Grabsteine umzuwerfen ... Diese Vergangenheit wird nicht bewältigt werden. Der Kampf gegen unsere Toten wird fortgeführt, und 50 Grabsteine sind keine Kleinigkeit; sie umzuwerfen, geschah sicherlich nicht im Vorbeigehen, Londern setzt 'eine „systematische Arbeit“ voraus... Wenn es wirklich ein neues Deutschland geben sollte, so ist es sehr schwach, so schwach, um noch nicht einmal die spielenden Kinder und die vandalischen Jugendlichen von Friedhöfen fernzuhalten. tet auch den Studenten seine wesentlichen Energien für den Schutz des Staates und seiner Bevölkerung zu bewahren und nicht sinnlos zu verzetteln — bringt ihn jedoch auch zu einer stärkeren Identifizierung mit der übrigen Bevölkerung. Von einigen studentischen Teilnehmern der Diskussion wurde auch auf den offensichtlich modischen Charaker der meisten Studentenrevolten der letzten Zeit hingewiesen. Zuerst waren es die Beatniks und dann die Hippies, die durch ihre provokative Lebensweise ihren Protest gegen die herrschende Gesellschaft und Ueberliefeiung zum Ausdruck bim gen wollten. Als sie in den Hintergrund traten, erschienen die rebellierenden Studenten mit grossem Impuls und Pathos und mit den trostlosen shwarzen Fahnen. Wie jede Mode, so führten jene studentischen Sprecher aus, verbreitete sich auch diese Welle schnell über alle Welt und droht wieder zu verschwinden. Der israelische Student lebt jedoch in einer Realität, in der er sich nicht den Staatsgeheimnis Jerusalem. — Israel enthüllte den Namen des Mannes, der in den letzten fünf Jahren Leiter der israelischen Spionageabwehr war. Die Gelegenheit hierzu bot der Rücktritt von Generalmajor Meir Amit, welcher von diesem Amt zurückgetreten ist, um sich in der Industrie zu betätigen. Inzwischen wurde sein Nachfolger ernannt, dessen Namen Staatsgeheimnis ist. General Amit hat die Leitung des Koor-Unternehmens übernommen, das der von der Histadrut abhängigen Solei Boneh angeschlossen ist. (ITA) Luxus leisten kann, sich von jeder Modewelle fort* reissen zu lassen. Er ist nicht gleichgültig, er steht nicht auf einem hohen Pedestal, von dem aus er mit olympischer Ruhe das Weltgeschehen beobachtet und verfolgt. Er steht fest auf dem Boden der Realität dieses Lande«, einem sehr heissen Boden — und das verpflichtet auch ihn. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 83* Registro de la Propiedad Intelectual N* 947 22P